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       # taz.de -- Dritte Staffel „Master of None“: Ein Beziehungsdrama in fünf Akten
       
       > In ihrer neuen Staffel ist „Master of None“ nicht wiederzuerkennen. Aber
       > diese Neuerfindung ist das Beste, was der Serie passieren konnte.
       
   IMG Bild: Haben selbst bei der Wäsche Spaß: Denise (Lena Waithe, l.) und ihre Frau Alicia (Naomie Ackie)
       
       Ganze 15 Minuten dauert es, bis Dev (Aziz Ansari) seinen ersten Auftritt
       hat. Bemerkenswert ist das, weil die zwei vorherigen Staffeln von „Master
       of None“ eigentlich nur aus Ansari bestanden: Er war eben nicht nur
       Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, sondern auch Hauptdarsteller.
       
       Dev, ein indisch-amerikanischer Mittdreißiger, war in Brooklyn immer auf
       der Suche: nach dem neuen Auftrag als Schauspieler, der großen Liebe oder
       den besten Tacos der Stadt. Das klappte mal mehr, mal weniger gut, weswegen
       Dev zeitweise die trashige TV-Show „Clash of the Cupcakes“ moderiert oder
       viel Zeit auf schlechten Dates verschenkt. Doch Scheitern hin oder her, den
       Zuschauer:innen blieb immer etwas zum Lachen.
       
       Mit der dritten Staffel ist das Lachen verschwunden. Master of None ist
       keine Comedyserie mehr, sondern ein Beziehungsdrama in fünf Akten. Und die
       Serie ist kaum mehr wiederzuerkennen: Körnige Bilder im 4:3-Format, lange
       Szenen, Minuten verstreichen ohne Dialoge, und die Punchlines sind auch
       weitestgehend verschwunden, stattdessen ist jedes Detail ästhetisch
       abgestimmt. Die Serie lässt sich Zeit und zeichnet das Porträt einer
       queeren Schwarzen Ehe. Und diese Neuerfindung ist das Beste, was der Serie
       passieren konnte.
       
       Und sie kam nicht ohne Grund. Ein Jahr nachdem die zweite Staffel
       ausgestrahlt wurde, beschuldigte eine Frau Ansari, sie bei einem Date
       sexuell bedrängt zu haben. Die Vorwürfe lösten in der [1][#MeToo-Bewegung
       eine Debatte über Konsens, Nötigung und schlechte Dates aus]. Ansari
       äußerte sich spärlich, sprach die Vorwürfe ein Jahr später in einem
       Comedy-Special an und war dann erst einmal von der Bildfläche verschwunden.
       Bis nun vor Kurzem überraschend die dritte Staffel der Erfolgsserie
       angekündigt wurde, in der Ansari vor allem hinter der Kamera agiert.
       Gemeinsam mit Alan Yang führt er Regie, das Drehbuch hat er mit Lena Waithe
       geschrieben.
       
       ## Scheinbar perfekt
       
       Dass sie als Duo gut funktionieren, haben sie schon in der
       Thanksgiving-Folge der zweiten Staffel beweisen. Wofür sie 2019 mit einem
       Emmy ausgezeichnet wurden – Waithe war damit die erste Schwarze Frau, die
       diese Auszeichnung erhalten hatte. Waithe kann nicht nur gut schreiben (und
       das hat sie mit „The Chi“ und [2][„Queen & Slim“] zur Genüge bewiesen),
       sondern auch schauspielern, beweist sie jetzt.
       
       Ihre Figur Denise steht im Zentrum der dritten Staffel. Mittlerweile
       Bestseller-Autorin, hat sie das Leben in Brooklyn mit dem auf dem Land
       getauscht. Dort wohnt sie mit ihrer Frau Alicia (Naomie Ackie) in einem
       liebevoll eingerichteten Cottage. Alles wirkt irgendwie stimmig, doch die
       scheinbar perfekte Ehe der beiden wird immer wieder auf die Probe gestellt.
       
       (Un)erfüllte Kinderwünsche, Selbstverwirklichung, Vorstellungen von Treue –
       die Themen nehmen der Serie die Leichtigkeit, für die diese bekannt war.
       Doch trotz einer von Einsamkeit und Verlust geprägten Geschichte bleiben
       der Serie trotz allem auch Momente zum Wohlfühlen erhalten.
       
       31 May 2021
       
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