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       # taz.de -- Nominierung für Fußball-EM-Kader: Bloß oberer Durchschnitt
       
       > Jogi Löws Aufgebot für die Männer-Fußball-EM ist solide, nicht mehr. Die
       > Sportwelt nimmts gelassen – als letzter Move eines scheidenden Monarchen.
       
   IMG Bild: Zurück in die Zukunft: Löw mit Hummels und Müller bei der letzten EM 2016
       
       Selten sind Kadernominierungen für ein Großturnier der deutschen
       [1][Männernationalelf] von so viel Gelassenheit begleitet gewesen wie
       diese. Es gab warmen Applaus für die Entscheidung, den im Nationaldress
       völlig unerfahrenen Freiburger [2][Christian Günter] und den ausgemusterten
       Kevin Volland mitzunehmen. Auch dafür, dass wie absehbar Hummels und Müller
       zurückkehren. Höchstens Joachim Löws eher gering ausgeprägte Fähigkeit,
       Fehler einzuräumen, fand einzelne hochgezogene Augenbrauen.
       
       So viel Harmonie ist angesichts der letzten Wochen für den DFB erfreulich,
       aber nicht nur ein gutes Zeichen. Löws Aufgebot für die um ein Jahr
       verschobene Männer-EM ist tatsächlich die klügste Auswahl derer, die
       Fußballdeutschland zu bieten hat. Im Guten wie im Schlechten, denn es
       drängt sich eben auch sonst kaum jemand auf. Das Personal ist viel oberer
       Durchschnitt, wenig Weltklasse. Mit Grund bleibt Löw bei einem EM-Ziel
       zurückhaltend.
       
       Für ein gutes Turnier muss die Offensive konstanter werden; mit der
       Bayern-Achse um Goretzka, Kimmich, Gnabry, Sané sind Niederlagen wie die
       gegen Nordmazedonien schwer zu rechtfertigen. Die Defensive bleibt eine
       Problemzone. Auch deshalb ist die Rückkehr von Mats Hummels wichtiger als
       die umjubelte Rückholung von Medienliebling Thomas Müller. Dass die
       Aussortierung der beiden Leitfiguren vorschnell war, ist nicht nur Löw
       anzukreiden: dieselben KritikerInnen, die nun vehement das Comeback
       forderten, schrien nach der verkorksten WM 2018 noch, die Alten müssten
       endlich weg. Das haben sie selig vergessen.
       
       Und noch einen Grund gibt es für die Gelassenheit. Durch seinen
       angekündigten Rücktritt hat Joachim Löw vor dem Volke gewissermaßen die
       Wandlung von Louis XVI zur Queen durchlaufen: von der (in diesem Fall nicht
       wörtlichen) Schafott-Forderung zu einer Folklorefigur, deren Schrullen man
       mit einem Lächeln hinnimmt: So isch er, unser Jogi. Vor dem Hintergrund des
       beispiellosen Kreditverlusts des Spitzenfußballs wie des [3][DFB] hat die
       EM zudem an Bedeutung eingebüßt. Bis zum Auftaktspiel am 15. Juni gegen
       Frankreich jedenfalls. Da sollte sich der scheidende Monarch im möglichen
       Volkszorn nicht täuschen.
       
       20 May 2021
       
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