# taz.de -- Tariflohn für Pflegende: Schluss mit der Teilung
> Es soll mehr Geld geben für Pflegekräfte. Doch es fehlt ein einheitlicher
> Tarif – und ein Ende der Aufteilung in gesetzliche und private Kassen.
IMG Bild: Pflegekräfte demonstrierten am 12. Mai unter dem Motto „Der Pflege geht die Luft aus“ in Berlin
Doch, es gibt Fortschritt in der Pflege. Schon vor Corona sind die Löhne in
der Kranken- wie in der Altenpflege überdurchschnittlich gestiegen. Dank
Corona ist nun auch die gesellschaftliche Anerkennung für Pflegeberufe
gewachsen. Das Pflegethema lässt sich nicht mehr als unschön und
überkomplex wegwischen.
[1][Die Minister Hubert Heil (SPD) und Jens Spahn (CDU)] haben nun
beschlossen, dass nur Pflegeheime, die Tariflöhne zahlen, noch Geld aus der
Pflegekasse bekommen sollen. Viele Pflegekräfte, die bisher den
Pflegemindestlohn hatten, werden bald mehr bekommen. Jedenfalls wenn die
Union diese Kabinetts-Einigung nicht mehr zerschießt, wie es zuletzt
mehrfach passiert ist.
Nur: „Tariflöhne“ klingt hier besser, als die Sache ist. Denn Tarife gibt’s
in der Pflege im Übermaß. Das Ziel dieses Jahres hätte ein Tarif für alle
sein müssen, der Übersicht und Verlässlichkeit gegeben hätte. Diesen
einheitlichen Tarifvertrag aber haben Ende Februar die Arbeitgeber
zerschossen – namentlich die Christenmenschen von [2][Caritas] und
[3][Diakonie]. Ihnen waren ihre kirchenbedingten Sonderrechte wichtiger als
die Aufwertung der mitmenschlichen Sorgearbeit.
Der Pflegeplan der Bundesregierung ist daher nur die zweitbeste Lösung.
Denn ein wichtiges Problem der Pflege bleibt dabei bestehen: die enorme
Unübersichtlichkeit der Branche, die zu krassen Gehaltsunterschieden und
immer nur halbgaren Ansätzen führt, wenn es etwas zu verbessern gilt.
Diese Unübersichtlichkeit war politisch gewollt. Hurra, Wettbewerb – so
lautete das Motto bei der Errichtung des Pflegesystems. Seitdem dient es
vor allem Anbietern, die Standards drücken wollen: die Lohnstandards, aber
auch Qualitätsstandards, über die noch zu reden sein wird.
Erst einmal aber müssen höhere Löhne auch bezahlt werden. Heils und Spahns
Finanzierungsvorschlag gewährt da bestenfalls noch Aufschub. Die
Zusatzbelastung von Kinderlosen ist zwar minimal. Aber hier wird an einer
Schraube gedreht, die spalterisch wirkt. Das war schon bei der Einführung
des Kinderlosen-Zuschlags 2005 keine gute Idee. Und die eingeplante eine
Milliarde Euro Steuermittel wird schneller weg sein, als die künftige
Regierung „Pflegefinanzreform“ buchstabieren kann.
Klar ist: Die [4][zu Pflegenden werden eine bessere und besser entlohnte
Pflege nicht bezahlen können]. So wird bald die Systemfrage wieder auf den
Tisch müssen: Wie lange wollen wir uns noch die Aufteilung in gesetzliche
und private Kassen leisten? Diese Teilung ist unlogisch, ineffizient – und
für die Gesellschaft zu teuer.
3 Jun 2021
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## AUTOREN
DIR Ulrike Winkelmann
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