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       # taz.de -- Zusammenstöße in Jerusalems Altstadt: Keine Feiertagsstimmung
       
       > Nach dem letzten Freitagsgebet im Ramadan kam es zu Auseinandersetzungen
       > vor dem Damaskus-Tor. Über 200 Menschen wurden verletzt.
       
   IMG Bild: Seit Wochen spitzt sich die Stimmung vor dem Damaskus-Tor zu
       
       Tel Aviv taz | Etwa zwei Wochen lang herrschte verhältnismäßige Ruhe vor
       dem [1][Damaskus-Tor im Ostteil der Altstadt Jerusalems], doch Freitag
       Abend spitzte sich die Stimmung wieder zu. Stühle, Schuhe und Steine flogen
       nach den Freitagsgebeten in Richtung Polizei auf das Pflaster des
       Tempelbergs vor der Al-Aqsa-Moschee. Die Polizei antwortete mit
       Blendgranaten. Mindestens 205 Palästinenser*innen und 17
       Polizeibeamte wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt.
       
       Laut der israelischen Tageszeitung Haaretz kochten die Spannungen nach dem
       Abendgebet über, an dem an diesem letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan
       70.000 Gläubige teilgenommen haben sollen.
       
       Zuvor, kurz nach den Nachmittagsgebeten, sollen laut Medienberichten
       Gläubige die grüne Flagge der extremistischen islamischen Gruppierung Hamas
       geschwenkt haben, Hamas-Parolen gesungen und zu Angriffen auf Israel
       aufgerufen haben.
       
       In den Medien wurde auch die Vermutung geäußert, dass die Hamas zu den
       Protesten aufgerufen haben soll. Sie macht Israel für die vor einer Woche
       von [2][Palästinenserführer Mahmoud Abbas angekündigte Verschiebung] der
       palästinensischen Wahlen verantwortlich. Israel hatte die Forderung, auch
       im von Israel annektierten Ostteil der Stadt Jerusalem die Wahlen abhalten
       zu können, nicht beantwortet.
       
       ## Streit um Grundstücke
       
       Anlass für die Auseinandersetzungen sind wohl auch Ereignisse im arabischen
       Stadtteil Sheikh Jarrah, nur einen Kilometer vom Damaskus-Tor entfernt.
       Vier Familien in dem Ostjerusalemer Viertel könnten in den kommenden Wochen
       aus ihren Häusern vertrieben werden.
       
       Extremistische jüdische Nationalist*innen behaupten, dass die
       palästinensischen Häuser auf Land gebaut worden seien, das vor der Gründung
       des Staates Israel jüdischen Vereinigungen gehört habe. Sie beanspruchen
       die Häuser für sich. Ein Urteil des Obersten Gerichts, das darüber
       entscheidet, ob die Familien gegen ihre Räumung in Berufung gehen können,
       wird für Montag erwartet.
       
       Das Urteil könnte Einfluss haben auf Dutzende andere Fälle, in denen
       palästinensische Familien aus Ostjerusalem mit Räumungsklagen konfrontiert
       sind.
       
       ## Hamas ruft zu Protesten auf
       
       Die gewaltsamen Zusammenstöße reihen sich außerdem ein in eine Reihe von
       Vorfällen im besetzten Westjordanland. Am Freitag wurden zwei Palästinenser
       erschossen und einer schwer verletzt, nachdem sie auf einen israelischen
       Militärstützpunkt geschossen hatten.
       
       Am vergangenen Sonntag wurden drei israelische Jeschiwa-Studenten aus der
       Siedlung Itamar von einem Palästinenser aus dem Westjordanland an der
       Tapuah-Kreuzung im Westjordanland angeschossen. Eines der jugendlichen
       Opfer wurde dabei lebensgefährlich verletzt und starb am Mittwochabend.
       
       Jerusalem könnten noch heftigere Auseinandersetzungen bevorstehen. Für
       Samstag Abend werden weitere Proteste in Jerusalem und in anderen arabisch
       geprägten Orten in Israel erwartet. Die Hamas rief außerdem Gruppierungen
       aus dem Gazastreifens für Samstag Abend zu Demonstrationen in der Nähe des
       Grenzzauns zu Israel auf, um gegen die israelischen Aktionen in Jerusalem
       zu protestieren.
       
       ## Feiertage könnte Stimmung weiter reizen
       
       Besonders knallen könnte es am Montag, wenn der muslimische Feiertag Laylat
       al Qadr und der Jerusalem-Tag aufeinander fallen. Laylat al-Qadr ist die
       Nacht im Monat Ramadan, in der der Koran gemäß islamischem Glauben erstmals
       offenbart wurde. Zehntausende Muslime werden voraussichtlich wie jedes Jahr
       zum Tempelberg strömen, um zu beten.
       
       Der israelisch-jüdische Jerusalem-Tag wurde 1968 eingerichtet, um die
       Eroberung Jerusalems im Sechstagekrieg 1967 zu feiern.
       Zionistisch-religiöse Jüdinnen und Juden werden wohl auch dieses Mal wieder
       mit einem Fahnenzug um die Mauern der Altstadt in West- und Ostjerusalem
       ziehen.
       
       Das für Montag erwartete Urteil des Obersten Gerichts zu den Streitigkeiten
       in Sheikh Jarrah dürfte die ohnehin schon brodelnde Atmosphäre noch
       zusätzlich anheizen.
       
       8 May 2021
       
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