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       # taz.de -- „Jungfräulichkeitstests“ in Indien: Wehrhafte Schwestern
       
       > In Südasien werden Frauen noch immer vermeintlichen Keuschheitsproben
       > unterzogen. Zwei junge Inderinnen setzen sich jetzt öffentlich zur Wehr.
       
   IMG Bild: Eine Braut bei einer Massenhochzeit in Indien
       
       Mumbai taz | An ihrem Hochzeitstag waren sie noch in rot-goldene Gewänder
       gehüllt. Doch kurz darauf zerbrach die Fassade. „Meine Schwiegermutter hat
       mich nach der Hochzeit zwei Tage lang gequält. Mein Ehemann hat versucht,
       mich an der Decke zu erhängen“, erzählte kürzlich die 22-jährige Megha
       Kailas Gumane aus dem westindischen Kolhapur einer Reporterin der Times of
       India.
       
       Der Grund war, dass der „Jungfräulichkeitstest“ der Braut nach der
       Hochzeitsnacht nicht – wie von ihrer neuen Familie gewünscht – positiv
       ausgefallen war. Das Bettlaken war am Morgen danach nicht blutig. Das gab
       ihren Schwiegereltern das vermeintliche Recht, sie zu misshandeln und sie
       wie ihre ebenfalls frisch eingeheiratete Schwester auf die Straße zu
       setzen.
       
       Denn wenn eine Frau nicht blutet, wird angenommen, dass sie vorehelichen
       Sex hatte. Davor sollen die Schwiegereltern eine Mitgift gefordert haben.
       Dass Megha so offen darüber spricht, was ihr widerfahren war, ist keine
       Selbstverständlichkeit. Denn sie wurde gedemütigt und mit dem Tod bedroht.
       
       Doch sei jetzt das Schlimmste passiert, sagt sie, und sie hätte nichts mehr
       zu verlieren. „Mein Mann sagte, ich soll nach Hause gehen, wenn ich
       Selbstwertgefühl hätte. Oder mich umbringen“, sagt sie einem öffentlichen
       Video.
       
       ## Nicht das erwünschte Ergebnis beim „Bettlaken-Test“
       
       Doch die Schwestern ließen das nicht stillschweigend auf sich sitzen. Sie
       fordern Gerechtigkeit und zeigten die brutale Praxis bei der Polizei an.
       Von dem „Bettlaken-Test“ wussten die beiden, 22 und 19 Jahre alt, nichts,
       als sie Ende November innerhalb ihrer Kaste mit den Brüdern Sandip (32) und
       Surmit (27) Kanjarbhat verheiratet wurden. Wenig später annullierte sogar
       der Gemeinderat die Ehen, was eigentlich nicht rechtens ist.
       
       Nach der Anzeige wurde die Unterkunft der Schwestern von mehreren Personen
       mit Steinen beworfen. Meghnas Ex-Mann, ein Soldat, wurde nach dem Vorfall
       verhaftet. Doch die Frauen bekamen auch Zuspruch und Beistand von
       Sozialarbeiter:innen der Nichtregierungsorganisation MANS, den
       Rechtsstreit zu führen. Megha sucht nun nach einer Ausbildungsmöglichkeit
       als Kosmetikerin, ihre Schwester will auf eine Polizeiakademie.
       
       ## Männer, soziale Benachteiligung und Kastensystem
       
       „Wir sind hier, um diese mutigen Mädchen zu unterstützen. Aber es liegt in
       der Verantwortung der Männer, diese Art von Praxis zu stoppen“, sagt Vivek
       Tamaichikar. Er hat eine Aufklärungskampagne in der Gemeinde der
       Kanjarbhat-Kaste gestartet. „Das Kastensystem ist sehr stark dafür
       verantwortlich, dass diese Vorfälle passieren“, erklärt er, auch wenn sie
       illegal sind.
       
       So etwas passiere zwar auch in anderen Gemeinschaften, doch eben häufiger
       in jenen, die benachteiligt sind, wie in diesem Fall bei der
       Stammesgemeinschaft Kanjarbhat, sagt Tamaichikar. Der westindische
       Bundesstaat Maharashtra, in dem sich der Vorfall ereignet hat, war der
       erste, der 2016 ein Gesetz gegen gesellschaftlichen Ausschluss aufgrund von
       [1][Religion] oder Brauchtum verabschiedet hat.
       
       Vergehen werden mit Gefängnis von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe
       von umgerechnet bis zu 1.000 Euro geahndet. Auf dieses Gesetz berufen sich
       nun die Frauen.
       
       7 May 2021
       
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