# taz.de -- Prämien für ökologische Wälder: Geld fürs Wachsen
> Waldbesitzer sollen für Ökosystemleistungen ihrer Forste belohnt werden.
> Doch die Pläne von Union und SPD haben Lücken, warnen Umweltverbände.
IMG Bild: Kranke Bäume, die durch die Trockenheit von einem Pilz befallen sind, werden markiert
Berlin taz | Waldbesitzer sollen künftig eine Prämie für die
Ökosystemleistungen ihrer Forste bekommen. Das will der Bundestag am
Donnerstagabend auf Antrag der Regierungsfraktionen beschließen. Dafür soll
die Bundesregierung Modelle entwickeln, mit denen die Leistungen der Wälder
etwa für die Stabilisierung des Klimas und des Wasserhaushalts oder den
Erhalt der Artenvielfalt berechnet werden können.
Der Antrag fordert die Ministerien für Landwirtschaft und für Umwelt auf,
gemeinsam Standards zu entwickeln, an die ein staatliches
Honorierungssystem gebunden werden könnte. Dabei sei zu prüfen, ob
Standards bestehender Zertifizierungssysteme (wie etwa des FSC oder des
PEFC) angewendet werden könnten, [1][heißt es in dem Papier.]
Damit kommen Union und SPD einer Forderung der Waldbesitzer nach, die diese
seit Beginn der Waldkrise durch die Dürren der vergangenen Jahre zunehmend
laut erheben. Nach drei Jahren Dürre mit Stürmen und Befall durch
Borkenkäfer und andere Insekten ist der Zustand des Waldes [2][so schlecht
wie noch nie seit Beginn der Erhebungen 1984].
Die Schäden für die Forstbesitzer gehen in die Milliarden, rund 290.000
Hektar – etwas mehr als die Fläche des Saarlands – müssen wieder bewaldet
werden. Zudem haben die großen Mengen an Schadholz die Holzpreise ruiniert;
obwohl sie sich zuletzt leicht erholten, liegen sie noch immer unter dem
üblichen Niveau. Die Waldbesitzer betonen, keine Flächenprämien wie die
Landwirte oder Entschädigungen für entgangene Gewinne erhalten zu wollen.
## 112,50 Euro pro Jahr und Hektar
„Wir wollen, dass die gebeutelten Waldbesitzer die Möglichkeit bekommen,
klimastabile Wälder aufzubauen“, sagt Max von Elverfeldt, Vorsitzender der
Familienbetriebe Land und Forst. Bezahlen will er die Zuschüsse nicht aus
dem Bundeshaushalt, sondern aus dem Energie- und Klimafonds. Dieses
Sondervermögen des Bundes speist sich unter anderem aus dem Emissionshandel
aus dem Wärme- und Energiesektor.
Waldbesitzer sollen 112,50 Euro pro Jahr und Hektar für die Klimaleistungen
ihrer Wälder bekommen, schwebt den Waldbesitzerverbänden vor. „Wenn die
Emittenten von Treibhausgasen für den Ausstoß von Kohlendioxid bezahlen,
ist es nur logisch, dass die CO2-Senken entlohnt werden“, so Elverfeldt.
„Wir sind dafür, Waldbesitzer:innen zu unterstützen, die ihre Wälder
besonders ökologisch verträglich im Sinne des Gemeinwohls bewirtschaften“,
sagt Nicola Uhde, Waldexpertin der Umweltorganisation BUND. Dabei müsse
aber immer der Grundsatz gelten „öffentliches Geld für öffentliche
Leistungen“, so Uhde.
Daher sei es wichtig, ökologische Mindeststandards im Bundeswaldgesetz zu
verankern – „bislang fehlen sie dort“. Wichtig sei auch, bei den
Ökosystemleistungen nicht nur auf den Klimaschutz zu schauen, sondern auch
das Thema Biodiversität zu berücksichtigen. „Der Erhalt und die
Wiederherstellung der biologischen Vielfalt heimischer Wälder bedarf
eigener Kriterien bei der Entwicklung eines Honorierungsmodells“, so Uhde.
Vor einer unerwünschten Nebenwirkung der Prämien warnt indes Marcus Knauf,
Experte für die Klimaschutzleistung von Forst- und Holzwirtschaft. „Je
nachdem, wie sich der CO2-Preis entwickelt, könnte es für die Forstbetriebe
lukrativer sein, das Holz im Wald zu lassen, als es zu verkaufen“, sagt
Knauf. Und: „Wir müssen als Gesellschaft entscheiden, ob wir uns aus der
Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz verabschieden“.
22 Apr 2021
## LINKS
DIR [1] https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/287/1928789.pdf
DIR [2] /Waldlobbyisten-fordern-mehr-Geld/!5759279
## AUTOREN
DIR Heike Holdinghausen
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