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       # taz.de -- Anti-Rassismus-Gesten im Fußball: Gründe zum Niederknien
       
       > Der deutsche Profifußball zeigt sich gern solidarisch mit den
       > Black-Lives-Matter-Protesten. Das Engagement in der Ferne würde man sich
       > auch hier wünschen.
       
   IMG Bild: Solidarisch mit Rassismusopfer in den USA: Hertha und BVB-Profis gedenken an George Floyd
       
       Die Fifa sagt Nein zu Rassismus, die Uefa sagt Nein zu Rassismus, und auch
       der DFB sagt Nein zu Rassismus. [1][Klubs wie Hertha BSC Berlin] oder
       Borussia Dortmund sind solidarisch mit den Black-Lives-Matter-Protesten.
       Und der Liverpool FC postete ein Foto der Mannschaft, wie sie im Kreis
       niederkniet.
       
       Gut. Aber das dürfte ein passender Moment sein, an Dalian Atkinson und auch
       an Erwin Kostedde zu erinnern.
       
       Atkinson war von 1985 bis 2001 Profi, in der Premier League spielte er
       unter anderem bei Aston Villa und Manchester City. Vor fünf Jahren kam er
       durch einen polizeilichen Elektroschocker zu Tode. Ein Mordprozess gegen
       die Polizisten findet dieser Tage in Birmingham statt. Statt einen Streit
       zu schlichten, setzten sie den Schocker acht Mal für insgesamt über 80
       Sekunden ein. Am Schluss waren es 33 Sekunden lang nonstop, dazu wurde dem
       48-jährigen Exprofi gegen den Kopf getreten. Noch im Krankenwagen starb er.
       Atkinson war schwarz, die Polizisten weiß.
       
       [2][Erwin Kostedde] wurde 1990 verhaftet. Dem Exprofi von Borussia Dortmund
       und Werder Bremen wurde vorgeworfen, im westfälischen Coesfeld eine
       Spielothek ausgeraubt zu haben. „Bräunlicher Teint, schwarze kurze Haare“,
       so lauteten die Angaben der Kassiererin der Spielhalle. Fünf Monate saß
       Kostedde in Untersuchungshaft. Bei der Gegenüberstellung wurde der Frau nur
       Kostedde präsentiert, nicht die vorgeschriebenen sechs Personen. Es sei
       „ausgeschlossen, im Raum Coesfeld noch fünf Farbige aufzutreiben“,
       rechtfertigte sich der Polizist.
       
       ## Keine Solidarität vor Ort
       
       Noch im Schlussplädoyer forderte der Staatsanwalt zwei Jahre Haft auf
       Bewährung. Schließlich sei der Exprofi doch hoch verschuldet gewesen.
       [3][Eine in diesen Tagen erscheinende Biografie] berichtet eindrucksvoll
       davon (Alexander Heflik: „Erwin Kostedde. Deutschlands erster schwarzer
       Nationalspieler“, Verlag Die Werkstatt).
       
       Es gibt eine weitere Gemeinsamkeit von Erwin Kostedde und Dalian Atkinson.
       Für beide Exprofis gab es keine Solidaritätsaktionen des organisierten
       Profifußballs. Das legt ein Manko hiesigen europäischen Antirassismus’
       offen. Das solidarische Bekenntnis fällt umso leichter, je weiter der
       Tatort weg ist, je fremder einem der Täter ist. Besonders leicht fällt die
       antirassistische Haltung, wenn sie anschlussfähig ist an Ressentiments,
       etwa gegen Amerika.
       
       Natürlich möchte ich nichts gegen Solidarität mit Black Lives Matter sagen.
       Es geht nur darum, auch im eigenen Umfeld genauer zu schauen, statt
       wohlfeil Symbole zu inszenieren.
       
       Der organisierte Sport bedient sich gern einer Metapher. „Rote Karte dem
       Rassismus!“ soll auch andeuten, dass der Verband mit seinem eigenen
       Bestrafungssystem die Sache regeln könne. Das glaubte man leichter, wenn in
       diesen Tagen auch im deutschen Fußball an Dalian Atkinson erinnert würde.
       Oder wenn man sich mit Erwin Kostedde, der an diesem Freitag 75 Jahre alt
       wird, über seine Erfahrungen unterhielte.
       
       19 May 2021
       
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