# taz.de -- Antisemitismus in Deutschland: Synagogen als Ziel
> Antisemitische Vorfälle auf Anti-Israel-Demos häufen sich. Der Zentralrat
> der Juden fordert Solidarität, die Bundesregierung sichert Schutz zu.
IMG Bild: Ziel des antisemitischen Demonstrationszug in Gelsenkirchen war die Synagoge
Berlin dpa/afp/taz | In den vergangenen Tagen kam es zu einer Vielzahl von
antisemitischen Vorfällen auf Anti-Israel-Demos und zu Angriffen auf
jüdische Einrichtungen. Israelflaggen, die an öffentlichen Gebäuden gehisst
wurden, wurden gestohlen oder in Brand gesetzt, etwa in Solingen. In
Berlin-Pankow scheiterte ein solcher Versuch, Unbekannte stellten eine
brennende Mülltonne unter die Flagge am Rathaus.
Rund 180 Demonstranten zogen am Mittwoch vor die Synagoge in Gelsenkirchen.
In einem per Twitter verbreiteten Video des Zentralrats der Juden sind
Sprechchöre mit antisemitischen Inhalten, wie etwa „Scheiß Juden“, zu
hören. Die Polizei habe den Zug aufgehalten, teilte sie mit.
In Hannover demonstrierten am Mittwoch rund 550 Personen gegen Israel,
einige versuchten Israelflaggen zu verbrennen, so die Polizei. Zwei
mutmaßliche Täter hätten davon allerdings abgehalten werden können. Gegen
einen Verdächtigen und eine weitere Person seien Strafverfahren wegen der
Verletzung von Hoheitszeichen ausländischer Staaten eingeleitet worden.
Bereits am Montag hatte es in Hannover eine Drohung gegenüber der Liberalen
Jüdischen Gemeinde gegeben. Ermittlungen seien eingeleitet und der
Staatsschutz eingeschaltet worden, so die Polizei. Jüdische Einrichtungen
seien ein Schwerpunkt der polizeilichen Schutzmaßnahmen. Niedersachsens
Innenminister Boris Pistorius (SPD) sicherte ihnen am Mittwoch
größtmöglichen Schutz zu: Polizei und Sicherheitsbehörden seien zu höchster
Wachsamkeit aufgerufen. Vielerorts wurden entsprechende
Sicherheitsvorkehrungen getroffen.
## Brennende Israelflaggen, Steine auf Synagoge
In Mannheim griff ein Unbekannter die dortige Synagoge an, zerstörte eine
Scheibe. Eine Polizeistreife habe am frühen Donnerstagmorgen an der
Synagoge einen dumpfen Schlag an der Rückseite des Gebäudes vernommen, wie
die Beamten mitteilten. Ein Fenster war demnach mit einem bislang
unbekannten stumpfen Gegenstand beschädigt worden. Die Scheibe sei
großflächig gesprungen, teilte ein Polizeisprecher mit.
Bereits in der Nacht zum Mittwoch wurden in Münster und Bonn Israelflaggen
vor den dortigen Synagogen verbrannt. In Bonn wurde der Eingang der
Synagoge mit Steinen beschädigt.
Außenminister Heiko Maas verurteilte die Taten. „Für Angriffe auf Synagogen
darf es in unserem Land null Toleranz geben“, sagte Maas den Zeitungen der
Funke Mediengruppe. „Und so traurig es ist, dass das überhaupt notwendig
ist: Der Staat muss ohne Wenn und Aber die Sicherheit der Synagogen
gewährleisten“, erklärte Maas.
„Israel und Juden insgesamt sind derweil vor allem in den sozialen Medien
Hass und Hetze ausgesetzt“, sagte Josef Schuster am Mittwoch. „Die
Bedrohung für die jüdische Gemeinschaft wächst“, so der Vorsitzende des
Zentralrats der Juden. Schuster forderte von den Bürger:innen in
Deutschland „Solidarität mit Israel und der jüdischen Gemeinschaft“.
## Justizministerin fordert Schutz jüdischer Einrichtungen
„Die Täter müssen ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden“, betonte
Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) am Mittwoch. „Synagogen und
jüdische Einrichtungen müssen konsequent und umfassend geschützt werden“,
so Lambrecht.
In Israel finden derzeit heftige Auseinandersetzungen zwischen arabischen
und jüdischen Israelis statt. Über tausend Raketen schossen islamistische
Terrorgruppen in den vergangenen Tagen aus Gaza auf Israel, das israelische
Militär flog Luftangriffe auf Stellungen der Hamas in Gaza. (dpa/afp/taz)
13 May 2021
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