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       # taz.de -- Bremer Edeka wirft Mitarbeitende raus: Lieber erst mal entlassen
       
       > Edeka in Bremen-Vahr übernimmt einen Real-Supermarkt und kündigt gleich
       > allen 109 Beschäftigten. Zugleich bekundet der Konzern sein Bedauern
       > darüber.
       
   IMG Bild: Wenn alle Liebe dem Produkt gilt, bleibt wenig für die Beschäftigten
       
       Bremen taz | In der Mitteilung der Unternehmenssprecherin schwingt
       Hilflosigkeit mit. „Den Wegfall der Arbeitsplätze durch die Schließung des
       Marktes bedauern wir sehr“, schreibt Frau P., die namentlich nicht genannt
       werden will, aber Deutschlands größten Lebensmittelhändler Edeka vertritt.
       Und der hat im Stadtteil Vahr gerade 109 Beschäftigte entlassen. Unter
       ihnen viele Frauen, viele Alleinerziehende, viele Menschen, die schon
       Jahrzehnten dort arbeiten, sagt die Gewerkschaft Ver.di.
       
       Edeka hat jüngst in der Vahrer Straße einen Real-Supermarkt übernommen. Man
       sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Immobilie „nicht mehr
       wettbewerbsfähig“ und ob ihrer „desolaten Bausubstanz“ auch nicht mehr
       sanierungsfähig sei, erklärt Edeka. Ein Neubau soll her. So weit, so
       unstrittig.
       
       Bisher seien alle Mitarbeiter*innen davon ausgegangen, dass Edeka sie für
       die Zeit des Neubaus in anderen Märkten unterbringe und später zu denselben
       Konditionen am alten Standort wieder beschäftige. So erklärt es die
       Gewerkschaft Ver.di, mit Verweis auf ähnliche Regeln in 15 anderen Märkten.
       
       Doch nun verlieren alle bei Real in der Vahr Beschäftigten erst einmal
       ihren Job. Das spart Edeka Geld, und der Konzern umgeht zugleich das
       [1][Recht auf Weiterbeschäftigung], das sonst für einen Betriebsübergang
       gilt. „Uns ist bewusst, dass dies viele Mitarbeitende vor eine große
       Herausforderung stellt“, schreibt die Unternehmenssprecherin.
       
       ## Gewerkschaft kritisiert Heuchelei
       
       Deshalb macht Edeka ihnen ein Angebot. Sie dürfen sich bewerben! Also, auch
       auf freie Stellen, die Edeka anderswo in Bremen eh hat. „Die Bewerbungen
       der Mitarbeitenden des Real-Standortes an der Vahrer Straße werden
       bevorzugt behandelt“, heißt es bei Edeka – ohne dass damit eine konkrete
       Zusage verbunden wäre.
       
       Zu weiteren Details könne man sich nicht äußern. „Im vergangenen Jahr
       Rekordgewinne einfahren, den Beschäftigten heuchlerisch für ihre
       Systemrelevanz danken und sie im Anschluss auf die Straße setzen. Das ist
       unternehmerische Verantwortung, die am eigenen Gartenzaun endet!“, sagt
       Gewerkschaftssekretär Tobias Uelschen.
       
       Er gehe davon aus, dass am Ende viele jener Menschen, die heute bei Real in
       der Vahr arbeiten, dies künftig auch bei Edeka dort tun. Aber zu deutlich
       schlechteren Bedingungen. „Es besteht die Gefahr, dass nach einer
       Neueröffnung ein weiterer Betrieb im Handel nicht mehr tarifgebunden ist“,
       sagt Ver.di-Geschäftsführer Markus Westermann. Das habe [2][Edeka] in
       anderen Regionen schon so gemacht. Ver.di unterstellt, dass Edeka
       mittelfristig ganz aus der Tarifbindung aussteigen wolle. Edeka sagt dazu
       nichts.
       
       ## Aus dem Flächentarifvertrag verabschiedet
       
       Schon die Warenhauskette Real, die bis zum Frühjahr 2022 bundesweit zehn
       Filialen schließen will und dem russischen Finanzinvestor SCP gehört, hat
       sich aus dem Flächentarifvertrag verabschiedet. Statt dessen schloss sie
       einen Tarifvertrag mit der kleinen Gewerkschaft DHV – die jedoch nach einem
       Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamburg nicht als „tariffähig“ gilt.
       
       Bei Edeka wird man bisher meist noch nach dem Flächentarifvertrag mit
       Verd.di entlohnt, der laut Uelschen für eine Vollzeitstelle 2.700 Euro
       brutto vorsieht. Doch privatisierte Edeka-Märkte – zu erkennen an einem
       Nachnamen im Titel – unterlägen nicht der Tarifbindung und müssten nur den
       Mindestlohn zahlen, so Uelschen. Wer etwa nach einem Tarifvertrag mit DHV
       bezahlt werde, habe „locker 200 Euro weniger im Monat“.
       
       Die Gewerkschaft will sich nun mit dem Real-Betriebsrat zusammensetzen und
       mit den Beschäftigen über Maßnahmen und Proteste beraten.
       
       11 May 2021
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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