URI:
       # taz.de -- Dubiose Spenden vor Sturm auf Kapitol: Bayer AG zieht sich zurück
       
       > Der Chemiekonzern sponserte einen Verband, der zur Pro-Trump-Demo vor dem
       > Sturm aufs Kapitol aufgerufen hatte. Nun stoppt er die Finanzierung.
       
   IMG Bild: Spenden gestoppt: Hauptverwaltung der Bayer AG im Chempark Leverkusen
       
       Berlin taz | Der Chemiekonzern Bayer stoppt seine Spenden für eine Gruppe,
       die zu der Demonstration vor der Erstürmung des US-Kapitols am 6. Januar
       aufgerufen hatte. „In Zukunft [1][kein Sponsoring mehr] für die Republican
       Attorneys General Association (Raga) durch Bayer in den USA“, twitterte das
       Leverkusener Unternehmen dieser Tage. Dem Verband der republikanischen
       Generalstaatsanwälte fehle „eine kritische Aufarbeitung“ der Rolle, die
       seine Unterorganisation „Fonds zur Verteidigung des Rechtsstaats“ beim
       Sturm auf das Parlament durch Anhänger des damaligen US-Präsidenten Donald
       Trump gespielt habe.
       
       Damit reagiert der Konzern [2][auf einen Bericht der taz von Mitte Januar],
       wonach Monsanto – die US-Saatgut- und Pestizidtochterfirma von Bayer – im
       vergangenen Jahr 50.000 US-Dollar an Raga gespendet hatte. Auch die
       Telekom-Tochter T-Mobile USA ließ der Organisation 15.000 Dollar zukommen.
       Das zeigen der taz vorliegende Dokumente der Bundessteuerbehörde IRS. Laut
       einer Auswertung der Daten, die die Investigativ-Website Documented für die
       taz vorgenommen hat, hat Monsanto der Gruppe seit 2014 insgesamt rund
       466.000 Dollar gespendet, von T-Mobile kamen 200.000 Dollar.
       
       Einen Tag vor dem „March to Save America“ am 6. Januar hatte ein
       automatisierter Werbeanruf im Namen des Fonds zur Teilnahme aufgerufen. „Um
       13 Uhr werden wir zum Kapitol ziehen … Wir hoffen, dass Patrioten wie Sie
       gemeinsam mit uns weiter kämpfen werden, um die Integrität unserer Wahlen
       zu schützen“, sagte die Stimme in der Aufnahme. Trump wiederholte bei einer
       Kundgebung vor der Demonstration seinen unbelegten Vorwurf des massiven
       Wahlbetrugs gegen seinen Nachfolger Joe Biden. Davon aufgepeitschte
       Teilnehmer stürmten im Anschluss das Parlamentsgebäude, fünf Menschen kamen
       ums Leben.
       
       ## Bayer-Coordination: Nur erster Schritt
       
       Zuvor hatte sich der Raga auch an der Kampagne beteiligt, das Wahlergebnis
       durch Rechtsmittel nachträglich zu ändern. Die Vereinigung finanziert die
       Wahlkämpfe von Republikanern um das Amt der Generalstaatsanwälte in
       Bundesstaaten.
       
       Bayer hatte die Spenden an den Raga zunächst damit gerechtfertigt, dass man
       ja gleichermaßen auch an den Verband der demokratischen
       Generalstaatsanwälte gezahlt habe.
       
       Die Coordination gegen Bayer-Gefahren begrüßte die Entscheidung gegen
       weitere Spenden für den Raga. „Ein Unternehmen wie Bayer, das immer wieder
       im Mittelpunkt von gerichtlichen Auseinandersetzungen steht, sollte darüber
       hinaus aber noch einen Schritt weitergehen und überhaupt keine juristischen
       Vereinigungen und Einrichtungen mehr finanziell unterstützen und auch das
       Spenden an Parteien und Politiker*innen einstellen“, teilte die
       Initiative mit.
       
       11 May 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://twitter.com/BayerPresse_DE/status/1389176230923091969
   DIR [2] /Demonstration-vor-Sturm-aufs-Kapitol/!5742987
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jost Maurin
       
       ## TAGS
       
   DIR Schwerpunkt Bayer AG
   DIR US-Wahl 2024
   DIR Sponsoring
   DIR Donald Trump
   DIR Schwerpunkt Bayer AG
   DIR Schwerpunkt Glyphosat
   DIR Schwerpunkt Frankreich
   DIR Schwerpunkt Pestizide
   DIR Schwerpunkt Bayer AG
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Glyphosat-Streit geht weiter: Schlappe für Bayer-Konzern
       
       Beim Thema Glyphosat gibt es für den Bayer-Konzern eine schlechte Nachricht
       aus den USA – wieder einmal. Entnervt ändert Bayer sein Vorgehen.
       
   DIR Berufungsverfahren wegen Krebsrisiken: Bayer verliert Glyphosat-Prozess
       
       Der Chemiekonzern unterliegt auch im zweiten US-Berufungsverfahren wegen
       Krebsrisiken des Pestizids Glyphosat. Das Gericht hält Bayer für schuldig.
       
   DIR Aufarbeitung des Vietnamkrieges: Agent-Orange-Klage abgewiesen
       
       Eine Frau klagte gegen Chemiekonzerne wegen Schäden durch das
       Vietnamkriegsgift Agent Orange. Ein Gericht erklärte die Klage nun für
       unzulässig.
       
   DIR Europäisches Gericht zu Bienengiften: Insektenschutz geht vor
       
       Der Bayer-Konzern hat den Kampf um die Aufhebung eines EU-Verbots seiner
       umstrittenen Pestizide verloren. Ihr Einsatz in der EU bleibt beschränkt.
       
   DIR Deutsche Telekom und Bayer AG in den USA: Kritik an Spenden für Trump-Fans
       
       Linke und Grüne verurteilen, dass die Konzerne Organisatoren der Demo vor
       dem Sturm auf das US-Kapitol finanziert haben. CDU und SPD schweigen.