# taz.de -- Globale Ungleichheit in der Pandemie: Die Coronakrise fängt erst an
> Zu wenig Impfstoff und Behandlungsmöglichkeiten, kaum soziale Hilfen. Die
> armen Länder werden ärmer, während sich die reichen wirtschaftlich
> sanieren.
IMG Bild: Zwei Männer bringen den toten Körper eines Angehörigen in ein Krematorium von Neu-Delhi
Endlich ist ein Ende der Coronapandemie in Sicht. Was [1][Israel],
[2][Großbritannien] und die USA vormachen, dürfte bald auch den Rest
Europas erfreuen: Immer mehr Menschen sind geimpft, Kontaktbeschränkungen
fallen, sogar Sommerurlaube rücken in den Bereich des Möglichen, mit
Impfpässen natürlich. Licht am Ende des Tunnels? Wer so denkt, leidet an
Tunnelblick. Für große Teile der Welt ist die Coronakrise keineswegs
vorbei. Sie fängt für viele gerade erst an. Mit neuen [3][Mutanten], die
die Pandemie am Leben halten.
Mit einer zunehmenden Überlastung von Gesundheitssystemen, die schon sonst
nicht ausreichen. Mit der schleichenden Wucht des ökonomischen und sozialen
Zerfalls, der sich nach einem Jahr halbwegs überbrückbarem Ausnahmezustand
jetzt erst als unerträglicher und unerbittlicher Dauerzustand etabliert.
Die [4][brennenden Coronaleichenberge Indiens] und die zuhauf an
Sauerstoffmangel erstickenden Kranken von Südamerika sind sichtbare Zeichen
einer weitgehend unsichtbaren Krise, die mit jedem Todesfall noch mehr
Familien und Gemeinschaften zerreißt und noch mehr Menschen in Armut
stürzt. Schon der Beginn der Pandemie zeigte, wie mörderisch globale
Ungleichheit ist: Manche Länder konnten ihre Bürger schnell und effektiv
schützen, andere nicht. Das nahende Ende ist noch viel ungleicher:
Einige Privilegierte werden bald seuchenfrei sein, viele andere werden es
nie. Die reichen Volkswirtschaften gesunden, die ärmeren schrumpfen. Die EU
saniert sich ökonomisch nach der Coronakrise mit [5][750 Milliarden Euro],
die [6][USA sogar mit 1,9 Billionen] – aber für Investitionen in
Corona-Impfstoffe oder medizinischen Sauerstoff für die ganze Welt fehlt
angeblich das Geld, und niemand hat die 400 Milliarden Euro übrig, die
[7][laut IWF] die Länder niedrigen Einkommens brauchen, um nicht zu
kollabieren.
Es gibt nicht nur zu wenig Impfstoff für alle. Es gibt auch für die meisten
Kranken der Welt zu wenig angemessene Behandlung, und nach ihrem Tod für
die meisten Hinterbliebenen zu wenig soziale Netze. Für sie fallen
vielleicht mildtätige Gaben ab: [8][Sauerstoffzylinder für Indien hier],
Impfdosen für [9][Afrika] dort. Aber ein globales Gesundheitswesen, in dem
die Errungenschaften der Medizin allen Menschen zur Verfügung stehen – das
steht in den Sternen.
Was wird das für eine Welt sein, in der die oberen zehn Prozent der
Menschheit geimpft und glücklich sind, während der Rest froh sein kann, das
Jahr heil zu überstehen? Eine bessere Welt ist möglich, hieß es einst. Die
Coronakrise zeigt: Eine schlechtere ist viel wahrscheinlicher.
3 May 2021
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DIR [7] https://www.imf.org/en/Topics/imf-and-covid19
DIR [8] /Indiens-Gesundheitssystem-in-der-Krise/!5765107
DIR [9] /Corona-Impfstart-in-Afrika/!5759891
## AUTOREN
DIR Dominic Johnson
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