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       # taz.de -- Gescheiterte Super League: Hässlich, aber faszinierend
       
       > Das verlogene Spektakel um eine europäische Eliteliga hat einmal mehr
       > gezeigt: Der Fußball ist die größte Show der Welt.
       
   IMG Bild: Die Fans von Chelsea freuen sich über das angekündigte Ende der europäischen Super League
       
       Es liegen Tage hinter uns, [1][wie sie der Fußball schon lange nicht mehr
       erlebt hat.] Ganz Europa hat über den Sport gesprochen. Das Spiel ums große
       Geld bewegte die Herzen der Freundinnen und Freunde des Sports, ohne dass
       ein Pass gespielt oder gar ein Tor erzielt worden wäre. Zwölf Klubs hatten
       zu Wochenbeginn verkündet, [2][sie hätten eine Super League gegründet]. Die
       großen englischen, spanischen und italienischen Klubs wollten unabhängig
       von den alten Verbänden den großen Reibach machen. Der Aufschrei war groß.
       Zu groß für die meisten Klubs. Kleinlaut ruderten sie zurück, schneller als
       jeder Deutschlandachter, der je eine olympische Goldmedaille gewonnen hat.
       
       Es war ein Spektakel mit überragenden Darstellern. Gianni Infantino, als
       Präsident des Internationalen Fußballverbands so etwas wie der größte
       Bösewicht der Szene, redete als Kritiker der Geldliga plötzlich daher, als
       würde ihn interessieren, was den gemeinen Fußballfan bewegt.
       
       Aleksander Čeferin, der Chef der Uefa, gerierte sich als Retter des Sports
       und verkündete gleichzeitig eine Reform der Champions League, die auch
       nichts anderes ist als eine Geldmaschine für die etablierten Großklubs. Im
       Gegensatz zur Super League kann es aber sein, dass diese in der Vorrunde
       auch mal für ein Spiel in eine Stadt irgendwo in Osteuropa reisen müssen.
       So was finden Superklubs alles andere als super.
       
       Auch der in Deutschland finanziell völlig abgehobene dauerdeutsche Meister
       FC Bayern München tat plötzlich so, als sei seine Ablehnung der Super
       League Ausdruck seines Einsatzes für die Seele des Fußballs. Die eigene
       Seele hat der Klub genauso wie Paris Saint-Germain aber längst nach Katar
       verkauft.
       
       ## Größte Show der Welt
       
       Ein Sender aus dem Sklavenhalteremirat [3][besitzt die Übertragungsrechte
       für die Champions League der Uefa]. Daher weht der Wind also. Und doch fand
       sich Katar mit der Ablehnung der Super League mit einem Mal auf der Seite
       der Guten. So etwas ist dem WM-Gastgeber von 2022 gewiss nicht passiert,
       seit er sich seinerzeit das Weltturnier besorgt hat. Verrückt!
       
       Innerhalb weniger Tage hat der Fußball all seine Fratzen gezeigt. Es war
       ein hässliches Spektakel – aber faszinierend. Der Fußball ist die größte
       Show der Welt, auch wenn der Ball nicht rollt. Toll!
       
       23 Apr 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Aus-fuer-die-Super-League/!5768163
   DIR [2] /Plaene-zur-Super-League-im-Fussball/!5762095
   DIR [3] https://www.deutschlandfunk.de/sportrechteinhaber-bein-sports-katar-hat-gigantische-summen.1346.de.html?dram%3Aarticle_id=376457
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Rüttenauer
       
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