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       # taz.de -- Putins Rede zur Lage der Nation: Alle Jahre grüßt der Wüterich
       
       > Bei seiner jährlichen Rede warnt Russlands Präsident den Westen vor einer
       > „roten Linie“. Die eigene Coronapolitik preist er als großen Erfolg.
       
   IMG Bild: Präsident Putin betritt am Mittwoch die Bühne – die jährliche Show kann beginnen
       
       Moskau taz | Die letzten Minuten seiner bereits 17. Rede zur Lage der
       Nation hat sich Kremlchef Wladimir Putin für seine Botschaft in Richtung
       Westen aufgehoben. Die russischen Beziehungen zu den USA, der Europäischen
       Union und der Nato hätten sich zuletzt deutlich verschlechtert und seien so
       angespannt wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr, sagte er vor Hunderten
       Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion.
       
       „Wir wollen die Brücken nicht abbrechen. Aber wenn jemand unsere
       freundlichen Absichten für Schwäche hält, sagen wir ihm: Unsere Antwort
       wird asymmetrisch, schnell und brutal“ ausfallen, meinte Putin im Ton des
       Beleidigten. „Wer unsere Sicherheit bedroht, wird es so bedauern, wie er es
       schon lange nicht mehr gemacht hat“, legte er noch nach.
       
       Er warnte vor dem Überschreiten einer „roten Linie“ und warf dem Westen
       vor, auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion Umsturzversuche anzetteln zu
       wollen. Die Ansprache fällt in eine Zeit, in der [1][Spannungen mit dem
       Westen] massiv zugenommen haben. Hintergrund ist unter anderem die
       Inhaftierung des Oppositionellen [2][Alexei Nawalny und dessen schlechter
       Gesundheitszustand].
       
       Auch der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko wurde noch in die
       Rede eingebaut. Offensichtlich sei ein Anschlag auf den Nachbarn vereitelt
       worden, behauptete Putin. „Wo ist die kollektive Reaktion des Westens?“,
       fragte er. Belege und Nachweise blieb er unterdessen schuldig.
       
       Genauso, wie Lukaschenko. In Zusammenhang mit dem vermeintlichen Anschlag
       waren in Moskau in der vergangenen Woche zwei Männer festgenommen worden.
       Nach Angaben des belarussischen KGB handelt es sich dabei um den
       [3][Politikwissenschaftler Alexander Feduta] und den Anwalt Juri
       Senkowitsch, der auch die US-Staatsbürgerschaft hat.
       
       ## Sputnik V als Erfolg
       
       Den Schwerpunkt der Rede, setzte Putin allerdings auf seine Innenpolitik –
       und auf die Coronapandemie. Das Virus habe Russland eine Menge abverlangt.
       Im Vergleich zu anderen, auch „hochentwickelten Staaten“, seien Russland
       und sein Gesundheitswesen jedoch effektiver mit der Pandemie umgegangen.
       Den Angestellten im Gesundheitswesen dankte er dafür. Auch die Produzenten
       des [4][Anti-Corona-Serums Sputnik V] wurden wie erwartet als Erfolg der
       russischen Wissenschaft hervorgehoben.
       
       Doch die Bevölkerung folgt dem Impfaufruf des Kremls bislang nur zögerlich.
       Vor einigen Wochen soll auch der Präsident eine Spritze erhalten haben,
       Beweise lieferte er dafür jedoch nicht. Bis zum Herbst hoffe er, durch
       „Impfungen eine Herdenimmunität auszubilden“.
       
       Grundsätzlich bekannte sich Putin dazu, die durchschnittliche
       Lebenserwartung in Russland bis 2030 wieder auf 78 Jahre erhöhen zu wollen.
       Zurzeit liegt sie wegen der Pandemie deutlich niedriger. Der statistische
       Umgang mit den Folgen des Coronavirus führte im letzten Jahr zu
       merkwürdigen Sterbefallzahlen. Die Regierung sprach von knapp 107.000
       Todesfällen, die Statistikbehörde Rosstat ging von mindestens 224.000
       Todesfällen aus.
       
       Unabhängige Demografen kamen auf mindestens 400.000 Tote, womit Russland zu
       den von der Coronapandemie am härtesten betroffenen Ländern zählen würde.
       Der Präsident hat Erfahrungen beim Schönrechnen. Früher beschränkte er sich
       dabei auf die heimische Wirtschaftsleistung.
       
       Im Sozialbereich sparte Putin schließlich nicht an großen Versprechungen.
       So sollen Kinderzulagen und Reisehilfen erhöht werden. Ein Faktencheck
       dürfte indes ergeben, dass die staatlichen Förderleistungen eher
       zurückhaltend ausfallen.
       
       21 Apr 2021
       
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