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       # taz.de -- Polizei-Seminar an der Uni Hannover: Racial Profiling ausgespart
       
       > An der Leibniz Uni hält ein Soziologe und Polizist ein Seminar über
       > Polizei. Asta und Fachrat kritisieren mangelnde wissenschaftliche
       > Distanz.
       
   IMG Bild: Racial Profiling oder nicht? Drogen-Kontrolle im Frankfurter Hauptbahnhof im Jahr 2016
       
       Hannover taz | Die Leibniz Universität Hannover hat den aktiven
       Polizeibeamten Frank-Holger Acker beauftragt, ein
       kriminologisch-soziologisches Einführungsseminar in „Polizei und
       Kriminalität“ zu halten – ohne zusätzliches Entgelt. Promoviert hat der
       Polizist und Soziologe Acker zu Alterskriminalität. Die Literaturliste
       seines Seminars enthält durchaus renommierte kritische Texte zur
       Institution Polizei, unter anderem von Rafael Behr. Laut Seminarplan sollte
       es auch um Racial Profiling gehen.
       
       „Zu unkritisch“ finden der Asta der Leibniz Universität Hannover (LUH) und
       der studentische Fachrat Sozialwissenschaften (SoWi) den neuen Dozenten
       dennoch. Die Polizei gerate fast täglich durch strukturellen
       Machtmissbrauch, Rassismus und Rechtsextremismus in den Blick der
       Öffentlichkeit. Regelmäßig komme es zu Todesfällen von durch Rassismus
       betroffenen Menschen in Gewahrsam oder bei Abschiebungen. Trotz
       entsprechender akademischer Qualifikation stehe eine aktive Tätigkeit für
       die Behörde einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Institution
       im Wege.
       
       Besonders eine von Ackers jüngeren Publikationen kritisieren Asta und
       Fachrat. „Die deutsche Racial-Profiling-Debatte: Stigmatisierung der
       uniformierten Polizei?“, erschienen in Ausgabe 4/2020 der „unabhängigen
       interdisziplinären Zeitschrift“ [1][Polizei & Wissenschaft]. Das Magazin
       versteht sich als Angelpunkt zwischen Theorie und Praxis der Polizeiarbeit.
       Aufbauend auf Begriffsdefinitionen geht es in dem Text um die Frage, ob die
       Polizei in Deutschland rassistisch geprägtes Racial Profiling betreibe und
       welche Konsequenzen die öffentlich geführte Debatte haben könne.
       
       Vor allem das Fazit des Textes, dass polizeiliche Arbeit nicht rassistisch
       geprägt sei, ist den Studierenden ein Dorn im Auge. Das sei „eine gewagte
       These für jemanden, der selbst Begriffe wie ‚Subsahara-Afrikaner‘ nutzt und
       'vermeintliches Racial Profiling’ mit 'vermeintlicher uniform
       stigmatization’ auf eine Stufe stellt“, heißt es in einer
       [2][Pressemitteilung von Asta und Fachrat SoWi.]
       
       Der Ring Christlich-Demokratischer Studierender (RCDS) wittert in den
       kritischen Äußerungen eine Diffamierung und springt Acker zur Seite. Der
       Präsident der LUH, Volker Epping, sieht in einem Interview mit der
       Hannoverschen Allgemeinen Zeitung „Cancel Culture“ auf dem Vormarsch.
       
       Auch der Institutsleiter Matthias Bös bekräftigt gegenüber der taz seine
       Unterstützung für den Dozenten und verweist darauf, dass Asta und Fachrat
       nicht alle Studierenden repräsentierten. Laut seiner Einschätzung als
       Soziologe, schreibt Bös, lägen hier Anzeichen von Diskriminierung vor.
       Gemeint sei die Unterstellung, dass eine Person, die in einer Organisation
       arbeite, dieser gegenüber niemals eine kritische Haltung einnehmen könne.
       „Tatsächlich bin ich der Meinung, dass dies möglich ist, und nach Sichtung
       der Unterlagen von Herrn Acker auch bei diesem eine kritische Haltung
       vorliegt.“ Der Seminarplan und die Publikationen Ackers seien
       selbstverständlich geprüft worden. Aus denen gehe hervor, so Bös, dass in
       diesem Seminar auch der Aspekt des institutionellen Rassismus bei der
       Polizei vorkommen werde.
       
       Ein*e Seminarteilnehmer*in, die*der aus Angst vor Konsequenzen lieber
       anonym bleiben will, berichtet der taz, in der Einführungsvorlesung hätten
       sich Vorbehalte nun eher bestätigt. So soll Acker auf die Frage, warum
       Racial Profiling nun doch nicht mehr im Ablaufplan des Seminars auftauche,
       geantwortet haben, es gebe ein ganzes Seminar, in dem die Begriffe 'Rasse,
       Ethnie und Klasse’ aufbereitet würden. Aufgrund der Stoffmenge müsse dies
       in seinem Seminar ausfallen.
       
       Das Thema Racial Profiling werde aber bei der Konstruktion einer
       Kontrollsituation angeschnitten. Auch soll der Dozent Redebereitschaft
       signalisiert haben, über die kritisierte Publikation – abseits des Seminars
       – zu diskutieren und räumte angeblich ein: „das war pro Polizei“. Kritisch
       empfinde Acker auch, dass das Thema Racial Profiling so emotionalisiert
       diskutiert werde, berichtet der*die Seminarteilnehmer*in. Auf eine
       Mail-Anfrage der taz antwortete Acker bis Redaktionsschluss nicht.
       
       Der Fachrat will den Verlauf des Seminars kritisch im Blick behalten. Die
       Studierenden organisieren nun eine Vortragsreihe unter dem Titel: „Who
       protects us from you? Kritik an der Polizei und warum das nicht reicht“.
       Die Frage laute nicht: „Ist die Polizei rassistisch?“, sondern: „Wie können
       wir besser dagegen vorgehen?“, sagt Tim-Jonas Beisel, Kassenreferent des
       Asta. „Auf jeden Fall nicht, indem wir zulassen, dass sie es sich selbst in
       der Opferrolle und in unserer Universität bequem macht.“
       
       20 Apr 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] http://www.polizeiundwissenschaft-online.de/archiv/#archiv
   DIR [2] https://www.asta-hannover.de/2021/04/14/pm-polizei-an-der-uni-nein-danke/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Michael Trammer
       
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