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       # taz.de -- „Bild“-Chef Reichelt nach Freistellung: Er ist wieder da
       
       > „Bild“-Chef Julian Reichelt ist zurück. Er gesteht Fehler ein, darf
       > seinen Job aber behalten. Dafür muss er den künftig wieder mit einer Frau
       > teilen.
       
   IMG Bild: Gesteht eigene Fehler ein: Der alte und neue „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt…
       
       BERLIN taz | Julian Reichelt kehrt zurück an seinen Arbeitsplatz. [1][Seine
       Freistellung] ist aufgehoben, er bleibt Chef der Bild-Zeitung – allerdings
       wird er sie zusammen mit Alexandra Würzbach leiten. Das gab der
       Springer-Konzern am Donnerstag in einer Mitteilung bekannt. Würzbach ist
       eigentlich Chefredakteurin der Bild am Sonntag und Mitglied der
       Chefredaktion der Bild-Gruppe. Sie hatte die Bild kommissarisch geleitet,
       seit Reichelt am 12. März auf eigenen Wunsch freigestellt worden war.
       
       Gegen Reichelt lief seit vier Wochen ein Compliance-Verfahren. Untersucht
       wurde, ob der Chefredakteur der Bild seine Macht gegenüber Mitarbeiterinnen
       ausgenutzt hat. Er soll intime Beziehungen mit Mitarbeiterinnen gehabt
       haben, die er währenddessen bevorzugt und später fallen gelassen haben
       soll. Außerdem wurde Reichelt Drogenkonsum am Arbeitsplatz vorgeworfen.
       
       Ein ehemaliger Autor des Springer Verlags soll das dem Vorstand im Herbst
       mitgeteilt haben, daraufhin wurden mutmaßlich betroffene Frauen befragt.
       Der Untersuchungsbericht der hauseigenen Compliance-Abteilung und einer
       externen Anwaltskanzlei liege nun vor, [2][heißt es in der Mitteilung].
       
       Julian Reichelt habe eingeräumt, berufliche und private Beziehungen
       vermischt zu haben, die restlichen Vorwürfe habe er aber bestritten und
       dies eidesstattlich versichert. Strafrechtlich relevant seien die
       festgestellten Fehler in der Amts- und Personalführung nicht. Anhaltspunkte
       für sexuelle Belästigung oder Nötigung habe die Untersuchung nicht ergeben.
       
       Reichelt selbst gesteht in einem Statement Fehler ein: „Ich weiß, ich habe
       im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen Fehler gemacht und kann und will das
       nicht schönreden. Was ich mir vor allem vorwerfe, ist, dass ich Menschen,
       für die ich verantwortlich bin, verletzt habe. Das tut mir sehr leid.“ Auch
       Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Springer, teilt mit: „Er hat
       Fehler gemacht. Nach allem, was im Zuge der Untersuchungen zum heutigen
       Tage bekannt geworden ist, halten wir eine Trennung aber für unangemessen.“
       
       ## Rückkehr soll Neustart sein
       
       Wir, das meint den Vorstand des Axel Springer Verlags. Der Vorstand sei zu
       dem Ergebnis gekommen, dass es nicht gerechtfertigt wäre, Julian Reichelt
       von seinem Posten abzuberufen, heißt es. In die Gesamtbewertung seien auch
       die „enormen strategischen und strukturellen Veränderungsprozesse und die
       journalistische Leistung“ von Reichelt eingeflossen.
       
       Mit Reichelts Rückkehr solle ein Neustart verbunden sein: Er werde die
       Chance nutzen, eine neue Unternehmenskultur für Bild zu schaffen und
       vorzuleben, schreibt Reichelt. Wie genau die aussehen soll, lässt er offen.
       Mathias Döpfner schreibt, dass ein „moderner, unangepasster
       Boulevardjournalismus und eine zeitgemäße Führungskultur kein Widerspruch
       sind“.
       
       Diese neue Kultur mitetablieren soll also Alexandra Würzbach. Sie ist die
       zweite Frau, die versuchen soll, die Bild in einer gleichberechtigten
       Doppelspitze mit Reichelt zu führen. Von Januar 2016 bis März 2018 leitete
       Reichelt die Redaktion zusammen mit Tanit Koch. Das Duo scheiterte. Koch
       verließ nach langem Machtkampf mit Reichelt die Redaktion. Ihre
       Kompromissbereitschaft sei an ihre Grenzen gelangt, [3][schrieb Koch damals
       in einer internen Mail an die Mitarbeitenden].
       
       Mathias Döpfner schrieb damals in einer Pressemitteilung, die Doppelspitze
       sei zwar „gut gemeint“ gewesen, habe aber nicht funktioniert, weil „diese
       Aufstellung“ nicht zur Bild passe. [4][„,Bild' braucht ganz klare
       Verhältnisse.“] Nun soll „diese Aufstellung“ also doch zur Bild-Zeitung
       passen. Julian Reichelt wird sich künftig um die Bild print und digital
       kümmern, sowie um das Videoformat Bild Live. Alexandra Würzbach wird die
       Bild am Sonntag verantworten sowie das übergreifende Personal- und
       Redaktionsmanagement.
       
       25 Mar 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Interne-Vorwuerfe-gegen-Julian-Reichelt/!5757412
   DIR [2] https://www.axelspringer.com/de/presseinformationen/julian-reichelt-kehrt-an-seinen-arbeitsplatz-zurueck-kuenftig-doppelspitze-mit-alexandra-wuerzbach?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter
   DIR [3] https://www.wuv.de/medien/bild_machtkampf_tanit_koch_geht
   DIR [4] https://www.axelspringer.com/de/presseinformationen/personalie-chefredakteurin-tanit-koch-verlaesst-bild
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Anne Fromm
       
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