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       # taz.de -- Podcast „Lokalrunde“: Von Ossi zu Wessi
       
       > Erik und Katharina wagen zum Mauerfall-Jubiläum ihren persönlichen
       > Rückblick auf die Nachwendezeit in Ost- und Westdeutschland.
       
   IMG Bild: In Ostdeutschland kriegen rechtsextreme Gruppen immer mehr Zuspruch
       
       „Für mich hat der Mauerfall keine persönliche Bedeutung“, [1][sagt
       Katharina Schipkwoski]. Die taz-Nord-Redakteurin ist in Hamburg geboren.
       „Ich habe keinen emotionalen Bezug zur DDR, sondern eine historische“,
       erzählt sie in der Podcast-Sondersendung zum 30. Jubiläum des Mauerfalls.
       [2][Erik Peter (taz Berlin)] ist „gebürtiger Ossi, Ostdeutscher“, wie er
       sich selbst bezeichnet, aufgewachsen in der DDR. Aus seinem Kinderzimmer in
       Berlin konnte er auf die Mauer schauen.
       
       Seine Eltern waren Journalist*innen und während der [3][DDR]
       Korrespondent*innen in Moskau. So verbrachte Erik den Großteil seiner
       Kindheit bis zum Mauerfall in Moskau. Beide Redakteure sind fast gleich
       alt, aber sie sind im geteilten Deutschland in zwei unterschiedlichen
       Lebenswelten aufgewachsen. Katharina und Erik tauschen sich über ihre
       Erfahrung als Kinder und Jugendliche aus: so wusste etwa Katharina bis vor
       kurzem nicht, dass das Sandmännchen ein „Ossi“ ist.
       
       Mit zunehmenden Alter wurde für Erik die Identitätsfrage zwischen West- und
       Ostdeutschland immer wichtiger: „Ich habe ein Bewusstsein entwickelt, dass
       ich mich als ein Ossi, ein Ostberliner gesehen habe.“ So war für Erik auch
       früh klar: „Die DDR galt für mich als linker Staat und die [4][BRD] nicht.“
       Andersherum hatte für Katharina die DDR wenig mit linkem Denken zu tun:
       „Für mein Bewusstsein als Linke, war die DDR nie ein Bezugspunkt.“
       
       Eriks Eltern waren zwar keine Parteimitglieder, aber den Wunsch nach einer
       Wiedervereinigung hatten sie auch nicht, erklärt der taz-Berlin-Redakteur:
       „Sie haben sich eine souveräne, aber offene DDR gewünscht, aber zur BRD
       gehören wollten sie nicht.“ Für Eriks Familie war es schwer, sich in dem
       wiedervereinten Berlin zurechtzufinden: Erik beschreibt den [5][Mauerfall]
       als einen Moment, der keine Euphorie ausgelöst hat, sondern Existenzangst.
       
       Für Erik gab es eine Phase nach der Wiedervereinigung, bei der die
       ostdeutsche Perspektive keine Rolle gespielt hat. „Der Westen hat alleine
       die Geschichte geschrieben und bestimmt“, sagt er. Die Wirtschaft bricht
       nach der Wende in Ostdeutschland zusammen: Tausende Ostdeutsche verlieren
       ihre Jobs und fühlen sich im Stich gelassen. Auch 30 Jahre nach dem
       Mauerfall ist die Kluft zwischen Ost und West noch groß: Ostdeutschland
       liegt bei der Wirtschaftskraft immer noch um mehr als 30 Prozent hinter der
       westdeutschen.
       
       Vor allem in Ostdeutschland bekommen nationalistische und rechtsextreme
       Parteien, wie die AfD in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen
       und Sachsen immer mehr Zuspruch. Unter dem Hashtag
       [6][#baseballschlägerjahre] initiiert vom ZEIT ONLINE-Redakteur und Autor
       Christian Bangel teilen Menschen auf Twitter ihre persönliche Geschichte
       und Erfahrungen in Ostdeutschland in den Nachwendejahren, geprägt von
       Rassismus, Gewalt und rechtsextremen Strukturen.
       
       17 May 2021
       
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