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       # taz.de -- Papst Franziskus im Irak: Papstreise mit großen Zielen
       
       > Der Papst ist zu einem historischem Besuch im Irak aufgebrochen. Trotz
       > Corona will er eine Messe mit 10.000 Gläubigen feiern.
       
   IMG Bild: Mit Handgepäck in den Flieger: Franziskus beim Abflug am Freitagmorgen
       
       Rom/Bagdad afp/dpa | Papst Franziskus ist zu einem historischen Besuch im
       Irak aufgebrochen. Der Papst flog am Freitagmorgen von Rom aus Richtung
       Bagdad. Es ist der erste Besuch eines katholischen Kirchenoberhaupts in dem
       krisengeschüttelten Land und die erste Auslandsreise des Papstes seit
       Beginn der Coronapandemie.
       
       Im Irak hat Franziskus zwei große Ziele vor sich: die von Krieg und
       Verfolgung geschundene christliche Gemeinde zu stärken und die Beziehungen
       zum Islam zu vertiefen. Doch es ist ein Besuch, der Fragen aufwirft. Vor
       allem wegen der Pandemie gab es lange Zweifel, ob sich das Oberhaupt der
       katholischen Kirche tatsächlich auf den Weg macht.
       
       Der Irak gehört zu den arabischen Ländern, die am stärksten von Covid-19
       betroffen sind. Erst am Mittwoch stieg die Zahl der täglichen
       Neuinfektionen mit mehr als 5.100 auf einen neuen Höchststand – obwohl seit
       mehreren Wochen eine nächtliche Ausgangssperre gilt. Trotz der Pandemie
       will der Papst im Fußballstadion von Erbil, Hauptstadt der kurdischen
       Autonomiegebiete, eine Messe mit 10.000 Gläubigen feiern.
       
       Auch die Sicherheitslage hat sich zuletzt wieder verschärft. Im Januar
       [1][kam es in der Hauptstadt Bagdad zu einem der schwersten Anschläge der
       sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS)]. Zudem feuern irantreue
       Schiitenmilizen immer wieder Raketen auf die dort stationierte US-Armee ab,
       um deren Abzug aus dem Krisenland zu erreichen.
       
       ## Christliche Gemeinde schrumpft
       
       Doch viele Christen sehnen den Besuch eines Papstes schon seit langem
       herbei. Sie stellen im Irak mit schätzungsweise 250.000 bis 400.000
       Anhängern eine Minderheit, die immer wieder stark gelitten hat. Über
       Jahrzehnte schrumpfte die Gemeinde von einst mehr als einer Million
       Gläubigen durch Abwanderung wegen Krieg und Vertreibung enorm. Unter der
       IS-Herrschaft verloren auch viele Christen ihr Leben. Dass der Heilige
       Vater nun kommt, ist für sie ein Jahrhundertereignis.
       
       Große Bedeutung hat für die Christen nicht zuletzt der geplante Besuch in
       der Bagdader Kathedrale Sajjidat al-Nadscha, vor elf Jahren während der
       Abendmesse Schauplatz eines blutigen Angriffs des Terrornetzwerks Al-Kaida.
       Mehr als 50 Menschen wurden damals getötet.
       
       Nauras Sabah William, 28, überlebte das Blutbad. Seitdem hofft er auf einen
       Besuch des Papstes. „Elf Jahre nach dem Vorfall begrüßen wir ihn“, sagt er.
       „Aber er kommt etwas zu spät.“ Der 28 Jahre alte christliche Iraker Jahja
       Wartan Hakin hofft trotzdem, dass der Besuch den Weg für einen
       friedlicheren Irak ebnet. Er ist überzeugt: „Der Papst ist ein Mann des
       Friedens. Er reist, um Frieden in dieses Land und in die Region zu bringen.
       Er wird uns mit seinem Gebet segnen.“
       
       Wegen Corona konnte Franziskus den Vatikan im vergangenen Jahr für seine
       internationalen Reisen nicht verlassen. Dass sein erstes Ziel der Irak sein
       würde, sorgte wegen der Coronalage und des Sicherheitsrisikos dort schnell
       für Kritik. Der 84-Jährige, der wie viele Mitreisende mittlerweile gegen
       Corona geimpft ist, sucht die Begegnungen mit dem Islam.
       
       Die Botschaft des friedlichen Zusammenlebens der Religionen aus seiner
       [2][Enzyklika „Fratelli tutti“ (Alle Geschwister)] steht über all dem. „Die
       Reise passt hervorragend zu diesem Papst“, sagt der Vatikan-Experte Bernd
       Hagenkord. Franziskus wolle mit den wichtigen „Playern“ des Islams
       sprechen.
       
       Schon das Abkommen („Die Brüderlichkeit aller Menschen – Für ein
       friedliches Zusammenleben in der Welt“), das Franziskus und der ägyptische
       Großimam Ahmed al-Tajjib als hoher Vertreter des sunnitischen Islams 2019
       in Abu Dhabi unterzeichnet hatten, sei sehr wichtig gewesen.
       
       ## Treffen mit al-Sistani
       
       Mit Spannung blicken Beobachter deshalb auf das Treffen von Franziskus mit
       dem Großajatollah und höchsten schiitischen Geistlichen im Irak, Ali
       al-Sistani, in Nadschaf südlich von Bagdad. Ob Franziskus und der
       90-Jährige dort auch ein Dokument unterzeichnen werden, ist noch unklar. Es
       wäre jedoch ein enormer Erfolg für Franziskus.
       
       Überhaupt hat der Vatikan ein straffes Reiseprogramm aufgestellt.
       Franziskus will auch an der biblischen Geburtsstätte Abrahams in der Ebene
       von Ur ein interreligiöses Treffen mit Christen, Muslimen, Juden und
       Vertretern der vom IS verfolgten Minderheit der Jesiden abhalten. Der Ort
       ist für alle Religionen wichtig und birgt deshalb eine gewaltige
       Symbolkraft auf dieser Reise.
       
       Im Nordirak will der Papst die Städte Mossul und Karakosch besuchen, wo
       viele Kirchen und christliche Stätten unter der IS-Herrschaft zerstört oder
       geschändet und zahlreiche Christen getötet worden waren. Ein Höhepunkt für
       die Gläubigen dürfte die Messe im Fußballstadion Erbils werden. Es ist die
       einzige Massenveranstaltung. Bei den übrigen Treffen sollen nur wenige
       Hundert Teilnehmer dabei sein.
       
       Auch für den Irak steht viel auf dem Spiel. Der Papstbesuch holt das Land
       auf die internationale Bühne. Mit einer gelungenen Organisation könnte es
       sich in ein besseres Licht rücken und einen Kontrast zu den sonst eher
       schlechten Nachrichten über Anschläge und Korruption schaffen. Die
       Sicherheitsvorkehrungen wurden bereits verschärft.
       
       5 Mar 2021
       
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