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       # taz.de -- Parlamentswahlen in El Salvador: Machtlose Opposition
       
       > In El Salvador gewinnt die Partei des Präsidenten die absolute Mehrheit
       > im Parlament. Ab jetzt kann Nayib Bukele ungehindert durchregieren.
       
   IMG Bild: Kann in El Salvador jetzt durchregieren: Präsident Nayib Bukele bei der Stimmabgabe am Sonntag
       
       Oaxaca taz | El Salvadors [1][Präsident Nayib Bukele] feierte den Erfolg
       auf seine Weise: „Sieg“ twitterte der Staatschef und schickte gleich noch
       ein digitales Feuerwerk mit. Der politische Shootingstar des
       mittelamerikanischen Landes kann sehr zufrieden sein. Über zwei Drittel der
       Wählerinnen und Wähler votierten nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen
       bei den Parlamentswahlen am Sonntag für die Partei des Staatschefs, Nuevas
       Ideas (Neue Ideen).
       
       Die beiden einst dominierenden Parteien konnten nur Bruchteile dieses
       Ergebnisses einfahren. Für die rechte Arena-Partei stimmten elf Prozent,
       die aus der linken Guerilla hervorgegangene FMLN kam auf knapp sieben
       Prozent.
       
       Den Zahlen zufolge, die das Wahlgericht am Montag bekannt gab, kann Bukele
       jetzt durchregieren. Bislang dominierten oppositionelle Parteien das
       Abgeordnetenhaus und konnten den Präsidenten bei seinen autoritären
       Dekreten ausbremsen. Auch der Oberste Gerichtshof setzte Bukele Grenzen.
       Doch künftig wird Nuevas Ideas 56 der 84 Sitze des Parlaments besetzen und
       kann damit nicht nur den Generalstaatsanwalt und ein Drittel der Richter
       des Obersten Gerichtshofs ernennen, sondern auch die Verfassung ändern.
       
       Für solche Schritte brauchen Bukeles Abgeordnete nicht einmal mehr die
       Unterstützung ihres Koalitionspartners, der rechtsextremen Nationalen
       Allianz GANA, die etwa 5,5 Prozent der Stimmen verbuchen konnte. Auch in
       den Kommunen, wo ebenfalls gewählt wurde, liegen die „Neuen Ideen“ deutlich
       vorne.
       
       ## Bukeles repressives Vorgehen zeigt Erfolge
       
       „Darauf hat unser Volk 40 Jahre gewartet“, schrieb der Präsident
       selbstbewusst. Schon vor der Wahl konnte er auf eine Unterstützung von
       mindestens 70 Prozent der Bevölkerung zählen. Diese Mehrheit stört sich
       offenbar nicht daran, dass der 39-Jährige fast nur über Twitter
       kommuniziert, die Presse attackiert und auf demokratische Institutionen
       keine Rücksicht nimmt.
       
       Im Februar 2020 mobilisierte Bukele [2][Soldaten ins Parlament], um einen
       Kredit für ein Sicherheitspaket abzusegnen, mit dem er kriminelle Gangs
       bekämpfen wollte. Das Abgeordnetenhaus wertete die Aktion als „versuchten
       Staatsstreich“.
       
       Drei Monate später ignorierte er die Forderung des Parlaments, seine
       scharfen Coronamaßnahmen zurückzunehmen. Auch eine Entscheidung des
       Obersten Gerichtshofs befolgte er nicht. Die Richter hatten eine
       umstrittene Anordnung des Präsidenten für rechtswidrig erklärt, nach der
       Personen bis zu 30 Tage in Corona-Internierungslager gesteckt wurden, die
       sich unerlaubt auf der Straße bewegten. Der Staatschef ließ die
       Polizeikontrollen indes noch verschärfen.
       
       Doch Bukeles repressives Vorgehen zeigte Erfolge. El Salvador hat im
       lateinamerikanischen Vergleich wenige Coronatote. Auch die Gewalt konnte
       der Präsident eindämmen. Zu Beginn seiner Amtszeit im Juni 2019 starben
       noch 50 von 100.000 Menschen eines gewaltsamen Todes, jetzt sind es 19.
       
       Ob die gesunkene Mordrate jedoch nur der massiven Militärpräsenz und
       [3][dem brutalen Vorgehen] gegen die in Gefängnissen einsitzenden
       Mitglieder der kriminellen Banden, der „Maras“, zu verdanken ist, ist
       umstritten. Recherchen der Internet-Plattform [4][El Faro] zufolge hat dazu
       auch ein Pakt zwischen Bukele und den Maras beigetragen. Auffällig war
       jedenfalls, dass jetzt erstmals das Thema Gewalt nicht zu den zentralen
       Parolen in Wahlkampf zählte.
       
       Der Triumph von Bukeles Nuevas Ideas ist zugleich eine Absage an das
       [5][Zweiparteien-System], das sich nach dem Ende des Bürgerkriegs 1992
       etabliert hatte. Sowohl die rechte Arena als auch die Ex-Guerilleros der
       FMLN konnten den alltäglichen Terror der Maras nicht stoppen. Auch mit
       Blick auf die Korruption haben die Parteien Bukele eine Steilvorlage
       geliefert: Drei der vier Präsidenten, die sie in den letzten
       Legislaturperioden gestellt hatten, sitzen im Gefängnis oder sind flüchtig,
       weil sie die Staatskassen geplündert haben.
       
       2 Mar 2021
       
       ## LINKS
       
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   DIR Wolf-Dieter Vogel
       
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