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       # taz.de -- Katalanen verlieren Immunität: Puidgemont will Votum anfechten
       
       > Die Europaabgeordneten entziehen Kataloniens Ex-Regierungschef und zwei
       > Mitstreitern den parlamentarischen Schutz. Nun droht Streit vor Gericht.
       
   IMG Bild: Schlechte Nachrichten für Puigdemont – aber bisher hat Belgien Auslieferungsgesuche abgelehnt
       
       Brüssel taz | Der ungelöste Katalonien-Konflikt lässt die Europäische Union
       nicht los. Vier Jahre nach der gescheiterten Sezession Kataloniens von
       Spanien hat das Europaparlament am Dienstag in Brüssel die Immunität des
       früheren katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont aufgehoben. Auch
       den Abgeordneten Toni Comín und Clara Ponsatí wurde der parlamentarische
       Schutz entzogen.
       
       Das Parlament gab mit klarer Mehrheit einem entsprechenden Antrag der
       spanischen Behörden gegen die Europaabgeordneten statt. Damit machte es den
       Weg für die Fortsetzung des Strafverfahrens gegen die Separatisten frei. Im
       Fall von Puigdemont votierten 400 Abgeordnete mit Ja, 248 mit Nein.
       Puigdemont werde die Parlamentsentscheidung vor dem höchsten EU-Gericht in
       Luxemburg anfechten, kündigte sein Anwalt in Spanien, [1][Gonzalo Boye],
       an. Damit zeichnet sich eine jahrelange gerichtliche und politische
       Auseinandersetzung ab.
       
       Der politische Streit begann gleich nach dem umstrittenen Votum. „Wir haben
       unsere Immunität verloren, aber das Europäische Parlament hat mehr als das
       verloren“, kritisierte Puigdemont. Die Abgeordneten hätten ihre
       Glaubwürdigkeit verspielt, da sie an Spanien andere Maßstäbe anlegten als
       an Russland oder Venezuela. Dadurch habe auch die europäische Demokratie
       eine Niederlage erlitten.
       
       Kritik kam auch von den Grünen. Es sei nicht klar, ob das spanische
       Gericht, das die Aufhebung der Immunität und die Auslieferung beantragt
       hatte, dafür überhaupt zuständig sei, sagte Fraktionschefin Ska Keller. Der
       Konflikt zwischen der Zentralregierung in Spanien und Katalonien müsse
       politisch gelöst werden, forderte ihr Co-Präsident Philippe Lamberts.
       
       ## Abstimmung sorgt auch für Streit in Madrid
       
       Zufrieden zeigten sich dagegen die spanischen Sozialisten. „Das Europäische
       Parlament richtet über niemanden“, erklärte Iratxe García Pérez, die
       Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten. „Eine klare, absolute Mehrheit
       des Parlaments unterstützte die Tatsache, dass die spanische Justiz in der
       Lage sein sollte, ihre Arbeit zu tun.“
       
       Die Abstimmung im EU-Parlament sorgte für neuen Streit innerhalb der
       Regierungskoalition des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez.
       Während die EU-Parlamentarier seiner sozialistischen PSOE-Partei für die
       Aufhebung stimmten, votierten die Abgeordneten des linksalternativen
       Juniorpartners Unidas Podemos (UP) dagegen.
       
       Spaniens PSOE-nahe Außenministerin [2][Arancha González Laya] sagte
       trotzdem, die Entscheidung des Europaparlaments zeige, dass Puigdemont,
       Comín und Ponsatí sich nicht hinter ihrem Abgeordnetenmandat verstecken
       könnten. Sie müssten sich nun der spanischen Justiz stellen.
       
       Allerdings sieht es derzeit nicht so aus, als müssten Puigdemont und seine
       Mitstreiter sich bald vor Gericht verantworten. Belgien und Schottland
       haben mehrere Gesuche zur Auslieferung nach Spanien abgelehnt. Zur
       Begründung verwies Belgien darauf, dass die von der spanischen Justiz
       angeführten Straftatbestände wie „Rebellion“ im belgischen Strafrecht nicht
       bestünden.
       
       ## Zweifel an Unabhängigkeit der spanischen Justiz
       
       Darüber hinaus gibt es aber auch Zweifel an der Unabhängigkeit der
       spanischen Justiz. Normalerweise wäre dies ein Fall für die EU-Kommission,
       die über den Rechtsstaat in den 27 Mitgliedsstaaten wacht. In Ländern wie
       Ungarn oder Polen ist Brüssel deshalb bereits aktiv geworden, in Spanien
       nicht. Auch dies kritisieren die katalanischen Separatisten.
       
       Puigdemont hatte nach seiner Flucht nach Brüssel 2017 versucht, mit der
       EU-Kommission in Kontakt zu treten. Sie verweigerte den Dialog. Nun hat
       auch das Europaparlament mit den Katalanen gebrochen. Nun sind die Richter
       in Luxemburg gefragt. Bis zu einem Urteil könnten aber noch Monate
       vergehen. (mit dpa)
       
       9 Mar 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Spaniens-Justiz-gegen-Separatisten/!5735117
   DIR [2] https://twitter.com/SpainMFA/status/1369221484225437697
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Eric Bonse
       
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