# taz.de -- Tarifvertrag für Pflegende scheitert: Von wegen Nächstenliebe
> Der Caritasverband lehnt einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag für
> die Pflege ab. Damit hilft er, das Image der katholischen Kirche zu
> zerstören.
IMG Bild: Schon lange fordern Pflegekräfte bessere Arbeitsbedingungen und faire Löhne
Es ist ein weiterer Schlag für das Image der katholischen Kirche, die schon
als heimeliger Hort von Missbrauchern und als knallharte Blockiererin einer
humanen Sterbehilfe dasteht, um nur einiges an selbstverursachter
Rufschädigung zu nennen. Jetzt verhindert die katholische Caritas auch noch
die Einführung eines [1][allgemeinverbindlichen Branchentarifvertrags für
die Pflege].
Das ist Egoismus pur, denn nur 170.000 Beschäftigte in der Altenpflege
arbeiten für Caritas-Einrichtungen, in der gesamten Branche sind aber 1,2
Millionen Menschen, vor allem Frauen, tätig. Ihnen, von denen viele in
privaten Heimen ohne jeden Tarifvertrag alte Menschen pflegen, wird durch
die Verweigerung der Caritas eine bessere Entlohnung verwehrt.
Die Blockade ist ein schlechter Witz, denn die Caritas-Einrichtungen selbst
zahlen ihren Pflegekräften vergleichsweise gute Löhne. Warum also diese
Verweigerung? Es ist die Arbeitgeberseite in der arbeitsrechtlichen
Kommission der Caritas, die sich einem allgemeinverbindlichen
Branchentarifvertrag verschließt, den Verdi und der Arbeitgeberverband BVAP
ausgehandelt hatten.
Die Zustimmungen von Caritas und Diakonie sind erforderlich, um die
Allgemeinverbindlichkeit in der gesamten Branche festzulegen. Von der
Arbeitgeberseite der Caritas heißt es, man sehe durch eine Zustimmung den
sogenannten Dritten Weg der Kirchen in Gefahr: Die Kirchen vereinbaren ihre
Löhne in eigenen Kommissionen, es gibt kein Streikrecht.
## Alter, selbstgerechter Sound
[2][Mit einem allgemeinverbindlichen Branchentarifvertrag] könnte die
Caritas nach wie vor ihre eigenen Löhne festlegen, nur niedriger als der
Branchentarifvertrag dürften sie dann eben nicht mehr sein. Die
Einstiegstarife für Hilfskräfte etwa, die im Verdi-Vertrag relativ hoch
sind, könnten die Caritas-Tarife für AlltagsbegleiterInnen künftig unter
Druck setzen. Probleme in der Lohnfindung von einigen tausend
Caritas-Hilfskräften dürfen aber kein Grund sein, ein
allgemeinverbindliches Regelwerk für über eine Million Beschäftigte zu
torpedieren.
Aus der Argumentation spricht wieder dieser alte, selbstgerechte Sound,
diese Hermetik der katholischen Kirche, die zwar ein Mitspracherecht in
gesellschaftlichen Fragen fordert, sich selbst aber nicht schert um die
Gesellschaft drumherum.
Spannend dürfte die Entscheidung der evangelischen Diakonie sein, die am
Freitag kommen sollte. Das Ergebnis war bis Redaktionsschluss noch offen.
26 Feb 2021
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## AUTOREN
DIR Barbara Dribbusch
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