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       # taz.de -- Junger Protest gegen Putsch in Myanmar: Witzig, respektlos und technikaffin
       
       > Die junge sogenannte Generation Z wehrt sich gegen die Machtübernahme des
       > verhassten Militärs. Selbstbewusst und mit kreativen Mitteln.
       
   IMG Bild: Demonstrant:innen protestieren als Hochzeitspaare gegen die Militärherrschaft, Yangon, 10. Februar
       
       Yangon taz | „Unser Baby soll unter keiner Militärregierung aufwachsen.“
       Mit diesem Spruch auf einem Schild demonstriert ein Hochzeitspaar vor dem
       Büro der Vereinten Nationen und anderen diplomatischen Vertretungen in
       Yangon. Das Paar ist Teil der [1][Generation Z], wie junge Menschen in
       Myanmar genannt werden, die in den 90er und frühen 00er Jahren geboren
       wurden. Ihre Botschaft an das Militär lautet: „Ihr legt euch mit der
       falschen Generation an.“
       
       Mit Witz, Respektlosigkeit und Selbstbewusstsein, aber auch mit ihrem
       bunten Outfit unterscheidet sich die Generation Z von den sogenannten
       88ern, also denjenien, die 1988 und danach gegen die alte und neue
       Militärdiktatur protestiert haben.
       
       Außer in Hochzeits- und Ballkleidern demonstrieren Angehörige der
       Generation Z in den beiden Großstädten Yangon und Mandalay auch als
       Spidermen, in Bikinis oder als Bodybuilder mit bloßen Sixpacks. Auch gibt
       es Rap, choreografierte Tanzeinlagen oder Breakdance.
       
       Vor allem aber beherrscht die Generation Z das Internet und postet ständig
       alles auf Facebook und Twitter. So wird etwa unter dem Hashtag
       [2][#WhatsHappeningInMyanmar] über die Repression und den Widerstand
       informiert.
       
       ## „Militärherrschaft ist für'n Arsch“
       
       „Wird das Internet wieder gesperrt, nutzen wir SIM-Karten aus
       Nachbarländern“, sagt Saw War Ti, ein junger Mann aus der Volksgruppe der
       Karen. „Wenn das auch nicht mehr hilft, gehen wir so lange auf die Straße,
       bis uns das Ausland unterstützt.“ Er trägt einen kurzen Wickelrock, dazu
       ein Schild mit der Aufschrift: „Militärherrschaft ist für’n Arsch“.
       
       Der 23-Jährige gehört zu einer Gruppe, die vor der Polizeisperre am Rathaus
       im Zentrum von Yangon gegen das Militär tanzt. Die Gruppe attraktiver
       junger Männer trägt traditionelle schwarze Kostüme, dazu Schilder wie „Weg
       mit dem Militärputsch“ oder „Unterstützt zivilen Ungehorsam“.
       
       Laut Saw Ar Ti legt es die Gruppe darauf an, mit ihrer Performance Medien
       auf sich aufmerksam zu machen. Man wolle schließlich gehört werden. „Ich
       habe eigentlich keine Ahnung von Politik“, räumt er ein, „aber dass die von
       uns gewählte Regierung einfach abgesetzt wurde, kann ich auch als Tänzer
       nicht akzeptieren.“
       
       „Wichtig ist, dass wir uns international Gehör verschaffen und so
       Unterstützung bekommen“, sagt der 24-jährige Win Kyaw Phyo, der die Gruppe
       leitet. Er ist Rechtsanwalt, aber zur Gruppe gehören auch Designer und
       Models.
       
       ## „Wir sind nur Bürger, die Gerechtigkeit wollen“
       
       Seiner Meinung nach unterscheidet sich [3][die junge Generation] in ihrem
       Denken von der älteren, aber auch dadurch, dass sie sich bisher nicht in
       gewaltsame Kämpfe mit Soldaten verwickeln lasse. „Wir sind keine
       ‚Terroristen‘, sondern nur Bürger, die Gerechtigkeit wollen. Wir wollen
       nicht in einer so dunklen Zeit leben wie unsere Eltern. Wir brauchen
       Demokratie und wollen unsere Führerin Mutter Suu [Aung San Suu Kyi]
       zurück.“
       
       An einem anderen Tag demonstrieren sieben geschminkte Paare in ihren
       Hochzeitskleidern vor Chinas Botschaft gegen Pekings Unterstützung für
       Myanmars Militär. „Wir haben alle in letzter Zeit geheiratet. Wegen der
       Coronapandemie konnten wir schon unsere Hochzeiten nicht feiern, auch läuft
       es beruflich schlecht“, sagt Ma Ei, eine 27-jährige Lehrerin einer
       Privatschule. „Von diesem Jahr hatten wir uns eine Verbesserung erwartet
       und wollten Versäumtes nachholen. Aber jetzt fühlen wir uns vom Militär
       betrogen.“
       
       Ko Thi Ha arbeitet in Japan für eine Technologiefirma und schickt
       japanische SIM-Karten an Freunde in der Heimat, damit sie weiter
       Nachrichten und Bilder in die Welt schicken können. „Ich fürchte, dass die
       fantasievollen Aktionen, mit denen die Demonstrant:innen in Myanmar
       international Aufmerksamkeit erregen, bald ihre Wirkung verlieren“, sagt
       er. „Immerhin spricht die junge Generation Englisch und kann sich
       international mitteilen.“
       
       ## „Junge Leute haben eine andere Sprache und Technologien“
       
       Der Taxifahrer Kyi Soe, der an den Protesten 1988 beteiligt war, ist sehr
       stolz auf die junge Generation und ihre fantasievollen Proteste. Auch wenn
       er nicht mitdemonstrieren kann, versucht er die jungen Menschen zu
       unterstützen, indem er sie manchmal kostenlos zu ihren Protesten fährt.
       Sein Taxi trägt einen roten Aufkleber „Freiheit für Aung San Suu Kyi und
       Präsident Win Myint“.
       
       „Damals hatten wir kaum Zugang zu Informationen“, erinnert sich Kyi Soe.
       „Die junge Generation hat heute eine ganz andere Sprache, Technologie und
       Ideen. Die Jungen dehnen ihre Aktionen auf die ganze Stadt aus und
       vermeiden die direkte Konfrontation mit dem Militär. Stattdessen
       beherrschen sie perfekt das Internet.“
       
       Der Widerstand auf der Straße vereint Studierende verschiedener Fächer,
       IT-Experten, Künstler:innen, aber eben auch Punks und Tänzer:innen.
       Gemeinsam sind sie jung und gegen die Militärdiktatur.
       
       18 Feb 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Protestbewegung-in-Myanmar/!5746830
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   DIR [3] /Aktivist-ueber-Proteste-in-Myanmar/!5746829
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Nyein Ei Ei Htwe
       
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