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       # taz.de -- Putsch in Myanmar: Rechnung ohne das Volk
       
       > Myanmars Generäle haben sich in ein Dilemma manövriert. Sie haben beim
       > Coup unterschätzt wie breit der Widerstand der Bevölkerung werden würde.
       
   IMG Bild: Ausgetrickst: Ein Soldat entdeckt ein Protestschild auf seinem Panzer am 15. Februar in Yangon
       
       Yangon taz | Nur wenige Tage nachdem das Militär [1][geputscht] und
       Präsident Win Myint und die faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi
       festgesetzt hat, begannen junge Menschen in Myanmar [2][gegen den
       Militärputsch zu protestieren], darunter auch viele Angehörige der
       ethnischen Minderheiten. Die protestierende Jugend nennt sich
       „[3][Generation Z]“ und fordert Beamte und Staatsangestellte auf, sich an
       der „[4][Bewegung des Zivilen Ungehorsams]“ (CDM) zu beteiligen.
       
       Und tatsächlich: Zuerst schlossen sich Ärzt:innen und
       Krankenpfleger:innen CDM an. Inzwischen sind Mitarbeiter:innen
       der Ministerien ebenso dabei wie die der Staatsmedien, des Transportwesens
       und der Elektrizitätswerke. Die Armee versuchte zunächst streikende
       Angestellten durch Militärangehörige zu ersetzen. Doch war das erfolglos,
       denn dafür nahmen einfach zu viele an der CDM-Bewegung teil.
       
       Also begann die Militärregierung, Protestierende zu bedrohen und zu
       verhaften. Auch das half nicht. Inzwischen stellen sich viele
       Bürger:innen hinter die „Generation Z“ und fordern: „Weg mit der
       Diktatur, weg mit der Verfassung von 2008, her mit einem föderalen
       Bundesstaat“.
       
       Das Bemerkenswerte: Obwohl junge Leute der „Generation Z“ die
       Protestbewegung anführen, haben sich bislang keine Organisationen oder
       Persönlichkeiten an die Spitze der Bewegung gesetzt. Das Militär kann
       deshalb keine Anführer:innen ins Gefängnis werfen und so die Bewegung
       schwächen.
       
       Obwohl die Militärs Studentenführer:innen, hohe Funktionär:innen der
       bisherigen Regierungspartei NLD und einige bekannte Aktivist:innen
       einsperrten und Razzien in NLD-Büros durchführte, hat dies die Proteste
       nicht geschwächt, sondern in vielen Regionen sogar noch gestärkt.
       
       Der Plan der Armee ist es, die Unterstützer:innen der NLD zu spalten
       und deren Führerin Aung San Suu Kyi aus der Politik zu drängen. Denn das
       Militär will die Politik des Landes wieder allein bestimmen – mithilfe der
       Verfassung von 2008, die ihm einen starken Einfluss sichert. Sie gibt dem
       Militär 25 Prozent der Sitze in beiden Kammern des Parlaments und die
       Hoheit über die drei Sicherheits-Ministerien Verteidigung, Inneres und
       Grenzkontrolle.
       
       ## Putsch statt Rente
       
       Um Staatspräsident zu werden, benötigt ein Kandidat laut Verfassung mehr
       als 50 Prozent der Stimmen der Abgeordneten. Die militärnahe Partei USPD
       hatte damit gerechnet, bei den Wahlen 26 Prozent der Sitze zu bekommen, was
       zusammen mit dem 25-prozentigen Anteil der Armee die Mehrheit bedeutet
       hätte, um den Staatschef stellen zu können.
       
       Der Armeechef [5][Min Aung Hlaing] wollte Präsident werden und nicht im
       Juli mit 65 in Rente gehen. Doch die Wahlen machten ihm einen Strich durch
       die Rechnung. Deshalb putschte er. Doch gibt es innerhalb der Armee
       unterschiedliche Interessen. Die Verfassung sichert den Generälen
       beträchtliche Einnahmen, da die Firmen des Militärs die Rohstoffe des
       Landes kontrollieren.
       
       Bald könnte es unter den Generälen Konflikte geben, wenn sie um ihre
       Geschäfte und die Sicherheit ihrer Familien fürchten müssen. Denn
       Sanktionen der internationalen Gemeinschaft könnten ihre Deals und Profite
       schmälern. Auch könnten ihre Kinder ihre Studienplätze im westlichen
       Ausland verlieren. Über die Korruption von Min Aung Hlaing und seiner
       Familie und ihr Geschäftsimperium dürften es heiße Debatten unter den
       Generälen geben.
       
       Putschführer Min Aung Hlaing hat sich verrechnet und seinen Coup nicht gut
       geplant. Er hat die Macht der sozialen Medien unterschätzt, mit deren Hilfe
       die jungen Leute kommunizieren. Und er hat die Fähigkeiten der „Generation
       Z“ nicht einkalkuliert.
       
       Wird das Militär die Proteste blutig niederschlagen? Oder vielleicht doch
       mit Aung San Suu Kyi und ihrer NLD verhandeln? Das dürfte auch davon
       abhängen, wie entschlossen und vereint die Bevölkerung weiterhin für echte
       Demokratie kämpft.
       
       17 Feb 2021
       
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