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       # taz.de -- Fragwürdige Reform beim NDR: Mit Hashtag in die Zukunft
       
       > Der Norddeutsche Rundfunk baut die Hierarchieebenen um.
       > Mitarbeiter*innen fürchten, dass der Journalismus darunter leidet.
       
   IMG Bild: Ist die NDR-Reform inhaltlicher Natur oder geht es um eine Machtverteilung?
       
       One Direction ist eine Boygroup, die zu Beginn der 2010er Jahre erfolgreich
       war. Zu deren Fans gehören möglicherweise [1][Joachim Knuth], der Intendant
       des NDR, und seine Programmdirektor*innen Frank Beckmann und Katja
       Marx. Jedenfalls werben die Hierarchen gerade intern mit dem Hashtag
       #OneDirection für eine von ihnen ausgetüftelte Strukturreform.
       
       Die sieht vor, die Direktionen für Fernsehen und Hörfunk aufzulösen.
       Künftig soll es nur eine Direktion mit zwei „Geschäftsbereichen“ geben, für
       deren Zuschnitt nicht der Verbreitungsweg, sondern Programminhalte
       entscheidend sind.
       
       Allerdings wirkt die geplante Aufteilung erratisch: Für Information und
       damit auch Nachrichten ist demnach die bisherige Hörfunkdirektorin Marx
       zuständig, für die [2][beim NDR beheimatete Redaktion] „ARD-aktuell
       („[3][Tagesschau]“)“ aber der jetzige TV-Direktor Beckmann. Den Bereich
       Kultur hat sich Marx gesichert, die Zuständigkeit für die Arte-Redaktion im
       NDR Beckmann. Und die Magazine „Panorama“ und „Panorama 3“ sind bei Marx
       angesiedelt, während „Panorama – die Reporter“ und [4][„STRG_F“], der
       „Panorama“-Ableger für das Onlinenetzwerk „funk“, in Beckmanns Reich
       fallen.
       
       Viele Mitarbeiter haben daher den Eindruck, dass die Reform keiner
       inhaltlichen Strategie folgt, sondern dass es darum ging, den Machtkuchen
       so zu verteilen, dass beide Direktor*innen gleich viele Stücke
       abbekommen.
       
       ## NDR ist Nachzügler
       
       Im NDR-Intranet artikuliert nun der Redaktionsausschuss die „Sorgen und
       Ängste, aber auch die Verärgerung der Kolleg*innen“. Nicht verstehen würden
       diese etwa, dass die „Panorama“-Familie auseinandergerissen wird. Die sei
       für einige „Leuchtturmprojekte“ verantwortlich: Für die Berichterstattung
       zu G20 bekamen „Panorama“, „Panorama 3“ und „Panorama – die Reporter“ 2018
       den Grimme-Preis.
       
       Und der Dokumentarfilm „SeaWatch 3“, der 2020 den Grimme-Preis gewann, fußt
       auf Beiträgen, die vorher unter diversen „Panorama“-Marken liefen. Erfolge,
       die, so der Redaktionsausschuss, möglich waren, „weil die Verantwortung für
       Geld und Personal in einer Hand liegen“.
       
       [5][In Sachen crossmediale Direktion] ist der NDR ein Nachzügler, andere
       ARD-Anstalten haben längst eine – mit unterschiedlichen Zuschnitten.
       NDR-Intendant Knuth sagt: „Crossmedialität ist eine Haltung.“ Manchmal
       verbrämt das Modewort aber auch inhaltliche Verschlechterungen.
       
       Offenlegung: Der Autor war in beiden Preisjahren Mitglied der zuständigen
       Grimme-Nominierungskommission.
       
       22 Feb 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Joachim-Knuth-wird-Intendant/!5606796
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   DIR [4] https://www.youtube.com/channel/UCfa7jJFYnn3P5LdJXsFkrjw
   DIR [5] /Sparkurs-der-Oeffentlich-Rechtlichen/!5743973
       
       ## AUTOREN
       
   DIR René Martens
       
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