# taz.de -- Geste des Protests: Drei Finger für Myanmar
> Die DemonstrantInnen in Myanmar nutzen ein Handzeichen aus der Filmreihe
> „Hunger Games“. Eigentlich stammt es woanders her.
IMG Bild: Wichtiges Detail: Der Daumen liegt über dem kleinen Finger
Die erhobene Faust ist ein seit dem 19. Jahrhunderts recht etabliertes
Protestzeichen, auch die Bedeutung des ausgestreckten Arms mit flacher Hand
erschließt sich jeder Betrachterin und hat es in Deutschland sogar ins
Strafgesetzbuch geschafft. In den vergangenen Jahren war der ausgestreckte
Zeigefinger bei Dschihadisten beliebt („Es gibt keinen Gott außer Allah“).
Nun geht mit den Demonstrationen gegen den Militärputsch in Myanmar ein
neues Handzeichen des Protests um die Welt und von Bildschirm zu
Bildschirm: Zeige- Mittel-, und Ringfinger werden ausgestreckt, davor
kreuzen sich Daumen und kleiner Finger.
Die Demonstrierenden, heißt es, beziehen sich damit auf die Filme und die
zugrunde liegenden Bücher [1][„Die Tribute von Panem“] (im Original:
„Hunger Games“), die jeweils weltweit Erfolg hatten. In der Geschichte
zeigt das unterdrückte Volk den Gruß als Zeichen des Widerstands gegen das
Regime, er steht aber auch für Solidarität und Respekt untereinander und
richtet sich damit genau so an die Mitstreiter.
Mit dieser Geste stellen sich die Menschen in Myanmar auch in eine Reihe
mit den Protesten gegen den Staatsstreich in Thailand, wo schon 2014 das
gleiche Handzeichen verwendet wurde. Dort wurde sowohl der Gruß als auch
der dritte Film der Hunger-Games-Reihe zeitweise verboten.
Dabei ist das Handzeichen (wie Kritikern zufolge auch manches andere aus
den Büchern) geklaut und schon deutlich älter. Seit über hundert Jahren ist
es der Gruß der internationalen PfadfinderInnenbewegung: Die drei erhobenen
Finger stehen dabei für die Verantwortung vor Gott, der Gemeinschaft und
sich selbst beziehungsweise dem PfadfinderInnengesetz (das hier
auszuführen, würde allerdings zu weit gehen). Und der große Daumen
beschützt den kleinen Finger.
Kleine PfadfinderInnen, die Wölflinge, merken sich die Bedeutung indes so:
Der Große verprügelt den Kleinen, die anderen stehen am Rand und schauen
zu. Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen für Myanmar.
12 Feb 2021
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## AUTOREN
DIR Kersten Augustin
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