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       # taz.de -- Absage der Leipziger Buchmesse: Tiefe Seufzer in der Branche
       
       > Die Leipziger Buchmesse fällt auch in diesem Jahr aus. Die coronabedingte
       > Entscheidung trifft ausgerechnet ein hochinteressantes Frühjahrsprogramm.
       
   IMG Bild: Fehlender Rückenwind für Bücher: Szene von der bislang letzten Leipziger Buchmesse, 2019
       
       Das war eine echt trostlose Woche für die Literatur. Zuerst musste die
       prachtvoll renovierte Berliner Staatsbibliothek Unter den Linden, ein
       wahrer Tempel der Bildung, rein digital eröffnet werden. Dann wurde
       bekannt, dass der WDR die täglichen Literaturbesprechungen streicht. Und
       schließlich kamen noch die Eilmeldungen: Die Leipziger Buchmesse wird auch
       dieses Jahr abgesagt, [1][wie 2020 auch schon.]
       
       Leipzig, das war für die Buchbranche so etwas wie das Licht am Ende des
       Tunnels von Lockdown und Veranstaltungsabsagen. Der tiefe Seufzer, der –
       bei aller Einsicht in ihre Notwendigkeit – nach der Verkündigung der
       Entscheidung durch die gesamte Literaturszene lief, war bis ins Homeoffice
       zu hören, in dem man coronabedingt hockt und nun also einen möglichst
       unzerknirschten Text darüber schreiben muss. Immerhin erfolgte die Absage
       frühzeitig, sodass sich alle Beteiligten darauf einstellen können.
       
       Für die Frühjahrsprogramme der Verlage bedeutet das, daran gibt es wenig zu
       deuteln, fehlenden Rückenwind. Die Autor*innen haben geschrieben, die
       Verlage produzieren weiterhin fleißig, und zwar gute Sachen. Das wird ein
       gutes literarisches Frühjahr werden.
       
       Neuerscheinungen von [2][Bernardine Evaristo] und Tove Ditlevsen werden
       jetzt schon breit wahrgenommen. Die bald erscheinenden Romane von Sharon
       Dodua Otoo, Monika Helfer, Helga Schubert, Mithu Sanyal und Christian
       Kracht (um nur ein paar zu nennen) werden auch viel diskutiert werden.
       Viele Beobachter warten auch schon auf den Debütroman „Wie die Gorillas“
       von Esther Becker. Mit der Buchmesse fehlt ihnen allen ein wichtiger
       Resonanzraum.
       
       Eine Buchmesse – und das gilt sowohl für die Leipziger wie für die
       Frankfurter Messe – ist eben keineswegs nur ein Branchentreff oder eine
       Gelegenheit für Bücherinteressierte, sich aufmerksam umschauend in
       Messehallen gegenseitig auf die Füße zu treten. Sie ist auch eine
       Möglichkeit, ach was, ein Anker, ein Fels, um daran eine breite und
       öffentlichkeitswirksame Berichterstattung über literarische
       Neuerscheinungen (und allerlei Gossip) anzuhängen.
       
       ## Der Anker wird fehlen
       
       Dieser Anker wird jetzt fehlen, was auch immer die Verantwortlichen der
       Leipziger Messe an Alternativveranstaltungen organisieren werden.
       Überhaupt. Das wird jetzt bereits das dritte literarische Programm in Folge
       sein, das im Wesentlichen ohne die in der Branche doch so wichtigen
       Präsenzveranstaltungen auskommen muss, nachdem 2020 auch die Frankfurter
       Buchmesse zum großen Teil ins Digitale verlegt worden ist.
       
       Zwar sind aus der Branche keineswegs nur Katastrophenmeldungen zu hören.
       Bevor der zweite Lockdown Ende des vergangenen Jahres zuschlug, hatten sich
       die Buchverkäufe erholt. Das in Deutschland immer noch sehr dichte Netz an
       engagierten mittleren Buchhandlungen kann viele Folgen der Pandemie
       abfedern.
       
       ## Das Businessmodell überdenken
       
       Doch was geschehen wird, wenn die coronabedingten Beschränkungen noch sehr
       lange anhalten müssen, weiß niemand. So hat sich die gesamte Branche viele
       Jahre lang darauf ausgerichtet, dass die Autor*innen einen für sie
       wesentlichen Anteil an Honoraren aus Lesungen und sonstigen Live-Events
       erzielen. Auch bekannte Schriftsteller*innen müssen nun, kühl gesagt,
       ihre Businessmodelle überdenken.
       
       Und wie das Beispiel des WDR zeigt – wo für freie Literaturkritiker mal
       eben Hunderte von Aufträgen weggefallen sind -, kann sich niemand in der
       Branche eines solidarischen Verhaltens untereinander sicher sein.
       
       ## Zu viele Unwägbarkeiten
       
       Auch aus diesen Gründen haben sich die Verantwortlichen der Leipziger Messe
       die Absage nicht leicht gemacht. „Wir bedauern sehr, dass die Leipziger
       Buchmesse nicht stattfinden kann. Die Verantwortlichen hatten eine
       schwierige Entscheidung zu treffen, die angesichts der zurzeit unklaren
       Coronaperspektiven verständlich ist“, erklärte die Vorsteherin des
       Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs.
       
       Was bleibt, ist tatsächlich so ein trauriges Verständnis für die Absage.
       Der übliche Termin der Buchmesse im März war schon vor Monaten auf Ende Mai
       verschoben worden, aber auch der war angesichts aller Unwägbarkeiten nicht
       zu halten.
       
       29 Jan 2021
       
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