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       # taz.de -- Digitales Theater aus Berlin: Die Löcher, durch die sie fielen
       
       > Im Delphi landet Alice in der Psychatrie; die Schaubühne streamt mit
       > „Dämonen“ ein Stück des kürzlich an Covid-19 verstorbenen Dramatikers
       > Lars Norén.
       
   IMG Bild: Auch dem Hasen ist etwas „anders“: Das Theater im Delphi streamt „Alices Geschwister“
       
       Die berühmte Geschichte von „Alice im Wunderland“ kommt uns in diesen
       Zeiten vielleicht noch einmal anders nah: plötzlich stürzen wir in ein Loch
       und landen in einer anderen Welt mit anderen Gesetzen. So nämlich geht er
       der jungen Alice im Original von Lewis Caroll. In unseren Tagen, in denen
       wir die Welt nur noch durch den Computer erreichen können, ist das Loch, in
       das wir stürzen, vielleicht der Monitor und die andere, wundersame Welt
       dahinter der digitale Raum.
       
       Da kommt das [1][Theater im Delphi] gerade recht, das in dieser Woche eine
       höchsteigene Adaption des Stoffs auf dem (digitalen) Spielplan hat. „Alices
       Geschwister“ ist ein multimediales Theaterstück über ein Mädchen, das die
       Welt nicht so wie alle anderen sieht. „Multimedial“ heißt im Fall von
       [2][Daniela Lunelli] aka Munsha, von der Konzept, Text, Komposition und
       Live-Musik stammen und die auch Regie geführt hat: ein Gewebe aus Video,
       Musik und Sprache. Das Loch, in das Alice in diesem Livestream stürzen
       wird, ist eine psychiatrische Anstalt (4.-7.2., jeweils 20 Uhr. Tickets ab
       5 EUR, [3][delphi.reservix.de]).
       
       ## Von Dämonen und Wildenten
       
       Auch der große schwedische Dramatiker Lars Norén hat seine Dramen über
       Menschen geschrieben, die durchs Raster der Gesellschaft fallen. In der
       vergangenen Woche starb er im Alter von 76 Jahren an den Folgen einer
       Covid-19-Erkrankung. Norén stand in der Tradition von August Strindberg und
       Henrik Ibsen. Wie sie leuchtete er die Abgründe der bürgerlichen
       Gesellschaft aus.
       
       Die Schaubühne, wo Thomas Ostermeier einst seine Intendanz mit Noréns
       panoramatischem Großdrama „Personenkreis 3.1.“ über die Abgeschriebenenen
       der westlichen Gesellschaften eröffnete, streamt in dieser Woche
       Ostermeiers Inszenierung „Dämonen“ aus dem Jahr 2010, u.a. mit Lars
       Eidinger (Schaubühne: „Dämonen“, 5.2. 18 Uhr bis 8.2. 18 Uhr
       [4][www.schaubuehne.de]).
       
       Ebenfalls auf dem Streaming-Plan der Schaubühne steht Simon Stones
       Ibsen-Variation „Die Wildente (The Daughter)“, eine Produktion von Screen
       NSW. Der 1985 geborene australische Regisseur, der in Berlin schon am BE
       gearbeitet hat und beim Theatertreffen zu sehen war, soll in diesem Jahr
       zum ersten Mal an der Schaubühne inszenieren (2.2. 18 Uhr bis 5.2. 18 Uhr
       [5][www.schaubuehne.de]). Die jüngste Arbeit von Simon Stone ist übrigens
       gerade auf Netflix angelaufen: „Die Ausgrabung (The Dig)“ nach dem
       gleichnamigen Roman von John Preston (u.a. mit Ralph Fiennes).
       
       1 Feb 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://theater-im-delphi.de/programm/?prod=81
   DIR [2] http://www.munsha.it/
   DIR [3] https://delphi.reservix.de/tickets-alices-geschwister-digitales-event-premiere-in-berlin-theater-im-delphi-am-4-2-2021/e1644698
   DIR [4] https://www.schaubuehne.de/de/start/index.html
   DIR [5] https://www.schaubuehne.de/de/produktionen/die-wildente-the-daughter.html?ID_Vorstellung=4453&m=398
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Esther Slevogt
       
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