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       # taz.de -- Merkels Informationspolitik: Die allzu „präsidiale“ Kanzlerin
       
       > Lauterbach als phlegmatische Einmannsekte bestichwortet Merkel und der
       > Kanzerlamtsminister fängt sich eine Ohrfeige. Klar ist: Merkel führt.
       > Aber wen?
       
   IMG Bild: „Merkel moderiert, wo sie nicht mehr Herrin ist“
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Die Republikaner lösen sich nicht von Trump.
       
       Und was wird in dieser besser? 
       
       Aussichten für Bidens demokratische Nachfolgerin.
       
       Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am vergangenen Donnerstag im Bundestag
       Bilanz ihrer Coronapolitik gezogen. Manche fanden sie emotionslos, manche
       zu präsidial. Kann sie noch Kanzlerin? 
       
       [1][Merkel moderiert, wo sie nicht mehr Herrin ist]. Eben sandte sie ihren
       Kanzleramtsminister Braun, sich ein paar Ohrfeigen für die „Schuldenbremse“
       abholen. Der getreue Altmaier und die phlegmatische Einmannsekte Lauterbach
       helfen mit Argumenten für den Lockdown. Für das „Infektionsschutzgesetz“
       sicherten ihr die Grünen klammheimlich die Parlamentsmehrheit. Eine
       übersichtliche Schar letzter Lehnsleute. In der Not gab die als
       verschwiegen Gescholtene ein halbes Dutzend Interviews. Dagegen stehen
       Ministerpräsidenten, die vor Wahlen bangen, eine zerrissene Partei, eine
       teils marodierende Fraktion. Merkel tischte dem Publikum früher stets
       fertig durchorganisierte Politik auf; bis wir mal davon Wind bekamen, war’s
       längst „alternativlos“. Das wirkte „präsidial“. Jetzt führt sie. Unklar,
       wen.
       
       In deutschen Pflegeheimen sind fast die Hälfte der Bewohner gegen Covid-19
       geimpft. [2][Das Robert Koch-Institut nennt das einen ersten Erfolg.] Wie
       nennen Sie es? 
       
       Planung geteilt durch Fehler mal Zufall. Die Älteren sind priorisiert =
       Planung. Zugleich fehlt Impfstoff = Fehler. Der Lockdown lindert die
       Infektionsrate allgemein: zufällige Koinzidenz. „Beim nächsten Virus wisst
       ihr, wie es geht“ ist bisschen lang für eine Grabinschrift.
       
       Fast jedes dritte Kind zeigt einer Analyse zufolge ein knappes Jahr nach
       Beginn der Coronapandemie in Deutschland psychische Auffälligkeiten. Dabei
       wurde Boris Palmer gar nicht mitgezählt. Haben wir gleichzeitig die Alten
       nicht gerettet und die Kinder geopfert? 
       
       Als Prof. Drosten vorwarnte, [3][Kinder könnten sehr wohl ein Thema beim
       Infektionsgeschehen sein], erwarb sich die Bild- Zeitung bleibende
       Verdienste um, höflich gesagt, bleibende Verwirrung. Zudem privatisierte
       die Politik das Thema „home schooling“ und die Überforderung berufstätiger
       Eltern. In ein paar Jahren wird man vieles zu erklären versuchen mit dem
       Schlagwort „Coronageneration“.
       
       Obwohl sich in unserem Nachbarland Tschechien das Coronavirus weiter
       ausbreitet, hat das Parlament in Prag eine Verlängerung des Notstands
       abgelehnt. Ist Ignorieren eine Option – oder einfach nur ignorant? 
       
       Common spirit. [4][Tschechien] hat niedrige Löhne und noch niedrigere
       Sozialleistungen: Die Leute arbeiteten durch und verschwiegen Infektionen.
       So schwappt die zweite in die dritte Welle, das Urvirus in die Varianten.
       Das Teuerste am Sozialstaat ist, wenn man keinen hat.
       
       Hustler-Erfinder Larry Flynt ist tot. Kommt der Porno-Verleger und nach
       Eigeneinschätzung Verteidiger der Meinungsfreiheit in die Hölle oder in den
       Himmel? 
       
       Falls im Sterben das Leben „wie ein Film an einem vorüberzieht“, war’s hier
       ein Porno. Der ist so real wie der Himmel, in den Flynt kommt.
       
       Der GameStop-Sturm flaut langsam ab, dafür erreicht die Kryptowährung
       Bitcoin neue Rekordhöhen. Sind die Börsen als soziales Medium vielleicht
       interessanter als Facebook, Twitter und Clubhouse zusammen? 
       
       Das Konzept des Baghwan mag etwas altertümlich daherkommen im Vergleich zu
       Elon Musk. Der hat an den Hypes spektakulär verdient und sie allesamt
       befeuert. Am Ende stehen Jünger, die eine tolle Zeit hatten und nun leider
       kein Geld mehr.
       
       Meghan Markle, Herzogin von Sussex, hat einen Rechtsstreit gegen die
       britischen Zeitungen Daily Mail und Mail on Sunday gewonnen, die einen
       Brief von ihr an ihren Vater veröffentlicht hatten. Zerstört sie erst die
       britische Monarchie und jetzt auch noch die Boulevardmedien?
       
       Ich stelle mir eine Mischung aus Frank-Walter Steinmeier und den „Geissens“
       vor und glaube, so absurd wie das britische Königshaus bekämen wir es
       trotzdem nicht hin.
       
       Julia Reuss, zwei Jahre lang Büroleiterin von Digital-Staatsministerin
       Dorothee Bär (CSU), [5][wechselt ohne Karenzzeit als Lobbyistin zu
       Facebook.] Im Jahr 2012 hatte die damalige Referentin von
       Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) schon das Gleis auf einen gut
       bezahlten Posten bei der Deutschen Bahn gewechselt. Ihr offizieller Titel
       bei Facebook soll „Public-Policy-Direktorin für Zentraleuropa“ lauten. Ist
       das alles ein Problem? 
       
       Nicht für Facebook. Klar, Julia Reuss ist auch die Partnerin von
       Verkehrtminister Andreas Scheuer, und neulich ist der Mann von Prof.
       Streeck irgendwas im Spahn-Ministerium geworden, und wo kann man bei
       Facebook eigentlich anklicken, dass man das alles gar nicht wissen will?
       
       Und was machen die Borussen? 
       
       Menschenleeres Köln an Weiberfastnacht; Schneebummler, während im leeren
       Stadion der BVB spielt. Indirekte Fanfreundschaft.
       
       Fragen: cas, waam
       
       14 Feb 2021
       
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