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       # taz.de -- Pandemie in Portugal: Lockdown-Lockerung zum Wahltag
       
       > Portugal erlebt gerade einen rasanten Anstieg der Infektionszahlen.
       > Trotzdem wird am Sonntag ein neues Staatsoberhaupt gewählt.
       
   IMG Bild: Wahlhelfer sammeln Stimmzettel von Menschen in Quarantäne und Bewohnern von Altenpflegeheimen ein
       
       Madrid taz | Portugal durchlebt dieser Tage die schlimmste Phase der
       Covid-19-Pandemie seit dem Ausbruch im Frühjahr – doch trotz Lockdown wird
       das Land am Sonntag ein neues Staatsoberhaupt wählen. So mancher hätte
       Kampagne und Urnengang am liebsten abgesagt, doch die portugiesische
       Verfassung lässt eine Aufschiebung nicht zu. Und die Verfassung kann unter
       dem derzeit gültigen Ausnahmezustand nicht geändert werden.
       
       Deshalb werden am Sonntag jetzt die Lockdownbestimmungen, die seit einer
       Woche wieder gelten, gelockert, um den Urnengang zu ermöglichen. Außerdem
       wurde das Wahlgesetz geändert, und so eine vorgezogene Stimmabgabe am
       vergangenen Wochenende erleichtert. Dennoch wird eine mehr als schwache
       Wahlbeteiligung erwartet.
       
       Der aktuelle Präsident Marcelo Rebelo de Sousa liegt in den Umfragen weit
       vorn. Alle Meinungsforscher sagen dem beliebten 72-jährigen konservativen
       Professor eine absolute Mehrheit von bis zu knapp 60 Prozent voraus. Unter
       den anderen sechs Kandidaten holten in den vergangenen Tagen vor allem die
       Sozialistin Ana Gomes und der rechtsextreme André Ventura auf. Doch dass es
       zu einer zweiten Wahlrunde kommt, gilt als unwahrscheinlich.
       
       Abgesehen von den Lockerungen für die Wahl gelten seit Freitag aber erneut
       verschärfte Einschränkungen der Bewegungsfreiheit für die Bürger. Die
       [1][Regierung unter dem Sozialisten Antonio Costas] hatte entschieden, nun
       auch Schulen, Universitäten und Kindertagesstätten erst einmal für zwei
       Wochen zu schließen. Sie begründet die Schließung mit der schnellen Zunahme
       von Neuinfektionen. Dies liegt teilweise an der britischen Variante des
       Virus, die bereits jetzt für eine von acht Ansteckungen verantwortlich ist.
       
       ## Lage verschlechtert sich seit Weihnachten rasant
       
       Bereits seit einer Woche schon dürfen die Portugiesen ihre Wohnung nur aus
       wichtigen Gründen wie Arbeit, Arztbesuch oder Einkauf verlassen werden.
       Homeoffice ist Pflicht, sofern das möglich ist. Gaststätten und Geschäfte
       bleiben geschlossen. Einzige Ausnahme sind Apotheken und Läden mit
       Produkten für den täglichen Grundbedarf.
       
       Die Lage im Land verschlechtert sich seit Weihnachten rasant. Bei rund zehn
       Millionen Einwohnern werden derzeit täglich um die 14.000 Neuinfektionen
       gemeldet. In den letzten zwei Wochen wurden in Portugal laut dem
       Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten
       (ECDC) pro 100.000 Einwohner 1.215 Fälle ausgemacht.
       
       Portugal, das zuvor [2][vergleichsweise glimpflich durch die Pandemie kam],
       ist jetzt eines der am stärksten betroffenen Länder. Zum Vergleich: In
       Österreich wurden in den letzten 14 Tagen pro 100.000 Einwohner 299 Fälle
       gemeldet; in Deutschland 319.
       
       Insgesamt [3][zählen die portugiesischen Behörden] bisher rund 609.000
       Covid-Infektionen und 9.920 Tote. Alleine am Freitag waren 234 neue
       Todesfälle zu beklagen. 715 Covid-Patienten liegen auf der Intensivstation.
       Die Behörden betonten bisher immer wieder, dass alles über 500
       Intensivpatienten vom Gesundheitssystem nur mit größter Mühe zu bewältigen
       sei.
       
       23 Jan 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Parlamentswahl-in-Portugal/!5631426
   DIR [2] /Corona-Lockerungen-in-Suedeuropa/!5682006
   DIR [3] https://covid19.min-saude.pt/ponto-de-situacao-atual-em-portugal/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Reiner Wandler
       
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