# taz.de -- Die Wahrheit: Atemlos durch die Milch
> Wegen ihres Asthmas versuchte sich unsere Autorin an einem „Veganuary“.
> Zwei Wochen später knallte sie sich ein halbes Pfund Ziegenkäse in die
> Vene.
Die Bundesregierung hat mir zwei Berechtigungsscheine [1][für FFP2-Masken]
geschickt. Das wundert mich ein wenig, weil ich mir nicht vorstellen kann,
dass man in der offenbar irgendwo existenten Kartei der schwindsüchtigen,
siechen bundesrepublikanischen Kameliendamen und -herren jetzt schon beim
Buchstaben Z angekommen ist. Sind wir nur so wenige?! Oder hat man
ausnahmsweise mal hinten angefangen?
Aber es ist auch tröstlich, [2][dass Jens Spahn] um mein Asthma weiß. Ich
hatte den Januar über schon versucht, es selbst ein wenig einzudämmen –
anstatt eines „dry january“ (total absurde Idee einer einmonatigen
Alkoholabstinenz) hatte ich mir einen partiellen „veganuary“ verschrieben.
Angeblich soll nämlich Milch das Keuchen verstärken, und zwar gar nicht
wegen der vielen Kuhmägen mit ihrem ewigen Gepupse und dem damit
verbundenen CO2-Anstieg, sondern aufgrund einer medizinisch nicht
einwandfrei geklärten Verbindung zwischen Milchprodukten und Atemnot durch
Lungenverschleimung.
Da meine kein bisschen esoterisch wirkende Allergologin diesen Vorschlag
gemacht hatte, ließ ich mich darauf ein. Ab 1. Januar lagen auf meinen
Frühstücksbroten die wildesten Dinge: „Veganer Käse“ in Form von weißen,
feuchten Scheiben, die schmeckten und rochen wie verklemmte, rohe
Kartoffeln; vegane „Streichs“, denen ich beim Schmieren ängstlich
zumurmelte: „Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich“,
und ihren zwiebeligen Geschmack ignorierte; und Wurst, die ich zum
Frühstück eigentlich unanständig finde.
Noch schlimmer waren die Abende mit milchfreier Schokolade, dem
Patisserie-Pendant zu alkoholfreiem Bier. Ich finde einfach keinen Grund,
wieso man bittere Schokolade essen sollte. Vielleicht kann man die eine
oder andere Herrentafel in einer Mousse au Chocolat verschwinden lassen,
mit Sahne und Ei. Und falls sie abgelaufen sind, schenkt man sie den
kindlichen Halloween-Trick-or-Treat-Schnorrern, die in diesem Jahr wieder
kommen dürfen. Ansonsten sind sie überflüssig.
## Schafsbrie direkt in die Vene, das knallt
Dennoch hielt ich die Challenge zwei Wochen durch – das getreidige
Haferzeug im Kaffee entwickelte sogar einen eigenen Reiz, und ich dachte
zudem an die stolze Aussage eines Espresso-Herstellers, er würde seinen
Koffeinkick doch nicht mit Babynahrung verweichlichen. Eines Abends knickte
ich jedoch ein wie eine Haferrispe vor dem Mähdrescher. Und injizierte mir
ein halbes Pfund Ziegenkäse und einen kinderfaustgroßen Block Schafsbrie
direkt in die Vene. Das High danach kannte ich nur aus der Beobachtung am
Kottbusser Tor.
Bis meine Prio-Gruppe dran ist, werde ich dennoch zumindest auf Kuhmilch
verzichten – sicher ist sicher, und auch die Umwelt atmet auf. Worüber ich
aber nicht nachdenken möchte, ist, wie man eigentlich die Milch aus diesen
süßen wollweißen Schwänli- und Bärli-Geißleins bekommt – ob das wirklich
die tierfreundlichere Methode? Ihre Euter sind doch so klein.
5 Feb 2021
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## AUTOREN
DIR Jenni Zylka
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