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       # taz.de -- Überall in Berlin nur lahmes WLAN: Besser technisch aufrüsten
       
       > Im Shutdown sitzen die Berliner:innen alle zuhause. Und sind online.
       > Das macht das WLAN lahm. Kann man dagegen etwas tun? Und ob. Eine
       > Anleitung.
       
   IMG Bild: Wir sind von WLAN umzingelt. Nur haut es damit oft genug nicht hin …
       
       Berlin taz | Dieses Ärgernis erleiden gerade viele alltäglich: Da ist der
       Ton bei der Videokonferenz mit den Arbeitskolleg:innen verzerrt oder
       die Zoom-Sitzung bricht ganz ab. Schulkinder verzweifeln vor ihrem
       Computer, wenn sie denn einen haben. Und abends ist der gestreamte
       Spielfilm unscharf oder startet gar nicht erst … Das war doch vor der
       Pandemie nicht so. Oder?
       
       Na ja, das stimmt so nicht ganz. Zumindest aus eigenem Erleben kann
       berichtet werden, dass das WLAN daheim immer dann schwächer wurde, je mehr
       Mietparteien in unserem Gründerzeithaus zu Hause waren. Waren viele
       Nachbarn unterwegs in der Stadt und eben nicht zu Hause und damit auch
       nicht online, war alles gut mit meinem WLAN.
       
       Aber jetzt hocken wir alle immer daheim. Und sind dabei quasi ständig
       WLAN-mäßig im Netz unterwegs. Doch mit WLAN ist es wie mit einem Pool mit
       begrenzten Maßen: Je mehr Leute da hineinspringen, desto weniger Platz ist
       darin. Wenn immer mehr Menschen an einem Ort, einem Mietshaus etwa, das
       WLAN nutzen, schwächt das die Leistung.
       
       Aber stimmt das auch? Ja, sagt jemand vom Fach, Michael Reifenberg,
       [1][Pressesprecher der Bundesnetzagentur], die für alle Netze zuständig
       ist, für Elektrizität, Gas, Post und Eisenbahnen und eben auch
       Telekommunikation.
       
       „Eine abnehmende Verfügbarkeit von WLAN-Signalen bei zunehmender Anzahl
       beziehungsweise zunehmender Dichte von WLAN-Geräten beruht auf
       physikalisch-funktechnischen Gesetzmäßigkeiten“, erklärt Reifenberg. „Das
       zur breitbandigen Datenübertragung zu Verfügung stehende Frequenzspektrum
       beziehungsweise die Bandbreite der darin genutzten Kanäle teilen sich die
       jeweiligen Nutzer. Mit steigender Anzahl von Nutzern im gegenseitigen
       Einflussbereich steht für einen einzelnen Nutzer weniger Spektrum zu
       Verfügung, was zu einer Verringerung der individuellen Geschwindigkeit und
       der Datenübertragungsrate führen kann, in Extremfällen auch zu
       Unterbrechungen.“
       
       Schritte für mehr WLAN 
       
       Kann man da gar nichts machen? Doch. Ein erster Schritt wäre, den Router –
       der bei den meisten Leuten im Flur steht – näher an den Endgeräten zu
       installieren und etwaige dicke Mauern (womöglich mit Stahlbeton) zu
       umgehen. Der Router sollte einem Update unterzogen werden, wenn das eh
       nicht automatisch vonstatten geht. Vielleicht ist es gut, sich sogar einen
       neuen anzuschaffen, rät der Fachmann, ein altes Gerät verlangsamt mitunter
       das WLAN. Ratsam ist auch, nicht immer mit allen dafür vorgesehen
       Endgeräten im WLAN zu sein, sondern diese einfach auszuschalten.
       
       Seinen Vertrag zu überprüfen ist eine andere gute Idee: Alte Verträge mit
       zu wenig Mbit/s (zum Beispiel 50 Mbit/s), also zu geringer
       Datenübertragungsrate, sollte man kündigen. Denn bei neuen Verträgen
       bekommt man oft mehr Leistung (100 Mbit/s) für mitunter weniger Geld.
       
       Und natürlich lässt sich technisch aufrüsten. Ich hab’s probiert – es hat
       geklappt. Ganz einfach und relativ günstig ist eine sogenannte
       [2][Powerline] (etwa 60 bis 80 Euro). Die kleinen Geräte kommen in die
       Steckdose und verstärken, einfach gesagt, die Leistung der Datenübertragung
       im lokalen Netzwerk übers Stromnetz im Haus, quasi vom Router im Flur zum
       Endgerät im Wohnzimmer.
       
       Die nächste Stufe kann ein [3][Mesh-Repeeter] (Preisspanne 70 bis 700 Euro)
       sein. Pro Wohnung (oder eben Stockwerk im Eigenheim) reicht ein Gerät, das
       das Sendesignal erheblich verstärken kann.
       
       Und wenn das alles nicht hilft, ist es vielleicht Zeit, ganz umzusteigen:
       auf einen mobilen Hotspot. Damit geht man mobil über LTE online, wie beim
       Smartphone auch. Der nigelnagelneue Mobilfunkrouter zu Hause bei mir
       funktioniert übrigens bestens. Streamen geht besser denn je.
       
       Also einfach mal ausprobieren. Oder wie es Michael Reifenberg formuliert:
       „Versuch macht klug.“ Es kommt halt auf den Einzelfall an.
       
       4 Feb 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Vportal/DigialtesTelekommunikation/Funktechnik/PMD/start.html
   DIR [2] https://de.wikipedia.org/wiki/PowerLAN
   DIR [3] https://www.vergleich.org/wlan-repeater/?msclkid=d327713fd38b158242c4112517dd8ac4
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Hergeth
       
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