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       # taz.de -- Festnahme des Kremlkritikers Nawalny: Drehbuch des Geheimdienstes
       
       > Die Festnahme Alexei Nawalnys zeigt die Angst der russischen Regierung
       > vor dem Einfluss des prominenten Kritikers auf die Bevölkerung.
       
   IMG Bild: Erst zur Passkontrolle, dann in Haft: Alexei Nawalny
       
       Erbärmlich und entlarvend: Nichts anderes war [1][die Vorstellung, die am
       Sonntagabend in Moskau über die Bühne ging]. Der Kremlkritiker Alexei
       Nawalny wird nach seiner Rückkehr aus Deutschland schon an der
       Passkontrolle auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo festgenommen. Das
       Szenario war vorab angekündigt worden und folgte dem Drehbuch der föderalen
       Behörde für Strafvollzug (FSIN): Nawalnys Bewährung wegen Verstoßes gegen
       Auflagen rückwirkend in eine dreieinhalbjährige Gefängnisstrafe umzuwandeln
       – ein Vorhaben, das selbst nach russischen Gesetzen juristisch fragwürdig
       ist.
       
       Auch das Vorspiel war aufschlussreich. Ein von Sicherheitskräften
       regelrecht belagerter Flughafen Wnukowo, gesperrte Zufahrtsstraßen,
       dutzende Festnahmen und eine Umleitung der Maschine aus „technischen
       Gründen“ – ein vornehme Umschreibung, um brachial gegen die Opposition
       vorzugehen. Das alles ist erstaunlich viel Aufhebens um einen angeblich
       politischen Niemand, den der [2][Geheimdienst FSB,] um mit Präsident
       Wladimir Putin zu sprechen, mühelos hätte ins Jenseits befördern können, so
       er denn willens gewesen wäre.
       
       Die vermeintliche Demonstration der Stärke lässt tief blicken und zeigt vor
       allem eins: [3][Im Kreml geht offensichtlich die Angst um] und das aus
       gutem Grund. Denn selbst wenn Nawalny auf Jahre hinter Gittern verschwinden
       sollte, wäre das „Problem“ für Russlands Regierung, auch im Hinblick auf
       die Duma-Wahlen im September, mitnichten aus der Welt geschafft. Im
       Gegenteil: Angesichts eines wachsenden Unmuts in der Bevölkerung auch
       aufgrund einer zusehends angespannten Wirtschaftslage könnte das harte
       Vorgehen gegen Nawalny und dessen Mitstreiter*innen diesen sogar noch
       Auftrieb geben.
       
       Die drei baltischen Staaten Lettland, Litauen und Estland haben jetzt die
       EU in einer gemeinsamen Erklärung zu einer deutlichen Reaktion an die
       Adresse Moskaus aufgefordert. Gerade diese Stimmen sollten in Brüssel ernst
       genommen werden. Alles andere bedeutete einen weiteren Verlust an
       Glaubwürdigkeit und wäre um keinen Deut besser als das, was am Sonntag in
       Moskau geschehen ist.
       
       18 Jan 2021
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Barbara Oertel
       
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