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       # taz.de -- Rechtsextreme Anschlagsserie in Neukölln: Neonazi kommt frei
       
       > Sebastian T., Verdächtiger der Neuköllner Anschlagsserie, wird aus der
       > U-Haft entlassen. Die Opfer der Anschläge sind bestürzt.
       
   IMG Bild: Die Hauptverdächtigen der Anschlagsserie in Neukölln bei einem Gerichtstermin im August 2020
       
       Berlin taz | Auch der zweite der beiden Hauptverdächtigen der
       rechtsextremen Neuköllner Anschlagsserie ist wieder auf freiem Fuß. Das gab
       die [1][Generalstaatsanwaltschaft Berlin] am Freitagmittag auf Twitter
       bekannt. Das Landgericht sei der Beschwerde gegen die Haftverschonung des
       Beschuldigten Sebastian T. nicht gefolgt.
       
       Gegen die Entscheidung kündigte die Generalstaatsanwaltschaft eine weitere
       Beschwerde beim Kammergericht an. Über eine Beschwerde gegen die
       Haftverschonung des anderen Verdächtigen Thilo P. hat das Gericht noch
       nicht entschieden. Die Vorbereitung einer Anklage sollte aber weiter
       laufen.
       
       T. und P. sind die Hauptverdächtigen in einer seit 2016 andauernden
       Anschlagsserie mit mehr als 70 Anschlägen auf Menschen, die sich gegen
       Rechts engagieren. Kurz vor Weihnachten wurden sie nach lange erfolglosen
       Ermittlungen wegen dringenden Tatverdachts festgenommen. Während P. sofort
       wieder entlassen wurde, war T. seither in Untersuchungshaft.
       
       Betroffene der Anschläge reagierten auf die Freilassung mit Bestürzung. Der
       linke Kommunalpolitiker Ferat Kocak sagte: „Wir stehen in der Schusslinie
       und fühlen uns gefährdet. T. steht jetzt wütend auf der Straße. Für uns ist
       entscheidend, dass wir geschützt und Sicherheitsmaßnahmen erhöht werden.“
       
       Darüber hinaus war der Beschuldigte P. laut einem [2][Tagesspiegel-Bericht]
       offenbar innerhalb der AfD Neukölln Obmann des rechtsextremen AfD-Flügels.
       Das sei in einem diese Woche vom [3][Verfassungsschutz an die AfD
       durchgestochenen Bericht] allerdings verschwiegen worden. „Das ist ein
       Skandal im Skandal“, sagt Kocak dazu, „es zeigt einmal mehr, dass wir einen
       Untersuchungsausschuss brauchen, um die immer wieder auftretenden Probleme
       in den Behörden aufzuklären.“
       
       Die [4][Ermittlungen zur Anschlagsserie] wurden begleitet von vielen
       fragwürdigen Umständen und Versäumnissen. So wurde unter anderem Kocak
       nicht vor dem Anschlag auf sein Auto gewarnt, obwohl der Verfassungsschutz
       durch Observationen Erkenntnisse über eine unmittelbar bevorstehende
       Bedrohung hatte.
       
       ## Anschlag auf Bektaş-Denkmal
       
       Zudem dauert die Anschlagsserie offenbar an: In der Nacht zum Freitag gab
       es in Neukölln einen Farbanschlag auf das Denkmal an den 2012 mutmaßlich
       durch einen Rechtsextremen ermordeten [5][Burak Bektaş]. Unbekannte haben
       [6][laut Polizei] die Gedenktafel der Skulptur mit weißer Farbe übergossen.
       Ein Eimer und Einweghandschuhe seien sichergestellt worden, der
       Staatsschutz ermittele.
       
       Bektaş wurde nachts zusammen mit seinen Freunden von einem Unbekannten
       überfallen und erschossen. Linke Initiativen gehen davon aus, dass die Tat
       auf einen Rechtsextremen zurückgeht. Der Mord ist bis heute unaufgeklärt.
       
       22 Jan 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://twitter.com/GStABerlin/status/1352573062714175488
   DIR [2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/verdaechtiger-der-anschlagsserie-von-neukoelln-berliner-neonazi-tilo-p-hatte-bezug-zum-fluegel-der-afd/26841112.html
   DIR [3] /AfD-Berlin-und-der-Verfassungsschutz/!5742093
   DIR [4] /Rechter-Terror-in-Berlin-Neukoelln/!t5612550
   DIR [5] /Burak-Bektas/!t5357019
   DIR [6] https://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/pressemitteilung.1043670.php
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Gareth Joswig
       
       ## TAGS
       
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