# taz.de -- Nochpräsident bedrängt Wahlleiter: Trump will Stimmen „finden“
> Ein Telefonat sorgt für Empörung. Trump suggerierte darin, der
> Staatssekretär von Georgia solle Stimmen für ihn „finden“, damit er als
> Sieger dastehe.
IMG Bild: Klammert sich weiter an seine Betrugsvorwürfe: Donald Trump
Atlanta ap | Donald Trump versucht zweieinhalb Wochen vor dem Ende seiner
Amtszeit, weiter mit allen Mitteln das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl
zu kippen. In einem Telefonat drängte er den für Wahlen im US-Staat Georgia
zuständigen Staatssekretär Brad Raffensperger, Stimmen für ihn zu „finden“,
damit am Ende er dort als Sieger dastehe. Die gewählte US-Vizepräsidentin
Kamala Harris warf Trump Machtmissbrauch vor. Auch zahlreiche andere
Demokraten – und einige Republikaner – verurteilten das Vorgehen des
Präsidenten.
Über das Telefonat zwischen Trump und Raffensperger, einem Republikaner,
[1][hatte zuerst die Washington Post berichtet]. „Alles, was ich tun will,
ist dies. Ich will nur 11.780 Stimmen finden, was eine mehr ist, als was
wir haben. Weil wir den Staat gewonnen haben“, sagte Trump in der Aufnahme,
die der Nachrichtenagentur AP in voller Länge vorlag.
Das Gespräch werfe Fragen auf, ob Trump gegen Wahlgesetze verstoßen habe,
sagte Rebecca Green von der William and Mary Law School. Carl Tobias,
Juraprofessor an der Universität von Richmond, sagte, Trump habe
„verwerfliches und potenziell illegales Verhalten“ an den Tag gelegt.
Laut dem zertifizierten Wahlergebnis aus Georgia hat Biden dort am 3.
November mit einem knappen Vorsprung von 11.779 Stimmen gewonnen. Die
Stimmen wurden zweimal nachgezählt, einmal auf Trumps Verlangen. Mehrere
Klagen des Trump-Lagers gegen den Wahlausgang scheiterten. Raffensperger
sagte in dem Telefonat am Samstag, bereits vor Gericht habe die Wahlleitung
auf die Vorwürfe reagiert. „Wir stimmen nicht überein, dass sie gewonnen
haben.“
## Vorwürfe, die längst entkräftet sind
Trump brachte in dem einstündigen Telefonat eine Reihe schon [2][bekannter
und bereits entkräfteter Vorwürfe vor], etwa, dass Hunderttausende
Stimmzettel plötzlich im Bezirk Fulton County aufgetaucht seien und seinem
demokratischen Rivalen Joe Biden zum Sieg verholfen hätten. Tatsächlich
wurden nur Briefwahlstimmen, die eher zu Biden tendierten, später gezählt.
Trump drohte Raffensperger und dessen Anwalt Ryan Germany zudem mit
strafrechtlichen Konsequenzen, wenn sie nicht bestätigten, dass Tausende
Stimmzettel aus dem Bezirk Fulton County vernichtet worden seien. Es gibt
keinerlei Hinweise, die belegen würden, dass das passiert ist. „Das ist
eine Straftat. Und Sie können das nicht passieren lassen“, sagte Trump den
beiden. Ebenfalls in der Telefonkonferenz waren Trumps Stabschef Mark
Meadows und mehrere Trump-Anwälte, darunter Cleta Mitchell. „Er hat keine
Ahnung“, schrieb Trump anschließend auf Twitter über Raffensperger. Dieser
sei „nicht willens oder nicht in der Lage“, Fragen über Unregelmäßigkeiten
bei der Wahl zu beantworten.
4 Jan 2021
## LINKS
DIR [1] https://www.washingtonpost.com/politics/trump-raffensperger-call-georgia-vote/2021/01/03/d45acb92-4dc4-11eb-bda4-615aaefd0555_story.html?itid=hp-top-table-main
DIR [2] /Ausgang-der-US-Wahlen/!5737685
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