# taz.de -- Spahns Corona-Impfverordnung: Priorisierung ist Scheindebatte
> Die Impfungen beginnen mit den über 80-Jährigen und in Pflegeheimen.
> Richtig so, denn nur darauf kommt es an.
IMG Bild: Wer bekommt sie als Erstes? Eine Impfspritze bei einem Probelauf im Impfzentrum Bamberg
Eins zu eins ist Jens Spahn den [1][Empfehlungen der Ständigen
Impfkommission (Stiko)] nicht gefolgt. In seiner Verordnung, die der
Gesundheitsminister am Freitag vorgestellt hat, sind bei der Frage der
Reihenfolge nur drei Gruppen aufgeführt. Die Stiko hatte fünf Kategorien
vorgeschlagen. Niedergelassene Ärzt*innen, Lehrer*innen, Feuerwehr und die
Polizei werden erst in der letzten Gruppe genannt, Beschäftigte im
Einzelhandel sollen gar nicht priorisiert werden. Worin Einigkeit herrscht:
Menschen ab 80 Jahren sollen die [2][Corona-Impfung], die voraussichtlich
am 27. Dezember beginnt, zuerst bekommen. Und ganz allein darauf kommt es
an.
Der alles entscheidende Risikofaktor für eine schwere Covid-19-Erkrankung
ist das Alter. Hochaltrige erkranken nicht nur schwerer. Jeder Zweite, der
derzeit mit oder an Covid-19 stirbt, ist über 80. Und viele von ihnen
sterben in Pflegeheimen. Sie gilt es in dieser schlimmsten Phase der
Pandemie daher am meisten zu schützen. Dass auch das Personal in
Krankenhäusern und das Pflegepersonal in Altenheimen zu dieser ersten
Gruppe zählen, versteht sich damit von selbst. Sie sind am meisten dem
Risiko ausgesetzt, sich mit dem Virus anzustecken oder es an die
Hochbetagten weiterzugeben.
Sicherlich lässt sich darüber streiten, ob an zweiter und dritter Stelle
nicht auch Lehrer*innen und Polizist*innen dazu gehören, Berufsgruppen
also, die ebenfalls mit vielen Leuten in Kontakt sind und für die
Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung wichtig sind. Aber auch das hat
Spahn richtig erkannt: Die Priorisierung sollte simpel und nachvollziehbar
bleiben. Sonst fängt überall das Geschacher an.
Was derzeit überhaupt keinen Sinn ergibt: die Forderung, auch Kinder
prioritär zu impfen. Abgesehen davon, dass die beiden derzeit gehandelten
Impfstoffe von Biontech und Moderna bei Kindern noch gar nicht getestet
wurde – Kinder tragen zur Verbreitung des Virus bei. Für sie ist Covid-19
aber nicht viel schlimmer als eine Erkältung, schwere Fälle sind selten.
Die Frage der weiteren Priorisierung stellt sich eh erst mal nicht. Stand
heute stehen Deutschland im ersten Quartal zwischen 11 und 13 Millionen
Impfstoffdosen zur Verfügung. Da für eine Immunität bei jeder Person zwei
Dosen benötigt werden, können bis März zwischen 5,5 und 6,5 Millionen
Bundesbürger geimpft sein. Die Zahl der über 80-Jährigen liegt aber schon
bei 5,7 Millionen, hinzu kommt das Pflege- und medizinische Personal. Damit
dürfte das Kontingent zunächst einmal verbraucht sein.
Zugleich stehen die Chancen gut, dass im Laufe des ersten Quartal weitere
Impfstoffe eine Zulassung erhalten. Dann würde die Frage, wer als Nächstes
zum Zuge kommt, zwar wieder aktuell werden. Aber nur für kurze Zeit.
Insbesondere mit der Zulassung des Impfstoffs von AstraZeneca, der anders
als der von Biontech auch von jedem Hausarzt verabreicht werden kann,
würden auf einen Schlag viele Millionen Dosen hinzukommen. Jeder, der will,
dürfte wahrscheinlich bis zum Sommer eine Impfung erhalten.
Um die Pandemie zu beenden, müssen rund 60 Prozent der Bevölkerung immun
sein. Aktuellen Umfragen zufolge liegt die Impfbereitschaft aber nur bei
rund 50 Prozent. Nicht zu wenig Impfstoff wird dann das Problem sein,
sondern zu wenig Impfwillige.
18 Dec 2020
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## AUTOREN
DIR Felix Lee
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