# taz.de -- „Grüner Knopf“ für faire Produktion: Zweifel am Textilsiegel
> Firmen, die das Grüner-Knopf-Gütezeichen nutzen, würden mangelhaft
> berichten, erklären Kritiker:innen. Das Entwicklungsministerium weist das
> zurück.
IMG Bild: Sind die Produktionsbedingungen fair? Ein Mann färbt Kleider in einer Fabrik in Bangladesh
Berlin taz | Das staatliche Textilsiegel [1][Grüner Knopf] soll die
Arbeits- und Umweltbedingungen in ausländischen Zuliefererfabriken hiesiger
Firmen auf ein gutes Niveau bringen. Ob das funktioniere, sei jedoch
fraglich, erklärten die Organisationen Femnet und Public Eye.
[2][Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU)], der das Zertifikat vor gut
einem Jahr ins Leben rief, wies die Kritik zurück.
Bisher haben das Siegel 59 Textilproduzenten und Händler bekommen, unter
anderen Aldi, Jack Wolfskin, Rewe, Tchibo und Vaude. Um den Grünen Knopf
nutzen zu dürfen, müssen die Unternehmen 46 Kriterien erfüllen, die die
soziale und ökologische Qualität der Produktion in Entwicklungs- und
Schwellenländern belegen. „Die öffentliche Berichterstattung vieler Firmen
ist unzureichend“, kritisierte jedoch Femnet-Chefin Gisela Burckhardt. Man
habe die Berichte von 31 Grüner-Knopf-Unternehmen untersucht. Die meisten
enthielten nur „wenig aussagekräftige Informationen“ darüber, wie die
Menschenrechte gewährleistet würden.
Von den 31 Firmen würden sich nur 8 eingehend mit Risiken beschäftigen, die
ihre Einkaufspolitik auslösen könnte. Damit ist etwa gemeint, dass die
Produzenten keine ausreichenden Löhne zahlen, wenn Händler die
Einkaufspreise drücken. Nur 2 Unternehmen berichteten aussagekräftig über
zu niedrige Löhne, 3 über geschlechtsspezifische Gewalt, 2 über mangelnde
Betätigungsmöglichkeiten von Gewerkschaften. So steht die Frage im Raum, ob
die schlechten Berichte auf mangelnde Anstrengungen der Firmen in der
Praxis hindeuten.
Dieser Rückschluss sei unzulässig, erklärte ein Sprecher des
Entwicklungsministeriums (BMZ): „Die Schlussfolgerungen der Studie sind
methodologisch fragwürdig. Sie bezieht sich nur auf die öffentliche
Berichterstattung von Unternehmen.“ Unabhängige Prüfer:innen würden genau
kontrollieren, ob Firmen die Kriterien des Zertifikats einhalten. Fazit des
Ministeriums: Die Praxis der Unternehmen sei besser als ihr Berichtswesen.
Vergangene Woche hat mit dem dänischen Bettwäschehersteller Beirholm
Væverier [3][erstmals ein ausländisches Unternehmen den Grünen Knopf]
erhalten.
10 Jan 2021
## LINKS
DIR [1] /Gruener-Knopf-Siegel-fuer-faire-Bekleidung/!5624202
DIR [2] /Entwicklungsminister-ueber-faire-Kleidung/!5615790
DIR [3] https://www.bmz.de/de/presse/aktuelleMeldungen/2021/januar/210107_Minister-Mueller-begruesst-erste-Gruener-Knopf-Zertifizierung-im-Ausland/index.html
## AUTOREN
DIR Hannes Koch
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