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       # taz.de -- Trumps letzte Tage im Amt: Der Putschversuch ist nicht vorbei
       
       > Nach vier Jahren Hetze ist die Büchse der Pandora geöffnet. Die
       > Leichtigkeit, mit der das Kapitol erstürmt werden konnte, hat die
       > Putschisten ermutigt.
       
   IMG Bild: Die Leichtigkeit, mit der die Rechtsextremen ins Kapitol eindringen konnten, hat sie ermutigt
       
       Der US-Präsident Donald Trump könnte zurücktreten – sollte er darin einen
       Vorteil für sich erkennen. Er könnte wegen seiner offensichtlichen
       Untauglichkeit für das Amt abgesetzt werden – sollten Vizepräsident Mike
       Pence und andere verbleibende Regierungsmitglieder doch noch zu dieser
       späten Einsicht kommen und entsprechend handeln. Er könnte zum zweiten Mal
       vom Repräsentantenhaus angeklagt – [1][impeached] – werden. Oder er könnte
       irgendwo im Weißen Haus – ohne Telefon, Internet und andere
       Kommunikationsmöglichkeiten – eingesperrt werden.
       
       Jede einzelne dieser Möglichkeiten wäre besser als Abwarten, Zittern und
       Hoffen. Aber keine einzige dieser Maßnahmen und nicht einmal alle zusammen
       können grundsätzlich etwas daran ändern, dass die verbleibenden neun Tage
       bis zur geplanten Amtsübergabe an den gewählten Präsidenten Joe Biden eine
       Zeit maximaler Risiken bleiben. In Gefahr sind einzelne Personen wie die
       beiden frisch gewählten demokratischen Senatoren aus Georgia ebenso wie die
       verfassungsmäßige Ordnung in den USA in Gestalt der Inauguration am 20.
       Januar und der Frieden in der Welt. Denn zum Beispiel im Iran lancieren die
       USA derzeit eine Provokation nach der anderen.
       
       Nach vier Jahren [2][tagtäglicher Lügen, Hetze, Aushöhlungen des
       Rechtsstaats, Lobliedern auf die „schweigende Mehrheit“] und nach
       unzähligen kleinen und großen Machtproben auf den Straßen an den
       verschiedensten Orten der USA ist die Büchse der Pandora jetzt weit
       geöffnet. Der 6. Januar – an dem gleichzeitig ein Sturm auf den US-Kongress
       sowie auf andere gewählte Institutionen in den Bundesstaaten der USA
       stattfand – hat gezeigt, wie selbstbewusst die putschistischen Kräfte in
       den USA geworden sind. Die Leichtigkeit, mit der sie ihre illegalen
       Aktionen durchführen konnten, hat sie zu mehr ermutigt und ermuntert. Das
       achselzuckend signalisierte Verständnis in weiten Teilen der amerikanischen
       Bevölkerung hat ihnen zusätzlich den Rücken gestärkt.
       
       Die Stürmer vom 6. Januar waren nicht naiv. Und sie sind nicht in etwas
       hineingeschlittert oder hineingeschickt worden, das sie nicht überblicken
       konnten. Sie waren vorbereitet und sie brachten ihre Symbole mit. Sie
       trugen die Kreuze und Jesus-Zeichen der [3][evangelikalen Fundamentalisten]
       und die Konföderiertenfahnen des vor 156 Jahren abgeschafften
       Sklavenhalterregimes in den US-Kongress. Und sie wussten, dass sie im
       Inneren seiner beiden Kammern Dutzende von politischen Unterstützern haben.
       
       Der Putschversuch in den USA ist keine in der Vergangenheit abgeschlossene
       Sache. Er ist ein laufender Prozess. Der Ausgang ist offen.
       
       11 Jan 2021
       
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