URI:
       # taz.de -- „Goldene Kartoffel“ für „Spiegel TV“: Negativpreis für „Clan“-Dokus
       
       > Die Neuen deutschen Medienmacher*innen verleihen ihren Negativpreis an
       > „Spiegel TV“. Kritisiert wird eine „verzerrte Berichterstattung“.
       
   IMG Bild: Die zweiteilige Doku „Die Macht der Clans“ sendete „Spiegel TV“ im Oktober
       
       Berlin taz | Der Medien-Negativpreis „Goldene Kartoffel“ geht in diesem
       Jahr an „Spiegel TV“. Die Organisation Neue deutsche Medienmacher*innen
       verleiht ihren Preis für „unterirdische Berichterstattung“ an das Magazin
       für dessen Berichterstattung über [1][sogenannte „Clan-Kriminalität“], wie
       sie am Mittwoch bekanntgegeben hat.
       
       Zur Begründung hieß es: „Die Berichterstattung über organisierte
       Kriminalität in deutschen Medien und insbesondere bei ‚Spiegel TV‘ ist
       unterm Strich verzerrt, stigmatisierend und rassistisch.“ Der fast
       ausschließliche Fokus auf „Clans“ erwecke den Anschein, mafiöse
       Vereinigungen in Deutschland seien vornehmlich arabische Familien oder
       [2][Rom*nja]. Das BKA ordnet aber nur etwa 8 Prozent der Verfahren zur
       organisierten Kriminalität der sogenannten Clan-Kriminalität zu. Andere
       Formen der organisierten Kriminalität würden in den Medien jedoch deutlich
       seltener thematisiert.
       
       „Spiegel TV“ ist ein Fernsehmagazin des Spiegel-Verlags, das Montagabend
       auf dem Privatsender RTL ausgestrahlt wird. Zuletzt hatte die Sendung
       häufiger das Thema Clan-Kriminalität aufgegriffen, etwa mit der
       zweiteiligen Dokumentation [3][“Die Macht der Clans“] im Oktober.
       
       [4][Das Magazin werde stellvertretend für weitere Medien prämiert], aber
       seine Berichterstattung sei auch „stilprägend für das Genre der
       reißerischen ‚Clan-Reportage‘“, heißt es weiter in der Begründung. „Folgt
       man der Berichterstattung von ‚Spiegel TV‘, versinkt Deutschland in
       Kriminalität, beherrschen ‚Clans‘ ganze Städte und ein schwacher Staat ist
       dieser Entwicklung hilflos ausgeliefer.t. Zudem würden in der
       Berichterstattung Aussagen von Polizist*innen unkritisch übernommen, und
       die Arbeit der Sicherheitsbehörden werde distanzlos begleitet.
       
       ## Dritter Preisträger
       
       Die Organisation fügt hinzu, natürlich müsse über organisierte Kriminalität
       berichtet werden. „Nur muss die Berichterstattung – wie in allen Bereichen
       – auch hier sachlich, kritisch und faktenreich sein“. Die Reportagen über
       arabische oder Rom*nja-„Clans“ würden dem oft nicht gerecht.
       
       Neue deutsche Medienmacher*innen ist ein Netzwerk aus deutschen
       Journalist*innen mit Migrationsgeschichte. Seit 2018 verleiht die
       Organisation jährlich den Negativpreis „Goldene Kartoffel“.
       Preisträger*innen waren bisher Bild-Chefredkateur Julian Reichelt und im
       vergangenen Jahr [5][die öffentlich-rechtlichen Talkshows „Hart aber fair“,
       „Maischberger“, „Anne Will“ und „Maybrit Illner“]. Letztere wies den Preis
       zurück, die Redaktion von „hart aber fair“ nahm ihn jedoch entgegen und
       erklärte, man werde „schauen, was wir daraus lernen können“. Die
       Medienmacher*innen hatten unter anderem diskriminierende Berichterstattung
       und ein „verzerrtes Bild vom Zusammenleben im Einwanderungsland
       Deutschland“ bei den Shows kritisiert.
       
       9 Dec 2020
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Sogenannte-Clan-Kriminalitaet/!5710348
   DIR [2] /Filme-ueber-und-von-Sintizze-und-Romnja/!5729795
   DIR [3] https://www.spiegel.de/panorama/justiz/spiegel-tv-vom-05-10-2020-die-macht-der-clans-a-8acfa3e7-2037-436f-890c-adc1decd4777
   DIR [4] https://www.neuemedienmacher.de/goldene-kartoffel-2020/
   DIR [5] /Preis-fuer-diskriminierenden-Journalismus/!5637204
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Peter Weissenburger
       
       ## TAGS
       
   DIR Medienkritik
   DIR Neue deutsche Medienmacher
   DIR Clans
   DIR Identitätspolitik
   DIR Mordfall Peggy K.
   DIR Schwerpunkt Rassismus
   DIR Clans
   DIR Öffentlich-Rechtliche
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Debatte um Identitätspolitik: Deal with it
       
       „Bürgerliche Medien“ bekommen wegen deren Debatte zur Identitätspolitik den
       Negativpreis „Goldene Kartoffel“ – auch die taz.
       
   DIR ZDF-Serie über den Fall Peggy K: Kaum tragischer als die Realität
       
       Wenn reale Gewalttaten verfilmt werden, ist viel Pietät gefordert. Der
       neuen ZDF-Doku „Höllental“ über den Kindsmord an Peggy Knobloch gelingt
       das.
       
   DIR Razzia nach Raub im Grünen Gewölbe: Prioritätsstufe: Araber
       
       1.638 Polizist:innen machen in Berlin Razzien wegen ein paar geklauter
       Klunker. Mehr muss man über die Prioritäten der Exekutive nicht wissen.
       
   DIR Sogenannte Clan-Kriminalität: 213 Tatverdächtige in Berlin
       
       Wer zu vermeintlich kriminellen Clans gezählt wird, unterscheidet sich
       stark von Bundesland zu Bundesland. Und die Kategorien sind höchst
       umstritten.
       
   DIR Preis für diskriminierenden Journalismus: „Goldene Kartoffel“ für Talkshows
       
       Politische Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen sind häufig diskriminierend
       und wenig divers. Dafür haben sie nun einen Preis erhalten.