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       # taz.de -- Hoffnungen zum Neujahr: 2021 wird nicht alles besser
       
       > Auch in diesem Jahr wird es wieder viele Menschen hart treffen. Es ist
       > besser, wir stellen uns darauf ein, als grundlos optimistisch zu sein.
       
   IMG Bild: Eine Neujahrsfeiernde in Mexico City: Ob 2021 so ein happy new year wird, das werden wir sehen
       
       Im Jahr 2021, so schwören viele, werden wir wieder so richtig Gas geben.
       Alles wird seit dem 1. Januar sofort wahnsinnig schön. Aber wird es das
       wirklich?
       
       Gar nichts wird schön, um hier gleich mal allzu überzogene Erwartungen mit
       dem Kopfkissen der Vernunft zu ersticken. Der Karren, den wir über Jahre
       hinweg in den Dreck gefahren haben, wo er 2020 endgültig stecken geblieben
       ist, wird sich 2021 keinen Millimeter rühren. Wieder wird das Jahr zu warm
       und zu trocken. Woanders dann zu nass und zu windig. Zu kalt eher nirgends.
       Unter dem Motto „Permafrost ist Spermarost“ werden uns in diesem Jahr noch
       mehr toxische Banditen an der Spitze von noch mehr Ländern den Erdball
       unterm Arsch anzünden.
       
       Kriege, Hunger, Heuschrecken. Wieder wird es viele Menschen hart treffen.
       Daniel Kehlmann wird erneut auf den einen oder anderen Restaurantbesuch
       verzichten müssen, [1][und in den griechischen Schreckenslagern werden die
       Babys der Geflüchteten weiterhin im Schlaf von Ratten gebissen]. Schon
       irgendwie blöd, aber leider kann man ja dagegen so rein gar nichts machen.
       Europa ist nun mal sehr arm, vor allem Deutschland, und ein Lieferservice
       ist kein vollwertiger Ersatz: Das Entrecôte wird zäh, wenn man es zu Hause
       noch mal aufwärmt, der Spargel verliert Aroma, und nur der Schampus
       sprudelt ungemindert aus der Flasche.
       
       ## Menschenfreundliche Wahrheit statt grausame Lüge
       
       Manche mögen denken, hier wolle jetzt einer aus reiner Bosheit die Stimmung
       vermiesen, doch ganz im Gegenteil. Ich will nur helfen. Denn grundloser
       Optimismus ist wohl die Lebenseinstellung, die der bei einer
       Alkoholkrankheit am ähnlichsten ist: ein fataler, selbstzerstörerischer
       Irrweg. Gerade bei unangenehmen Dingen ist es einfach besser, man weiß, was
       einen erwartet: Kommt die Kiste noch mal durch den TÜV? Wie viele Folgen
       hat eine Staffel von „Bridgerton“? Herr Doktor, wie lange werde ich noch
       leben?
       
       Wie menschenfreundlich kann die Wahrheit sein und wie grausam hingegen die
       Lüge. Wenn wir uns vormachen, [2][die Pandemie sei spätestens im kommenden
       Sommer besiegt], wird die Enttäuschung uns endgültig den Stecker ziehen.
       
       Es ist klüger, sich die Zukunft wie einen Marathon einzuteilen, damit einem
       nicht nach wenigen Schritten die Puste ausgeht. Besser, wir richten uns
       darauf ein, dass auch 2021 wieder ein rechtes Scheißjahr wird, dem
       unweigerlich noch weitere Scheißjahre folgen werden. Aber zum Glück nicht
       mehr gar so viele, dem Klimawandel sei Dank.
       
       1 Jan 2021
       
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