# taz.de -- Covid-19-Mutation in Großbritannien: Der Ärmelkanal ist abgeriegelt
> Frankreich hat den gesamten Verkehr nach Großbritannien gesperrt. 20
> Prozent des britischen Warentransports von und nach Europa sind
> stillgelegt.
IMG Bild: Wohin jetzt? Die Fahrer*innen können in Dover nicht weiter, doch es gibt nicht genügend Stellplätze
London taz | Seit Sonntag 23 Uhr hat Frankreich sämtlichen Verkehr aus
Großbritannien für 48 Stunden ausgesetzt. Es ist ein schwerwiegender
Extraschritt, um die Verbreitung des neuen, [1][mutmaßlich ansteckenderen
SARS-CoV-2-Stamms] zu stoppen. Die Niederlande und Belgien hatten zuvor
lediglich den privaten Personenverkehr suspendiert, nicht aber den
Güterverkehr.
Damit sind laut Verkehrsminister Grant Shapps etwa 20 Prozent des
britischen Warentransports von und nach Europa stillgelegt. Während die
übrigen 80 Prozent über andere Häfen gehen, oft in Containern ohne
Personenbegleitung, ist nun die Hauptverkehrsstrecke über beziehungsweise
unter dem Ärmelkanal – 10.000 Lastwagen pro Tag zwischen Calais und Dover –
[2][in Richtung Frankreich gesperrt].
In Richtung Großbritannien bleibt sie offen, doch der Einzelhandelsverband
British Retail Consortium glaubt, dass sich Spediteure zurückhalten werden,
wenn unklar ist, ob ein auf die Insel entsandter Lkw wieder zurückkommt.
Rod McKenzie vom Spediteursverband Road Haulage Association hat wenig
Verständnis. Bei der ersten Welle der Pandemie habe sich erwiesen, dass
Lkw-Fahrer*innen sich nur geringfügig infizierten – es gehöre zum Job,
alleine zu arbeiten. Ihm zufolge sind von den Sperrungen vor allem leicht
verderbliche Frischwaren betroffen, auch Fische. Der britische
Lebensmittel- und Getränkeverband sagte, es gebe keinen Anlass zur Panik:
Aufgrund der Weihnachtszeit seien die Lager voll.
## Lkws stauen sich auf Feldern
Am Montag wurde berichtet, Frankreich werde seine Maßnahmen zugunsten einer
europäischen Regelung zurücknehmen, doch vor Ort änderte sich nichts. Im
Laufe des Tages trafen sich sowohl Vertreter*innen der 27 EU-Staaten als
auch der Krisenstab der britischen Regierung. Eine Möglichkeit: Virustests
für alle Lkw-Fahrer*innen. Das EU-Treffen blieb jedoch ohne konkrete
Ergebnisse.
Derweil stauen sich die Brummis in langen Reihen auf beiden Seiten der
Autobahn um Dover und auf Feldern. Der Bau neuer Lkw-Großparkplätze wegen
der ab 2021 fälligen Zollkontrollen wird erst im Februar fertig sein.
McKenzie bezeichnete die Unterbringung als „schlechter als für Tiere“.
Verkehrsminister Shapps hofft, dass es schnell zu einer Lösung kommt, da
viele der Fahrer*innen aus EU-Ländern stammen.
21 Dec 2020
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## AUTOREN
DIR Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
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