# taz.de -- Spaniens Justiz gegen Separatisten: Puigdemonts Anwalt muss vor Gericht
> Dem Anwalt von Carles Puigdemont wird „Geldwäsche“ vorgeworfen. Er
> wittert den Versuch, die Verteidigung des katalanischen Politikers zu
> schwächen.
IMG Bild: „Freiheit für politische Gefangenen“: Befürworter der Katalonischen Unabhängigkeit im Oktober 2020
Madrid taz | Der Anwalt des im belgischen Exil lebenden katalanischen
[1][Ex-Regierungschefs Carles Puigdemont] muss jetzt selbst vor Gericht.
Gonzalo Boye wird vom spanischen Audiencia Nacional, dem Sondergerichtshof
für Terrorismus und organisiertes Verbrechen, vorgeworfen, „kommerzielle
Operationen“ entworfen und „Dokumente mit dem Ziel von Transaktionen
gefertigt“ zu haben.
Damit habe er 889.620 Euro eines Klienten zurückbekommen wollen, die 2017
beim Versuch, sie illegal aus Spanien nach Kolumbien auszuführen,
beschlagnahmt wurden. Es handle sich um Drogengelder, so die Anklageschrift
gegen 45 Beschuldigte aus dem Umfeld der kolumbianischen Drogenmafia.
Boye ist nächsten Mittwoch geladen, um die Anklage, die seit Freitagabend
von Spaniens Presse breitgetreten wird, entgegenzunehmen. Am 4. Januar soll
er wegen „Geldwäsche“ vernommen werden, obwohl das fragliche Geld bis heute
bei Gericht liegt. Boye erklärte, sein Mandant habe zwar versucht, das Geld
am Finanzamt vorbei außer Landes zu schaffen, doch stamme es aus notariell
beglaubigten Immobiliengeschäften.
Richterin María Tardón stütze sich laut Boye beim Vorwurf der „Geldwäsche“
nur auf die Aussagen eines Drogenkapos. Dieser wurde, nachdem er Boye
beschuldigte, freigelassen, obwohl es Indizien gebe, dass er in Kolumbien
einen Mord in Auftrag gegeben habe. „Es ist völlig unklar, wo er ist.
Kolumbiens Behörden wurden von Spanien weder über Verhaftung noch
Freilassung noch über mögliche Straftaten informiert“, sagt Boye.
## Entscheidungen in Brüssel stehen an
Ziel der Anklage gegen ihn sei, „die Verteidigung von Puigdemont und den
anderen exilierten katalanischen Politikern zu schwächen“. Boyes Büro wurde
[2][im Oktober 2019 durchsucht], E-Mails und Smartphonespeicherinhalte
kopiert, dabei auch der Schriftwechsel mit Puigdemont. Im Januar und
September 2020 wurde dann bei Boye eingebrochen. „Die Polizei weiß bis
heute nicht, wer dahintersteckt. Alarmanlage und Kameras gingen beide Male
angeblich nicht“, so der Anwalt.
Am 7. Januar wird in Brüssel endgültig über die Auslieferung der im Exil
lebenden katalanischen Politiker wegen „Rebellion“ im Zusammenhang mit der
Durchführung eines Unabhängigkeitsreferendums 2017 entschieden.
Am 14. Januar beginnt das Verfahren im Europaparlament, um zu entscheiden,
ob Puigdemont und zwei weitere katalanische Abgeordnete [3][ihre Immunität
verlieren]. Boye konnte die Auslieferung Puigdemonts und seiner
Weggefährten an Spaniens Behörden bisher verhindern.
20 Dec 2020
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## AUTOREN
DIR Reiner Wandler
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