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       # taz.de -- Black Lives Matter im US-Baseball: Zeit für neue Zahlen
       
       > Die Major League Baseball in den USA wird die Statistiken der sogenannten
       > Negro Leagues anerkennen. Es ist ein später Schritt zur
       > Gleichberechtigung.
       
   IMG Bild: Einer der Besten: Leroy „Satchel“ Paige während eines All Star game 1961 im New York Yankee Stadium
       
       Würde Leroy Robert Paige heute leben und Baseball spielen, er wäre ein
       Superstar. Nicht nur war Paige, den alle nur „Satchel“ nannten, zu seinen
       besten Tagen, damals in den 30er und 40er Jahren, der wohl beste Pitcher,
       den der Sport bis dahin gesehen hatte. Keiner warf den Ball so hart wie er.
       Paige war aber vor allem auch einer, der das Rampenlicht liebte und der für
       seine exzentrische Art von den Massen in den Stadien geliebt wurde.
       
       Er sah gut aus, war eloquent und selbstbewusst bis zur Arroganz. „Ich renne
       nicht so gerne“, sagte er einmal, „ich trainiere, indem ich vorsichtig von
       der Bank aufstehe und mich wieder hinsetze.“ Auch der Regenbogenpresse
       lieferte er verlässlich Stoff: Seine erste Frau überreichte ihm die
       Scheidungspapiere auf dem Spielfeld.
       
       Aber blickt man in die Rekordbücher, könnte man denken, Satchel Paige war
       nur eine Randnotiz in der über anderthalb Jahrhunderte langen Geschichte
       der Major Leagues. In gerade mal 179 Spielen taucht er auf, nur 28 Siege
       hat er auf dem Konto – Zahlen, die manche Spieler in einer einzigen Saison
       schaffen. Die Erklärung ist simpel: Sein Debüt auf der großen Bühne feierte
       Paige mit den Cleveland Indians 1948 im gesegneten Alter von 42 Jahren.
       
       Schuld war die Rassentrennung: [1][Erst ein Jahr zuvor hatte Jackie
       Robinson Geschichte geschrieben], als er als erster Afroamerikaner die zwar
       nicht offizielle, aber bis dahin sehr feste Rassenschranke durchbrochen
       hatte, die damals zwei Major Leagues gezogen hatten.
       
       Rassentrennung im Baseball 
       
       Bevor sie in einer rassistisch aufgeheizten Stimmung in der American und
       der National League, deren Klubbesitzer sich lange gegen die Integration
       gewehrt hatten, auflaufen konnten, hatten Robinson, Paige und Tausende
       andere, die gut genug für die Major Leagues gewesen wären, in den
       sogenannten Negro Leagues gespielt. Dort, glauben manche Experten, war das
       Niveau teils höher als in den offiziellen, nur mit Weißen besetzten Major
       Leagues – auf jeden Fall aber von einigen Ligen aus der Frühzeit des
       professionellen Baseball im 19. Jahrhundert, die ebenfalls als Major
       Leagues anerkannt sind.
       
       Der Unterhaltungswert war oft besser, ein mehrheitlich schwarzes Publikum
       strömte in die Stadien. Heute sind die größten Stars der Negro Leagues
       aufgenommen in die Hall of Fame, die Ehrentafeln von Satchel Paige oder
       Josh Gibson hängen in Cooperstown neben denen von Babe Ruth oder Joe
       DiMaggio.
       
       Die Gleichberechtigung endete aber bislang bei den Statistiken. [2][Und
       Statistiken sind wichtig, sehr wichtig im Baseball,] das wie kein anderer
       Sport davon lebt, dass die Fans Homeruns zählen und Schlagdurchschnitte
       abgleichen. Die Statistiken der Negro Leagues aber wurden von den Major
       Leagues nicht offiziell anerkannt. Diese historische Ungerechtigkeit ist
       seit Mittwoch Geschichte: Da verkündete die MLB, dass sie künftig die
       Statistiken der sieben Negro Leagues von 1920 bis 1948 als gleichberechtigt
       zu denen der American und der National League werten wird. „Alle, die
       Baseball lieben, haben schon lange gewusst, dass die Negro Leagues einige
       der besten Spieler, Innovationen und Triumphe hervorgebracht haben – und
       das trotz aller Ungerechtigkeit“, verkündete MLB-Chef Rob Manfred.
       
       Es ist das Ende eines langen, von Sporthistoriker,
       Gesellschaftswissenschaftler und Aktivisten geführten Kampfes, der mit den
       jüngsten Black-Lives-Matter-Protesten noch einmal Fahrt aufnehmen konnte.
       Wie absurd die Rassentrennung nicht zuletzt aus sportlicher Sicht gewesen
       war, bewiesen Robinson, Paige und andere Pioniere, als sie in den späten
       40ern ihre Kollegen oft noch blasser aussehen ließen, als sie eh schon
       waren.
       
       Selbst Paige in seinem biblischen Alter warf den Ball noch schneller als
       die viel jüngere Konkurrenz. „Er war der beste, gegen den ich je antreten
       musste“, bescheinigte die Legende Joe DiMaggio, „keiner warf so hart.“ Wie
       diese Dominanz sich demnächst in den offiziellen Statistiken ablesen wird,
       ist noch unklar. Denn die Aufzeichnungen aus den Negro Leagues sind oft
       unvollständig. Seit Jahrzehnten wühlen sich Baseball-Verrückte durch die
       staubigen Archive von Lokalzeitungen und Nachlässen, um die Rekordbücher zu
       vervollständigen.
       
       Was das für Satchel Paige bedeutet? Er wird auf jeden Fall mit mehr als nur
       28 siegreich absolvierten Spielen aufgelistet. Aber ob es die 2.000 sein
       werden, die er nach eigener Aussage in seiner Karriere gewonnen hat? Den
       Rekord hält ein gewisser Cy Young, der 511 Siege sammelte von 1890 bis
       1911.
       
       17 Dec 2020
       
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