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       # taz.de -- Schaufensterausstellungen in Berlin: Trägerstoff des Restlichen
       
       > Kunst umsonst und draußen: Der Kunstverein Neukölln zeigt mit
       > „#bisaufweiteres“ Ausstellungen im Fenster zur Straße. Neu dabei ist
       > Birgit Hölmer.
       
   IMG Bild: Können überall auftauchen: Birgit Hölmers „cuts“. Hier: „Cut Temporare Schillingstraße“, 2016
       
       Für die neue Reihe #bisaufweiteres im [1][Kunstverein Neukölln] bespielen
       Künstler*innen in Solo-Schaufensterausstellungen den Raum in der Mainzer
       Straße mit raumgreifenden Installationen. Diese sind so arrangiert, dass
       sie durch die Schaufenster zur Straße zu sehen sind oder diese sogar direkt
       mit einbeziehen. Frisch eröffnet hat gerade [2][„#bisaufweiteres 2: Cut
       Temporare Mainzer 42“] von [3][Birgit Hölmer].
       
       In Hölmers Arbeit verwandeln sich die Scheiben von Guckfenstern zu Trägern.
       Hölmer arbeitet für ihre „cuts“ mit Klebestreifenresten aus einer
       Druckerei, wie sie beim Zuschneiden von Aufklebern entstehen.
       Vernachlässigtes Restliches also, das sonst vom Tisch gefegt wird. Dass
       sich auf den dünnen, langen Streifen aber starke Farben tummeln und Spuren
       grafischer Muster abzeichnen, fängt Hölmer mit ihrem Blick auf und kleidet
       das Material in neuer Erscheinung, indem sie die gesammelten Streifen aus
       dem Stegreif zu unterschiedlichen Formationen komponiert.
       
       Wo die OP art Komplementärkontraste nutzte, um optisches Flimmern und
       3-D-Effekte zu erzeugen, ist es bei Hölmer das oft unsichtbare Glas, das es
       ihren Arrangements ermöglicht, als Zylinderumriss oder in a-geometrischen
       Anordnungen vor dem Auge zu schweben. Das kann beim Vorbeigehen auch schon
       mal den Eindruck zerkratzter Scheiben erwecken oder solcher, die ernsthafte
       Sprünge haben. Anziehend ist es allemal. Und lässig.
       
       Traditionell versieht Hölmer die Fenster leer stehender Ladenlokale in der
       Stadt mit ihren „cuts“, spontan und ohne Vorwarnung. Man kann ihnen also
       zufällig begegnen oder sie später auf [4][birgithoelmer.blogspot.com]
       nachvollziehen. In diesem Archiv urbaner Interventionen finden sich „cuts“
       aus der Bornholmer Straße, der Leipziger Straße und der Hermannstraße oder
       solche, die 2017 am Alexanderturm auf den Scheiben auftauchten.
       
       Für die von Rebekka Liebmann konzipierte Ausstellung im Kunstverein
       hingegen hat Hölmer ganz bewusst den Ruf angenommen, das Glas der
       Vereinsräume planvoll in Bewegung zu versetzen. Glücklicherweise folgt sie
       manchmal solchen Einladungen. Gerade jetzt, wo wir suchend und fragend
       durch die Straßen irren, hilft es zu wissen, an welche Außenfenster wir den
       Blick heften können.
       
       5 Dec 2020
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.kunstverein-neukoelln.de/
   DIR [2] https://www.kunstverein-neukoelln.de/ausstellung/aktuell/
   DIR [3] https://www.instagram.com/birgit_hoelmer/?hl=de
   DIR [4] http://birgithoelmer.blogspot.com/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Noemi Molitor
       
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