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       # taz.de -- Die Wochenvorschau für Berlin: Die Tage werden wieder leise
       
       > Sonst sind die Adventstage ja immer voll mit Terminen, Dates und letzten
       > Besorgungen. Im Coronajahr gilt das nur für die Querdenker.
       
   IMG Bild: Wasserwerfer auf der Bremer Bürgerweise
       
       Es ist aus journalistischer Sicht schon erstaunlich, wie sich die Welt auch
       im 21. Jahrhundert an die christlichen Feiertage hält, um es mal
       vereinfacht zu formulieren. Gemeint ist die Tatsache, dass der
       Nachrichtenfluss an Wochenenden versiegt und auch während der anstehenden
       Weihnachtstage traditionell eher überschaubar ausfällt.
       
       Und man fragt sich als Redakteur schon, ob der Grund dafür nur die eigene
       westlich zentrierte Weltsicht ist? Steckt dahinter der Wunsch, dass auch
       PolitikerInnen, egal ob christlich oder nicht, gerne mal Pause machen?
       
       Sicher ist: Viele Menschen tun etwas dafür, dass es schon Tage vor
       Weihnachten ruhig wird. Sie stürzen sich seit Wochen ins digitale oder auch
       reale Einkaufsgetümmel, damit endlich mal der uralte Vorsatz, die Geschenke
       nicht auf den allerletzten Drücker zu beschaffen, wenigstens in diesem Jahr
       wahr wird. PolitikerInnen wiederum packen sich gerade ihren Terminkalender
       noch mal so richtig voll, damit auch alles rechtzeitig zum Fest
       abgearbeitet ist.
       
       Am Donnerstag steht zum Beispiel die letzte Sitzung des Abgeordnetenhauses
       für dieses Jahr an. Beschlossen werden soll unter anderem der zweite
       Nachtragshaushalt mit weiteren Millionenhilfen zur Bekämpfung der sozialen
       Auswirkungen der Coronapandemie.
       
       Prall gefüllt ist auch die Tagesordnung des Innenausschusses am heutigen
       Montag. Zum einen wird wieder mal diskutiert über die Lage in der Rigaer
       Straße in Friedrichshain – ein Thema, das die Opposition im aufkommenden
       Wahlkampf weidlich ausschlachten dürfte. Schließlich kommt es in der Straße
       immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen linker Szene und Polizisten.
       Zuständig ist SPD-Innensenator Andreas Geisel, der die Situation bisher mit
       viel Fingerspitzengefühl gemanagt hat.
       
       Nun will die vergangene Woche frisch gekürte SPD-Spitzenkandidatin
       Franziska Giffey die Frage der inneren Sicherheit in Berlin zu einem
       zentralen Punkt ihres Wahlkampfs machen. Mal sehen, ob sich das auch schon
       in der Wortwahl der Sozialdemokraten im Innenausschuss auswirkt.
       
       Noch ein anderes Thema dort könnte für Geisel pikant werden: Auch der
       Umgang mit den Protesten der CoronaleugnerInnen soll diskutiert werden; und
       nicht nur die jüngsten, bei denen die Berliner Polizei erstmals seit Langem
       Wasserwerfer eingesetzt hatte (und dafür viel gelobt worden war), sondern
       auch noch einmal die Pannen im August. Da war es mehreren Hundert Menschen
       gelungen, trotz Absperrung auf die Reichstagstreppe zu gelangen.
       
       Nach dieser Woche werden dann nicht nur die Nächte still – das sind sie ja
       schon länger –, sondern auch die meisten Tage.
       
       6 Dec 2020
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Bert Schulz
       
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