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       # taz.de -- Berlin Atonal als Album: Jenseits des Tanzbaren
       
       > Das Berlin Atonal Festival muss dieses Jahr ausfallen. Die neue
       > Kompilation „More Light“ hilft über die Sehnsucht nach Clubnächten
       > hinweg.
       
   IMG Bild: Tanz im Trockeneis: so eine Aufnahme aus dem Kraftwerk (Berlin Atonal, 2018) macht Sehnsucht
       
       Will man die eigentümliche Atmosphäre des jährlichen „Berlin
       Atonal“-Festivals einfangen, geht das natürlich eigentlich nur vor Ort: die
       monumentalen dunklen Kammern des Kraftwerks als Spielstätte, die modischen,
       oft ebenso dunklen Outfits der Besucher:innen, der Wums der
       Lautsprechermembrane – all das gehört dazu. Wie so viele andere Festivals
       fiel aber auch das Atonal 2020 aus. Um sich ein Bild davon zu machen,
       welche Künstler:innen dort in der Regel zusammenkommen, empfiehlt sich die
       nun erschienene Kompilation [1][„More Light“]. Darauf versammelt: 19 Tracks
       von Musiker:innen aus dem Umfeld des Atonal-Festivals.
       
       Aus der experimentellen Szene sind einige Hochkaräter am Start. Da wäre
       etwa Caterina Barbieri, deren flirrendes Synthesizer-Werk [2][„Ecstatic
       Computation“ (2019)] zu Recht gefeiert wurde und deren hier vertretener
       Track so klingt, als hätte Jean-Michel Jarre seine Leidenschaft fürs
       Cembalo entdeckt („Sufyosowirl“). Auch die in Berlin lebende Komponistin
       und Produzentin Laurel Halo, die schon 2012 mit dem wahrlich prophetischen
       Album [3][„Quarantine“] reüssierte, hat ein Stück beigesteuert: „Terrain
       (Prototype 3c)“ klingt nach großen, endlosen Ambient-Gefilden, nach Weite,
       nach Ferne.
       
       Ambient und Techno sind ohnehin zwei Koordinaten, mit denen man diesen
       Sampler zumindest ein wenig eingrenzen könnte. So trifft man bei der
       Londoner Produzentin Nkisi wieder auf diese beiden Stile, bei ihr legen
       sich aber über sphärische Klänge knackig-kribbelige Techno-Sounds. Weitaus
       meditativer geht es dagegen bei Galya Bisengalieva zu Werke. Der Track der
       kasachisch-britischen Musikerin changiert zwischen flächigen Klängen,
       choral anmutenden Passagen und unterschwelligem Geplucker („Aralkum“).
       
       Einer der eindrücklichsten Songs kommt von Abdullah Miniawy, der hier
       gemeinsame Sache macht mit dem Produzententrio [4][Carl Gari]. Die drei
       Münchener rollen dem ägyptischen Musiker dabei den Electronica-Teppich aus,
       Miniawys getragener arabischer Gesang dominiert die Stücke. Hört sich toll
       an. Und auch was der schwedische Produzent Peder Mannerfelt so zustande
       bringt, macht Spaß: Er liefert einen schön verstolperten Techno-Track mit
       verschachtelten Beats und zerhäckselten Klängen – und schüttelt einen so
       ordentlich durch.
       
       Wer sich für abgefahrene elektronische Avantgarde-Musik jenseits des
       Gängigen und Tanzbaren (wobei man es hier und da schon mal versuchen kann)
       interessiert, der ist hier richtig. Den Download kann man bereits erwerben,
       im Januar folgt eine schick gestaltete Vinyl-Box mit fünf 12-Inches.
       
       20 Nov 2020
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://berlinatonal.bandcamp.com/album/berlin-atonal-more-light-boxset
   DIR [2] https://caterinabarbieri.bandcamp.com/album/ecstatic-computation
   DIR [3] https://laurelhalo.bandcamp.com/album/quarantine-2
   DIR [4] /New-Weird-Bavaria/!5648322
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jens Uthoff
       
       ## TAGS
       
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