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       # taz.de -- Kinder fragen, die taz antwortet: Warum verdienen die so wenig?
       
       > Die achtjährige Mathilda möchte wissen, warum Menschen, die in helfenden
       > Berufen arbeiten, oft so wenig Geld verdienen.
       
   IMG Bild: Demonstration am „Tag der Pflege“ vor dem Bundesministerium für Gesundheit am 12. Mai
       
       Anfang November wollten wir von Kindern wissen, welche Fragen ihnen zurzeit
       unter den Nägeln brennen. Manche Anliegen waren fast philosophisch, andere
       ganz konkret. Hier beantworten wir jede Woche eine ihrer Fragen. 
       
       Könnt Ihr Euch noch daran erinnern, dass während des ersten Lockdowns viele
       auf ihren Balkonen standen und klatschten? Sie wollten den Pflegekräften
       und Verkäufer:innen ihre Dankbarkeit zeigen, weil die trotz
       Infektionsgefahr dafür sorgten, dass die Welt weiterlief. Doch diese Geste
       kam nicht bei allen gut an. Statt Applaus würden sie lieber mehr Geld
       bekommen, sagten die Betroffenen.
       
       Und mit einem Mal wurde unübersehbar, wie ungerecht der Lohn verteilt ist.
       Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass die achtjährige Mathilda
       darüber nachdenkt, warum in manchen Berufen so wenig bezahlt wird, obwohl
       die besonders herausfordernd sind – und das nicht nur zur Coronazeit.
       
       Ein Anruf bei Simon Junker vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung
       (DIW Berlin). Er beantwortet die Frage mit einem Beispiel: „Stellen wir uns
       mal einen Bauleiter vor“, sagt er. „Der ist planerisch so geschickt, dass
       er ein Haus nicht in 50, sondern in 40 Tagen errichten kann.“ Damit erspart
       er dem Bauherrn erhebliche Kosten und den Bauarbeitern jede Menge Arbeit.
       Das heißt in der Ökonomiesprache, dass der Bauleiter besonders produktiv
       ist, und dafür bekommt er einen hohen Lohn. Die Pflegekraft kann dagegen
       höchstens beeinflussen, wie schnell sie arbeitet und ob sie an einem Tag 20
       oder 25 Patient:innen versorgt, und kann deshalb nur eine viel begrenztere
       Menge an Arbeitskraft und Geld einsparen als der Bauleiter.
       
       Hinzu kommt, dass die Arbeit einer Pflegekraft mehr Menschen machen können
       als die Arbeit eines Bauleiters, der für seinen Job ein unternehmerisches
       Talent benötigt. Deshalb gibt es auch mehr Pflegekräfte als Bauleiter, was
       sich wiederum auf den Lohn auswirkt.
       
       Aber kann man gar nichts gegen diese Lohnungerechtigkeit tun? „Doch“, sagt
       Malte Lübker von der Hans-Böckler-Stiftung. „Krankenpfleger und
       Verkäuferinnen können sich mit anderen Menschen ihres Berufszweigs
       zusammenschließen und gemeinsam für mehr Geld kämpfen. Dafür gibt es
       Gewerkschaften, in denen jeder Mitglied werden kann. Die gute Nachricht
       ist, dass der gemeinsame Kampf auch klappt, wie wir gerade in der
       Altenpflege gesehen haben.“
       
       1 Jan 2021
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Anna Fastabend
       
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