# taz.de -- Berliner Filmfestivals streamen online: Beim Erwachsenwerden zuschauen
> Manche Festivals lassen sich nicht unterkriegen – und streamen
> anspruchsvolles wie die Langzeitdoku „Adolescentes“ bei der Französischen
> Filmwoche.
IMG Bild: Die Langzeitdoku „Adolescentes“ begleitet zwei Freundinnen von ihrem 13. bis zum 18. Lebensjahr
Wie plant man in diesen schwer vorhersehbaren Tagen ein Filmfestival? Am
besten gar nicht, könnte man jetzt sagen. Doch: „the show must go on“,
irgendwie jedenfalls.
Das [1][Kurzfilmfestival „Interfilm“] hat sich für den Gang ins Netz
entschieden: Bis zum 13. 12 steht das Programm auf der
[2][Streaming-Plattform Sooner] zur Verfügung. Die Macher des Festivals
„Around the World in 14 Films“ haben hingegen vorerst die Reißleine
gezogen. Sie planten ein Präsenzfestival ab 3. 12 und verlegen nun auf
einen Termin „gleich nach dem Lockdown“ – wann immer das sein mag.
Auch die Berlinale hat schon verkündet, keine Filme online spielen zu
wollen. Ob dann im Februar überhaupt ein Festival stattfinden kann und wie
man das mit entsprechenden Hygienekonzepten hinbekommt (entweder Festival
deutlich verkleinern oder mehr Kinosäle anmieten?), wird die entscheidende
Frage sein. Planen muss man ja jetzt schon, aber wie?
Nach der Absage im Frühjahr fällt die umfangreiche Hommage an die
französische Schauspielerin Marina Vlady, die das Kino Arsenal nun im
Dezember spielen wollte, bereits zum zweiten Mal aus. Übrig geblieben sind
vier als Ergänzung der Retrospektive gedachte Filme im [3][Streamingbereich
„Arsenal 3“], darunter jeweils ein Werk von Chris Marker und Constanze
Ruhm, die auch gut für sich selbst stehen können.
## Irgendwann wird sozialer Hintergrund wichtig
Als Hybrid-Festival geplant war die 20. Ausgabe der [4][Französischen
Filmwoche], die ausgerechnet im Jubliläumsjahr nun online stattfindet: 13
Spiel- und Dokumentarfilme, eine Serie und einen Kurzfilm sind während der
Festivalwoche vom 26.11. bis 2.12. auf Sooner zu sehen.
Einer Highlight [5][ist die Langzeitdokumentation] „Adolescentes“ von
Sébastien Lifshitz, der über mehrere Jahre hinweg die französischen
Schülerinnen Anaïs und Emma beim Erwachsenwerden begleitet: Während sich
anfangs angesichts ähnlicher Erfahrungen – Stress in der Schule,
Streitereien mit den Müttern, erstes keusches Interesse für Jungs – die
Unterschiede in Charakter und sozialem Hintergrund noch verwischen, wird
letzterer immer wichtiger, je älter sie werden.
Anaïs, aufgewachsen in einer sozial schwachen Familie mit gehandicaptem
Bruder, muss schneller erwachsen werden und viel mehr Verantwortung
übernehmen als die musisch veranlagte und geförderte Emma, die mit ihrer
sehr fordernden Mutter kämpft und gerne Film studieren möchte.
Am Ende blicken die Freundinnen wie Veteraninnen auf die gemeinsame Zeit
zurück – und recht hellsichtig auf einen weiteren Lebensweg voraus, auf dem
sie sich vermutlich wegen unterschiedlicher Ziele aus den Augen verlieren
werden.
26 Nov 2020
## LINKS
DIR [1] /Berliner-Kurzfilmfestival-laeuft-online/!5723450
DIR [2] http://www.sooner.de
DIR [3] http://www.arsenal-3-berlin.de
DIR [4] https://www.franzoesische-filmwoche.de/
DIR [5] /Film-ueber-Berliner-SchauspielerInnen/!5693672
## AUTOREN
DIR Lars Penning
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