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       # taz.de -- Zerstörung des Regenwalds: Im Schatten der Pandemie
       
       > Worüber gerade kaum jemand spricht: In Brasilien wird der Regenwald im
       > Rekordtempo abgeholzt. Der CO2-Anteil in der Atmosphäre ist höher denn
       > je.
       
   IMG Bild: Brennender Amazonas-Regenwald bei Porto Velho, Brasilien
       
       Es ist eine der wenigen wirklich guten Nachrichten im Jahr 2020:
       [1][Mehrere Impfungen gegen das Coronavirus] stehen in der EU kurz vor der
       Zulassung. Auch wenn die Todeszahlen gerade auf einem Rekordhoch sind und
       die Infektionszahlen lediglich stagnieren, gibt es Hoffnung auf ein Ende
       der Pandemie. Die meisten Menschen in Deutschland atmen auf.
       
       Wer allerdings während des Atemholens nach Brasilien blickt, dem dürfte die
       Luft im Halse stecken bleiben: [2][Im Amazonas fallen die Bäume] gerade in
       einer Geschwindigkeit wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Drei Fußballfelder
       Urwald verschwinden pro Minute, insgesamt 11.000 Quadratkilometer Wald
       haben die Rodungsfirmen zwischen August 2019 und Juli 2020 zerstört.
       Gleichzeitig ist der CO2-Anteil in der Atmosphäre auf einem Rekordhoch.
       Daran ändert auch der kurzzeitige Rückgang der Emissionen im Coronajahr
       nichts.
       
       Diese Nachrichten sind so schlecht, dass viele Menschen im
       krisengeschüttelten Jahr 2020 vielleicht dazu neigen, sie nur kurz an sich
       heranzulassen und dann von sich wegzuschieben. Zu schmerzhaft ist der
       Gedanke daran, dass gerade der Wald immer kleiner wird, der uns in einer
       Welt mit zu viel CO2 einen beachtlichen Teil davon abnimmt und es in guten,
       atembaren Sauerstoff umwandelt. Dabei wäre es klug, diesen Nachrichten zu
       erlauben, einen wütend zu machen.
       
       Die Coronkrise erscheint lösbarer 
       
       Denn der Klimawandel schwebt die ganze Zeit über uns wie eine dunkle Wolke,
       die wir wegen der Coronakrise ignorieren. Aber nur weil die Klimaerwärmung
       eine Katastrophe ist, die sich seit Jahrzehnten ankündigt und die stetig an
       Fahrt aufnimmt, ist sie nicht weniger verheerend.
       
       Nur weil die Politik uns wegen der Coronapandemie zu drastischeren
       Einschnitten zwingt, als sie es wegen des Klimas tut, ist die globale
       Erwärmung nicht weniger gefährlich. Im Gegenteil: Die Klimakrise wird das
       menschliche Leben auf der Erde, wie wir es kennen, nicht nur für einige
       Monate, sondern für immer beeinträchtigen.
       
       Vielleicht liegt da der Knackpunkt: Weil die Politik uns vermittelt, dass
       die Coronakrise irgendwie lösbarer ist als die Klimakatastrophe, weil sie
       uns zu Einschränkungen zwingt und nicht nur darum bittet, erscheint die
       Pandemie irgendwie dringlicher als der schwindende Regenwald, die immer
       häufiger werdenden Extremwetterlagen und unsere immer schlechter werdende
       Luft.
       
       3 Dec 2020
       
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