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       # taz.de -- Räumung von Flüchtlingscamp in Paris: Schande der République
       
       > Frankreichs Innenminister gibt sich schockiert angesichts der
       > Polizeigewalt beim Räumen eines Flüchtlingscamps. Die ist gegen
       > Flüchtende aber nicht neu.
       
   IMG Bild: Gewaltsame Räumung des Protestcamps am Montagabend durch Polizeibeamte in Paris
       
       Die mächtige Mariannenstatue auf dem Pariser Platz der Republik bietet für
       Kundgebungen immer schon eine beeindruckende Kulisse. Am 11. Januar 2015
       etwa versammelten sich zu ihren Füßen mehr als eine Million Menschen, um
       nach den Anschlägen auf die Satirezeitung Charlie Hebdo und den jüdischen
       Supermarkt Hyper Cacher für die Meinungsfreiheit auf die Straße zu gehen.
       
       Am vergangenen Montagabend nun holten Hilfsorganisationen Hunderte
       Geflüchtete rund um die zehn Meter hohe Bronzefigur zusammen, die dort in
       Igluzelten auf ihre miserable Situation aufmerksam machten. Nach der
       Auflösung eines Flüchtlingslagers im Norden von Paris vor knapp zwei Wochen
       fehlt für rund tausend Menschen, die meist aus Afghanistan kommen, eine
       Unterkunft.
       
       Der französische Staat versagt nicht nur darin, diese Geflüchteten würdig
       zu beherbergen. Viel schlimmer noch: [1][Er lässt auf diejenigen
       einprügeln, die sein Scheitern anprangern]. Denn was auf der Place de la
       République passiert ist, ist eine Schande für die Republik. Polizisten
       versprühten Tränengas, traten Aktivistinnen und Aktivisten mit Füßen und
       behandelten die Migranten und Migrantinnen, als seien sie Ungeziefer.
       
       Brutale Szenen, die man aus der Hafenstadt Calais oder aus den nördlichen
       Banlieues von Paris kennt, spielten sich nun plötzlich mitten in der
       Hauptstadt ab. Nur ein paar Métro-Stationen vom Élysée-Palast entfernt.
       
       Präsident Emmanuel Macron und die Regierung können nun nicht mehr so tun,
       als ginge sie das alles nichts an. Es reicht nicht, wenn selbst der für
       seine harte Hand bekannte Innenminister Gérald Darmanin sich angesichts der
       Bilder schockiert zeigt. Er muss [2][der Polizeigewalt], die sich seit
       Jahren gegen Flüchtende Bahn bricht, Einhalt gebieten. Und die Regierung
       muss endlich Unterkünfte, ärztliche Behandlung und ausreichend
       Nahrungsmittel für die Migrantinnen und Migranten bereitstellen.
       
       Erst im Juli hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die
       „unmenschlichen und entwürdigenden Lebensbedingungen“ der Asylsuchenden in
       Frankreich kritisiert. Es war nicht das erste Mal, dass internationale
       Organisationen die Situation der Flüchtenden in Frankreich anprangern. Es
       wird höchste Zeit, dass die Regierung endlich darauf reagiert.
       
       24 Nov 2020
       
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