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       # taz.de -- Filmverbot bei Polizeieinsätzen: Ohne Bilder keine Anklage
       
       > In Frankreich sollen Bilder von Polizeigewalt auf den Index gesetzt
       > werden. Das driftet ab in eine Sicherheitspolitik, wie sie autoritäre
       > Regime praktizieren.
       
   IMG Bild: Gibt sich gerne volksnah: der französische Präsident Macron bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung
       
       Noch in der Debatte am Wochenende hatte [1][die Regierungspartei] eine
       letzte Gelegenheit, das in einem neuen Sicherheitsgesetz vorgesehene
       Verbot, „mit offensichtlich schädigender Absicht“ Videos von Polizisten in
       Aktion zu veröffentlichen, die eine Identifizierung der Beamten zulassen,
       zu kippen.
       
       Die Mahnungen von Bürgerrechtsorganisationen und Proteste der
       Gewerkschaften der direkt betroffenen Journalist:innen und der
       Medienredaktionen blieben ungehört. Noch am Samstag haben Tausende in Paris
       und zahlreichen Städten trotz Versammlungsverbot demonstriert. Dass heute
       ein Innenminister den demoralisierenden Kontext der coronabedingten
       Restriktionen nutzt, um einen solchen Rückschritt für die Demokratie im
       Gesetz zu verankern, ist geradezu niederträchtig.
       
       Dieser für seinen skrupellosen Ehrgeiz bereits bekannte Minister, Gérald
       Darmanin, hatte den Polizeigewerkschaften das Versprechen gegeben, dass
       künftig keine für sie kompromittierenden Bilder mehr in den Netzwerken
       zirkulieren. In Wirklichkeit will er noch weitergehen, wie er freimütig
       gestand: Bei Reportagen über eventuell gewaltsame Konfrontationen sollten
       sich die Medien bei den Behörden akkreditieren, schlug Darmanin vor, der so
       von einem „Embedded“-Journalismus bei Demos träumt. Das steht nicht im
       Gesetz, und die Regierung beteuert, an professionelle Journalisten sei bei
       dem Filmverbot nicht direkt gedacht.
       
       Dass Präsident Emmanuel Macron und seine Regierung, vor allem aber auch
       deren Parlamentsmehrheit im Verein mit der konservativen Rechten Darmanin
       gewähren lässt, zeugt von einem äußerst [2][beunruhigenden Abdriften in
       eine Sicherheitspolitik], die einem autoritären Regime wie in Ungarn oder
       Russland eher anstehen würde als der „Wiege der Menschenrechte“, wie sich
       Frankreich gern nennt. Nach der für Dienstag erwarteten Verabschiedung der
       Vorlage bleibt die Hoffnung, dass das Verfassungsgericht wegen der
       entstehenden Rechtsunsicherheit das Gesetz mit seinem Rotstift korrigiert.
       
       23 Nov 2020
       
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