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       # taz.de -- Coronazahlen steigen weiter: Doch kein R-Wert unter 1
       
       > Das Robert-Koch-Institut hatte eine gute Nachricht verbreitet – aber
       > verfrüht. Die Zahl der Neuinfektionen und Todesfälle wächst weiter.
       
   IMG Bild: Flatterhaft wie Laub im Herbstwind: der R-Wert
       
       Es klang nach einer guten Nachricht, was in der vergangenen Woche an
       mehreren Tagen im Coronalagebericht des staatlichen
       [1][Robert-Koch-Instituts (RKI)] zu lesen war: Der 7-Tage-R-Wert sei unter
       1 gesunken. Diese Zahl ist eine wichtige Kenngröße für die Ausbreitung der
       Pandemie; sie gibt an, wie viele weitere Menschen ein Corona-Infizierter
       über eine Woche gemittelt ansteckt. Liegt der R-Wert über 1, wächst die
       Zahl der Neuinfektionen weiter, liegt er unter 1, sinkt sie.
       
       Doch inzwischen steht fest: Die gute Nachricht stimmte nicht. Nachdem das
       RKI die R-Werte der letzten Woche aktualisiert hat, gibt es an keinem Tag
       mehr einen Wert unter 1. Das ist aber gar nicht leicht zu erfahren: Während
       die ursprüngliche Schätzung des R-Werts prominent im Lagebericht steht, ist
       die Aktualisierung in einer unübersichtlichen Tabelle auf einer Unterseite
       der Behörde im Netz versteckt.
       
       Dass sich die Werte im Nachhinein noch verändern, ist nicht ungewöhnlich,
       denn bei der Berechnung wird zum Teil mit Schätzungen gearbeitet, die
       täglich aktualisiert werden, wenn weitere Erkrankungsdaten für
       zurückliegende Tage gemeldet werden. Derzeit ist die Abweichung aber
       besonders groß, und sie geht nur in eine Richtung: Wie ein Vergleich der
       ursprünglichen Werte aus den Tagesberichten mit den Aktualisierungen zeigt,
       sind die R-Werte in den letzten Wochen fast nur nach oben korrigiert
       worden, und zwar um bis zu 0,2. Bei einem Wert, der zuletzt zwischen 0,9
       und 1,4 geschwankt hat, ist das überaus relevant.
       
       Das RKI erklärt auf Anfrage, es sei zutreffend, dass die R-Werte in der
       letzten Zeit vor allem von Montag bis Donnerstag nachträglich oft nach oben
       korrigiert worden sind. Grund für die deutliche Unterschätzung in der
       letzten Zeit sei, dass sich die Verzögerung zwischen Erkrankung und Meldung
       einer Infektion zuletzt verlängert habe, so die Behörde. Einfach anpassen
       könne man die Berechnung aber auch nicht, weil unklar sei, wie lange diese
       Verlängerung noch weiter zunehme.
       
       Doch nur schlecht ist die Nachricht trotzdem nicht, die derzeit vom R-Wert
       ausgeht. Denn auch wenn die korrigierten 7-Tage-R-Werte weiterhin über 1
       liegen, zeigen sie in den letzten Wochen doch einen klaren Trend nach
       unten: Von 1,4 Anfang Oktober ging der Wert auf 1,1 am Monatsende zurück.
       Das Wachstum der Neuinfektionen ist also nicht gestoppt, aber es
       verlangsamt sich.
       
       Das zeigt sich auch an den aktuellen Zahlen. Am Montag lag die Zahl der
       täglich gemeldeten Neuinfektionen im 7-Tage-Mittel bei gut 18.000. Das ist
       ein neuer Höchstwert – aber er liegt nur rund 18 Prozent höher als vor
       einer Woche. Eine Woche zuvor betrug der entsprechende Anstieg noch 50
       Prozent.
       
       Etwa langsamer als zuvor wächst auch die Zahl der Coronapatient*innen,
       [2][die auf Intensivstationen] behandelt werden müssen. Mit 3.005 wurde
       hier am Montag der bisherige Höchstwert vom April übertroffen. Die Zahl der
       Coronatoten steigt dagegen mit fast unverändertem Tempo weiter. In der
       letzten Woche starben im Schnitt 117 Menschen an einem Tag im Zusammenhang
       mit Covid-19.
       
       9 Nov 2020
       
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